Tierschutzhunde versorgen

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben. Aber nicht gerade selten wird dieser gut gemeinte Akt der Tierliebe zu einer großen Herausforderung für diese Menschen. Denn der Tierschutzhund bringt häufig ein großes Paket mit. Ein Paket, dessen sich die Menschen in vielen Fällen jedoch nicht bewusst sind.

tierschutzhund Die Gründe, warum diese Menschen sich nicht dieses Pakets und der daraus resultierenden möglichen Problematiken bewusst sind, haben verschiedene Ursachen. Eine ist sicher, dass schon bei der Vermittlung der Hunde viele Fehler gemacht werden, angefangen mit mangelhaften oder fehlerhaften Informationen. Eine weitere Ursache sind dogmatisch betriebene Vorgehensweisen, wie z.B. die nach wie vor meist praktizierte „Vorschrift“ der Kastration.

Ich möchte in diesem Artikel aber nicht die Ursachen in den Vordergrund stellen, sondern ein wenig erläutern, was getan werden kann, um Probleme entweder schon im Vorfeld zu minimieren oder um den Umgang mit auftretenden Problemen zu erleichtern.

Was bringt der Tierschutzhund mit?

Auch wenn es wichtig ist, jeden Hund als Individuum zu betrachten, lassen sich doch einige Parameter ausmachen, die ein sehr großer Teil der Hunde aus dem Tierschutz mitbringt:

  • Viele der Hunde wurden von der Straße geholt, wo sie vorher ein selbstbestimmtes Leben geführt haben. Je nachdem wie alt der Hund ist, kann es für ihn wenig einleuchtend sein, dass er sich nun den Hausregeln unterwerfen soll, die seine „neue Familie“ für ihn aufstellt.
  • Sei es im Tierheim oder im Leben auf der Straße – die Versorgung war meist mangelhaft, was zu Nährstoffdefiziten geführt haben kann.
  • Alle Hunde im Tierschutz werden einer festgelegten medizinischen Versorgung unterzogen. Das bedeutet, sie werden alle geimpft, mit chemischen Mitteln von Parasiten befreit, entwurmt, usw. Diese Maßnahmen bedeuten schon im Einzelnen immer eine Belastung des Organismus. Werden sie jedoch geballt angewendet und ist der Organismus durch eine vorhergehend mangelhafte Versorgung noch dazu geschwächt, bedeuten sie eine besonders große Belastung.
  • Hunde aus dem Tierschutz werden entweder noch vor ihrer Übergabe kastriert, oder es wird eine Kastrationspflicht im Vertrag festgehalten. Besonders bei jungen Hunden ist dies ein wichtiger Faktor, denn sie werden in ihrer weiteren Entwicklung maßgeblich eingeschränkt. Eine Frühkastration (Früh = alle Kastrationen etwa bis zum vollendeten 3. Lebensjahr) birgt ein sehr hohes Risiko für Folgeerkrankungen, so z.B. Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz- und Kreislauferkrankungen, sowie Fehlentwicklungen im Gehirn mit entsprechend einhergehenden Verhaltensproblematiken.
  • Der Transport in das „bessere Leben“ war für viele dieser Hunde ein traumatisches Erlebnis (was z.B. erklären kann, weshalb es bei diesen Hunden oft Probleme mit dem Autofahren gibt)
  • Viele dieser Hunde weisen eine „Fehlprägung“ auf, zumindest für das Leben, das sie nach ihrer Rettung führen sollen. Problematische Verhaltensweisen, die oft auf „schlechte Erfahrungen“ geschoben werden, basieren häufig nicht auf schlechten, sondern schlicht auf fehlenden Erfahrungen in der wichtigen Zeit der Prägung und Sozialsisierung. Das ist insofern besonders problematisch, weil man diese Erfahrungen nicht einfach nachholen kann. Man nennt das auch Deprivationssyndrom oder Hospitalismus oder Kasper-Hauser-Syndrom.
  • Oft ist die Zeit im Tierheim von sehr vielen belastenden Umständen geprägt. Manch ein Hund ist in dieser Zeit „dauergestresst“, was sich durch die erhöhte Produktion von Cortisol sehr negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Mangelzustände, Hunger, Kälte oder andere Faktoren gehen nicht spurlos an dem Hund vorbei.
  • Sogenannte Tötungsstationen sind natürlich absolut traumatisierend, auch wenn der Hund lebend wieder rausgekommen ist. Hunde sind fühlende Wesen und neben dem eigenen Leid geht auch das Leid ihrer Artgenossen nicht spurlos an ihnen vorbei.
  • Viele Hunde kommen aus südlichen Ländern und bringen typische Erkrankungen mit, wie z.B. Leishmaniose. Die meisten Hunde werden mittlerweile bei der Einreise getestet, leider bedeutet ein negatives Testergebnis aber nicht, dass der Hund frei von solchen Erkrankungen ist.
  • Auch die Zeit VOR dem Tierheim kann mit Traumatisierungen behaftet sein, meist weiß man nicht, was der Hund vorher so alles erlebt hat. Aber selbst nach Jahren kann es zu Retraumatisierungen kommen, wenn ein sogenannter „Trigger“ dazu führt, dass der Hund gefühlt zurück in eine traumatisierende Situation geworfen wird, dafür reichen schon kleine Erlebnisse, wie die berühmte „Fliege an der Wand“. Jedes Erlebnis wird mit äußeren Umständen verknüpft, so funktioniert das ja auch bei uns Menschen. Viele kennen z.B. die Situation, dass ein Duft sie an schöne Erlebnisse aus ihrer Kindheit erinnert, das funktioniert natürlich auch im negativen Sinne.

Diese Liste, die natürlich nicht vollständig ist, zeigt wie problematisch die Aufnahme eines Tierschutzhundes sein kann und vor allem, wie verheerend die Folgen sein können, wenn man nicht entsprechend vorbereitet ist.

Ich wage zu behaupten, dass ein großer Teil der Menschen, die solche Hunde aufnehmen, NICHT ausreichend vorbereitet ist. Viele holen dieses Manko gezwungenermaßen im Laufe der Zeit nach, dabei geht aber viel wertvolle Zeit verloren und manche Problematik verschlimmert sich so natürlich noch. Oft fehlt auch der „ganzheitliche Blick“ für die Problematiken und man „doktert“ an einzelnen Stellen herum und kommt nicht weiter, weil man wichtige Faktoren außer Acht lässt.

Ich glaube, dass vieles anders laufen könnte, wenn die Menschen besser informiert wären, BEVOR sie sich einen Hund aus dem Tierschutz holen. Es ist wichtig, sich der Problematiken bewusst zu sein, die im Laufe der Zeit auftreten können, um entweder vorbeugend handeln zu können, oder natürlich, um nicht so viele Irrwege gehen zu müssen. Und oft kann man auch weiteren irreparablen Schaden verhindern, wenn man gleich den richtigen Weg geht.

Man sollte sich auch nicht scheuen, einen Hund abzulehnen, wenn man das Gefühl hat, dieses Paket könnte zu groß sein. Immerhin trifft man eine Entscheidung darüber, mit wem man die nächsten 10 – 15 Jahre sein Leben teilen möchte.

Was also tun mit dem Tierschutzhund?

Die folgenden Tipps und Ratschläge können natürlich nur eine allgemeine Sichtweise bieten, jeder individuelle Hund verdient und benötigt noch einmal eine individuelle Betrachtung. Trotzdem kann man sich mit dieser allgemeinen Sichtweise ein Fundament schaffen, auf dessen Grundlage es sich leichter „arbeiten“ lässt. Fangen wir also an …

Info, Info, Info …

Die beste Basis, auf der man aufbauen kann, ist natürlich so viel wie irgend möglich zu wissen über den Hund, mit dem man fortan sein Leben teilen möchte. Hat der Hund auf der Straße gelebt? Hatte er traumatische Erlebnisse? Wie lange war er im Tierheim? Wie hat er da gelebt? Wie verhält/verhielt er sich dort? Wie zutraulich ist er? Hat er „besondere“ Verhaltensweisen? Es empfiehlt sich sehr, den Hund so gut wie möglich VOR der Übernahme kennenzulernen, so kann man sich auf manches schon mal vorbereiten …

Kastration? Nein Danke!!

Nach wie vor ist es üblich, die Tierschutzhunde quasi routinemäßig zu kastrieren. Das muss aufhören! Vor allem den jungen Hunden fügt die Kastration einen großen, nicht wieder umkehrbaren Schaden zu! Mal abgesehen davon, dass es überhaupt keinen Sinn macht, einen Hund zu kastrieren, der in die wohlbehütete Obhut eines Menschen übergeben wird. Die Klausel, die man in den allermeisten Übernahmeverträgen zur Kastrationspflicht findet, ist rechtswidrig und darf ignoriert werden.

Vor allem die Frühkastration (bis zum Alter von ca. 3 Jahren) kann sehr großen Schaden anrichten und ist mit verantwortlich für sehr häufig vorkommende Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz- und Kreislauferkrankungen, sowie auch viele Verhaltensprobleme.

dog-mother-142717_1280-kopie

Der Bewegungsapparat der Tierschutzhunde ist hier einer doppelten „Gefahr“ ausgesetzt. Zum einen sind diese Hunde häufig nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Der Calciumbedarf, das kann man sich ja denken, wird bei einem Hund, der sich von Abfall ernährt, sicher alles andere als ausreichend gedeckt, ist aber ein wichtiger Faktor im Wachstum. Ein Welpe, der von einer mangelernährten Mutterhündin gesäugt wird, wird nicht ausreichend versorgt. Viele Welpen, die im Tierheim landen werden auch gar nicht ausreichend – wenn überhaupt – gesäugt. Der Bewegungsapparat hat für seine Entwicklung also schon mal schlechtere Voraussetzungen.

Wird der Hund nun noch kastriert, bevor er ganz ausgewachsen ist (das kann bis zum Ende des 3. Lebensjahres dauern), erleidet sein Bewegungsapparat einen weiteren „Mangel“. die Hormone sind u. a. nämlich wichtig für das Wachstum der Knochen und die Stabilität von Bindegewebe und Muskulatur. Fehlen diese Hormone, kann es zum einen zu einem stärkeren Längenwachstum kommen, zum anderen sind Muskulatur und Bindegewebe nicht so stark aufgestellt. Das heißt zum einen, die Knochen sind nicht so stabil, wie sie sein könnten, zum anderen, sie erhalten weniger Unterstützung von Muskulatur und Bindegewebe. Wen wundert es da noch, wenn es früher oder später zu Erkrankungen des Bewegungsapparates kommt.

Auch die kognitiven Fähigkeiten des Hundes sind durch die Kastration beeinflussbar. Viele der Tierschutzhunde leiden unter „Fehlprägungen“, Traumatisierungen, etc. und zeigen unsichere / ängstliche Reaktionen. Eine Kastration kann diese Verhaltensweisen sehr verstärken oder sogar erst richtig sichtbar machen. Neben der Tatsache, dass der früh kastrierte Hund niemals das Gehirn und entsprechend den „Verstand“ eines „ausgereiften“ Hundes haben wird, können fehlende Hormone ein ängstliches oder unsicheres Verhalten in regelrechte Panikattacken umwandeln. Ein Beispiel ist der unsichere Rüde, der sein letztes bisschen Mut durch das vorhandene Testosteron bekommt, das auch gerne Mutmacherhormon genannt wird. Was macht der nun ohne das Testosteron? Die Antwort auf diese Frage findet sich in vielen der sogenannten Angsthunde, die kaum noch zu integrieren sind. Ein Hund, der ein nicht ausgereiftes Gehirn hat und zudem noch mit Panikattacken kämpft, wird sich mehr als schwer tun, neues zu lernen.

Je öfter Menschen die Aufnahme bereits kastrierter Hunde ablehnen werden, desto eher werden die Tierschutzvereine damit aufhören, routinemäßig zu kastrieren. Und nicht vergessen: es gibt eigentlich nur eine einzige Indikation, die eine Kastration wirklich erforderlich machen kann, das ist die medizinische.

Bitte nicht vermenschlichen!

Wir Menschen neigen dazu, alles, was unter den „Niedlichkeitsfaktor“ fällt oder auch unser Mitleid erregt, zu verhätscheln/betüddeln. Das ist bei sehr vielen Tierschutzhunden aber eine denkbar schlechte Vorgehensweise. Und auch die Regel „die Erziehung fängt sofort an“ gilt beim Tierschutzhund nur sehr eingeschränkt. Das Beste, was man für einen Hund tun kann, der gerade frisch aus dem Tierschutz in seinem neuen Zuhause eingetroffen ist, ist, ihn einfach zu ignorieren. Damit ist aber nicht diese Ignoranz gemeint, mit der manche ihren Hund bestrafen wollen, sondern eine Ignoranz, die den Hund einfach aus dem „Fokus“ entlässt und ihm die nötige Ruhe ermöglicht, einfach anzukommen.

Diese Vorgehensweise ist aber nicht einfach nur nett gemeint, dem Hund gegenüber. Im schlimmsten Fall kann ein für den Hund „übergriffig“ aufgenommenes Verhalten der Menschen dazu führen, dass der Hund zubeißt.

Es kommt natürlich auch sehr auf den Hund an. Sucht er von sich aus Kontakt, wäre es natürlich blöd, ihn zu ignorieren.

Hunde leben im Hier und Jetzt. Nur im Hier und Jetzt. Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Sie nehmen nicht wahr, dass diese fremden Menschen sie gerettet haben. Sie nehmen erst mal nur wahr, dass sie in einer fremden Umgebung sind, umgeben von fremden Menschen, eingesperrt und (oft) ihrer Freiheit beraubt. Das alles wohlmöglich auf der Basis einer oder mehrerer Traumatisierungen.

Es kann sehr hilfreich sein, wenn man es schafft, sich ganz dem Tempo des Hundes anzupassen. Ein Schlafplatz in einer geschützten Ecke, wo der Hund trotzdem den Überblick hat, wird sicher gerne angenommen. Kontakt kann man ab und an herstellen, indem man sich auf den Boden setzt und mit ganz neutraler Haltung und ohne zu sprechen ein paar Leckerchen anbietet. Das reicht für den Anfang.

Der Hund braucht nicht dein Mitleid, sondern dein Verständnis. Verständnis für seine besondere Situation.

Wellnessprogramm? Ja bitte!!

Mit Wellnessprogramm meine ich, Dinge für den Hund zu tun, die sein körperliches Wohlbefinden steigern können. Das ist natürlich eine gute Unterstützung, denn wer sich wohl fühlt, benimmt sich auch besser. Hat der Hund z.B. Juckreiz, weil sein Organismus mit den ganzen Behandlungen überfordert wurde, sollte man natürlich für Abhilfe sorgen. Ein Hund, der aus dem Tierschutz kommt, kann gut ein „Rundum-Programm“ vertragen, so kann man nicht nur bestehende Probleme eventuell beseitigen, sondern auch kommenden vorbeugen.

Das „Rundum-Wohlfühl-Programm“

  • Die Ernährung sollte gesund und ausgewogen gestaltet werden. Am allerbesten ist eine Fütterung mit frischen Komponenten, abgerundet mit ein paar wenigen Ergänzungen. Der Hund wird so mit allen nötigen Nährstoffen versorgt und sein Organismus wird nicht mit weiteren schädlichen Faktoren belastet. Durch die richtige Zusammenstellung der Nahrungsmittel kann man außerdem dafür sorgen, dass der Hund von innen heraus entspannter ist. Besonders bei Hunden, die schon mit benannten Erkrankungen kommen, muss dies in der Ernährung berücksichtigt werden. Ist z.B. schon eine Leishmaniose diagnostiziert und erhält der Hund Medikamente, muss das berücksichtigt werden, da es sonst zu Folgeerkrankungen kommen kann. Mit der Thematik Leishmaniose werde ich mich aber noch in einem gesonderten Artikel auseinander setzen. Wie du weiter oben schon gelesen hast, haben Tierschutzhunde eine besondere Disposition für Erkrankungen des Bewegungsapparates, ganz besonders, wenn sie jung kastriert wurden. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, in ihrer Ernährung darauf zu achten, dass sie adäquat mit Calcium und Vit. D versorgt werden. Außerdem kann man sie präventiv mit Ergänzungen unterstützen, die den Bewegungsapparat besonders unterstützen.
  • Die Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane sollten z.B. durch Kräuterkuren unterstützt werden und so der Abbau der schädlichen Substanzen im Hundeorganismus voran getrieben werden.
  • Das Immunsystem muss „aufgepäppelt“ werden, indem man z. B. den Darm (dort sitzt der größte Teil, ca. 80% des Immunsystems) saniert und pflegt und natürlich durch die Zufuhr aller wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge (siehe Ernährung oben).
  • Haut und Fell sind häufig durch die Umstände, schlechte Versorgung, Verletzungen, etc. stark beansprucht. Eine Kur mit Bierhefe kann die Regeneration aufgrund der enthaltenen B-Vitamine unterstützen und gleichzeitig für die Beruhigung der angespannten Hundenerven sorgen.
  • Ausreichende, jedoch entspannte Bewegung (weniger Sprint, mehr Ausdauer) kann ebenfalls dafür sorgen, dass der Hund „von innen“ entspannter wird.
  • Harmonisierende Bachblüten können vor allem die Eingewöhnung des Hundes in die neue Umgebung erleichtern. Sie helfen zum einen, die neue Situation besser zu akzeptieren, zum anderen mildern sie möglicherweise die Folgen vorangegangener schlimmer Ereignisse.

Auch dies ist nur ein Auszug der Möglichkeiten. Die „innere“ Arbeit ist aber immens wichtig, weil man sonst nicht richtig erkennen kann, woher mögliche Problematiken kommen. Um wirklich zu erkennen, welche Problematiken tatsächlich zum Hund gehören, also durch Prägung, Vorgeschichte, Traumatas, etc. entstehen, muss der Hund sich in einem körperlich guten Zustand befinden.

Fels in der Brandung oder Dosenöffner?

Der Hund hat sich den Ort und seine neue Familie nicht ausgesucht. Das ist vielleicht ein Punkt, den man niemals vergessen sollte. Anders ausgedrückt, nicht der Hund kann etwas dafür, dass er nun an einem Ort ist, wo er eigentlich gar nicht hingehört, dafür sind wir Menschen verantwortlich.

Entsprechend ist es wichtig, sich auf die „Persönlichkeit“ des individuellen Hundes einzulassen. Auch hier kann die Vorgeschichte ein hilfreicher Faktor sein.

strassenhund

Ein Hund, der schon ein paar Jahre Lebensgeschichte hinter sich hat, die er größtenteils auf der Straße verbracht hat, wird wahrscheinlich nicht unbedingt mit im Bett seiner menschlichen Lebensgefährten schlafen wollen. Er wird wahrscheinlich auch nicht viel Verständnis dafür haben, dass seine gewohnten Streifzüge um die Häuser auf der Suche nach Nahrung (Müll?) nicht gerne gesehen werden. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Hund dieses Verhalten nicht an den Tag legt, um seine Menschen zu ärgern, sondern weil es zu seiner gewohnten Lebensweise gehört.

Was sich ebenfalls lohnt, ist ein Blick auf die Hunderasse. Das ist insofern etwas schwierig, da es sich zum einen häufig um Mischlinge handelt, zum anderen sind die Rassebeschreibungen der Vereine oft an „Modehunden“ ausgerichtet, die sich halt einfach besser vermitteln lassen. Optik, Größe und Verhalten lassen aber auch im Nachhinein den ein oder anderen Schluss zu, es lohnt sich auch zu schauen, welche Rassen in den Ländern vielleicht gezüchtet werden und für welchen Zweck.

Je größer die Bereitschaft des Hundes ist, sich seinen Menschen anzuschließen, desto größer sind natürlich die Möglichkeiten, ihn zu integrieren. Ein sehr unsicherer Hund kann besonders daraus profitieren, wenn er in seinen Menschen einen „Fels in der Brandung“ findet. Auch wenn man nicht alle Unsicherheiten „wegtrainieren“ kann, kann man ihm zumindest das Gefühl vermitteln, dass er „sicher“ ist, solange er sich in der Nähe seiner Menschen befindet.

Akzeptanz

Akzeptanz ist für mich das Schlüsselwort, wenn es um Hunde, im Besonderen aber um Tierschutzhunde und ihre Integration geht. Auch ein Hund hat ein Recht darauf zu sein, wie er ist. Dabei muss natürlich unterschieden werden, inwieweit sein Verhalten zu Beeinträchtigungen führt. Natürlich kann ich nicht akzeptieren, dass ein Hund wie eine Furie jeden Mann attackieren möchte, der einen schwarzen Mantel trägt. Ich kann aber akzeptieren, dass er für dieses Verhalten triftige Gründe hat.  Und aus dieser Akzeptanz heraus ergibt sich die weitere Vorgehensweise.

Schlussendlich denke ich, muss man sich gerade bei Straßenhunden darüber im Klaren sein, dass sie aus ihrem „natürlichen“ Lebensraum entfernt wurden. Die Akzeptanz, dass ein Hund nun mal als Streuner gelebt hat und das eigentlich auch gerne weiter tun würde, lässt vieles vielleicht in einem anderen Licht erscheinen.

Zum Schluss möchte ich allen (Tierschutz)Hundehaltern gerne ein Buch empfehlen, das die Akzeptanz der hündischen Verhaltensweisen immens steigern kann. Merles Tür von Ted Kerasote kann besonders für Halter von Tierschutzhunden zur regelrechten Offenbarung werden, so dass sie am liebsten gleich in den nächsten Baumarkt stiefeln wollen, um Holz etc. für den Bau einer Tür zu kaufen …

Meine bisherige „Tierschutzhundebande“ :-D

Nächste Veranstaltung

Hinweis zum Teilen der Beiträge

Das Teilen meiner Artikel auf sozialen Medien wie z. B. Facebook sowie auch das Verlinken zu meinen Artikeln ist jederzeit erlaubt, ohne dass dafür meine Genehmigung eingeholt werden muss. Vervielfältigungen oder Nachveröffentlichungen z.B. auf anderen Internetseiten oder auch in gedruckter Form dürfen nur mit meiner schriftlichen Genehmigung erfolgen.

Hinweis zu den Texten

Hinweis

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen?

Die Kommentare auf dieser Seite werden moderiert und müssen von mir zur Veröffentlichung freigeschaltet werden. Die Freischaltung erfolgt i. d. R innerhalb von 24 Stunden. Bitte sei freundlich, auch wenn du Kritik äußern möchtest. Ich freue mich auf deine Meinung!

22 Kommentare

  1. Sehr interessanter informativer Artikel.

    Wünschenswert wäre es, wenn alle Tierschutzorgas sauber arbeiten und die Menschen wirklich darauf vorbereiten würden, was auf sie zukommt, denn eine gute Orga kennt die Hunde und weist auf Probleme hin. Es wäre gut, wenn Menschen, die einen Tierschutzhund aufnehmen, darauf verstärkt achten würden, wobei das nicht immer einfach zu erkennen ist, man kann ja niemandem in den Kopf gucken. Reißerische Vermittlungsversuche wie „Wenn der Hund nicht in 24 Stunden vermittelt ist, muss er sterben!!!“ sind jedenfalls schon mal ein Anzeichen, dass es dort nicht seriös zugeht. Mitleid ist nicht immer die beste Entscheidungshilfe.

    Auch eine gute Vorkontrolle weist m. E. auf eventuell auftauchende Schwierigkeiten hin und weiß gut über den betreffenden Hund Bescheid.

    Deine Tierschutzbande ist toll. Habe hier auch zwei rumlaufen, Spanierin und Bosnier.

    LG
    Katrin

    • Hallo liebe Katrin,

      ja, das stimmt alles leider, denke ich. Was ich auch auffällig finde, ist, wenn eine Orga alle Hunde mit ausschließlich „netten“ Eigenschaften ausstattet. Allerdings, letztendlich kann man das bei einem Hund aus dem Tierschutz alles nicht wissen, gerade wenn man einen jungen Hund aufnimmt, muss man damit rechnen, dass sich Probleme auch später erst zeigen können. Die beste Voraussetzung ist sicher, viel Hundeknowhow und die Bereitschaft auch mit Schwierigkeiten umzugehen. Genau wie du schreibst, finde ich Mitleid absolut nicht geeignet als Entscheidungshilfe.

      Meine „Tierschutzhundebande“ bestand auch aus Hunden, die nur zur Pflege hier waren. Das habe ich sehr gerne gemacht, nur hat es meinem Mann jedes mal das Herz gebrochen, wenn sie ausgezogen sind. Deshalb haben wir aufgehört, Hunde in Pflege zu nehmen. Aber wer weiß, vielleicht irgendwann noch mal :-D

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Ein sehr gelungener Artikel, der viele Gründe aufzeigt, die mich abhalten würden einen Hund aus dem ausländischen Tierschutz zu nehmen. Ich bin kein Hundetrainer und traue mir nicht zu, einen Hund mit ungewisserer Vergangenheit und mir nicht bekannten Problemen – zum Beispiel auch durch den Transport verursacht- zu übernehmen.

    Was mich ebenfalls abschrecken würde, dass oft ein Hund nach einem Bild ausgesucht wird und man sich erst am Tag der Übernahme sieht und kennenlernt. Für mich gehört aber ein Kennenlernen, ein Überlegen und Insichgehen dazu. Wir haben Socke erst besucht, den Nachmittag mit ihr verbracht und dann eine Nacht über die Sache geschlafen. So fand ich es gut. Und die ersten Wochen hatten wir noch ganz viel Kontakt zur Vorbesitzerin, denn es gab so viele Fragen, an die man gar nicht dachte….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Hallo liebe Sabine,

      das kann ich sehr, sehr gut verstehen. Und ich finde es auch absolut richtig, dass man diese Entscheidung für sich trifft. Auch wenn ein Hundeleben vergleichsweise kurz ist, sind mögliche 10-15 Jahre eine lange Zeit. Abgesehen davon, dass es mittlerweile definitiv Überhand nimmt, was an Hunden alles hierher kommt und fraglich welchen Nutzen das für die Problematik in den entsprechenden Ländern hat …

      Liebe Grüße
      Anke

  3. So wichtig es ist, darauf hinzuweisen, dass man nicht blauäugig einen Tierschutzhund nehmen sollte, so schade würde ich es trotzdem finden, wenn sich Menschen wie Sabine abgeschreckt fühlen. Ich habe eine kastrierte, verletzte Hündin aus Italien aufgenommen, die dort eine schlechte Zeit hatte. Sie ist mit Narben, teils von Bissen, übersät. Sie ist aber ein zauberhaftes, sanftes und freundliches, gänzlich unkompliziertes Wesen, das selbst in einer lauten Großstadt wie Frankfurt bestens zurecht kommt. Sie liebt Menschen, schmust und kuschelt gern, ist absolut verträglich mit Hunden, mag Handwerker und Besuch, fährt gern Auto, bleibt problemlos allein, kann überall hin mitgenommen werden, bellt und jault nicht in der Wohnung, lernt schnell und gern. Auch das ist also möglich. Ich hatte die Gelegenheit, sie ausgiebig kennenzulernen, etwas anderes wäre für mich auch nicht in Frage gekommen. Noch bevor sie zu mir kam, gingen wir zusammen Gassi und sogar zum Tierarzt. Bewegungsapparat und Bindegewebe sind tatsächlich mies und ich stehe der frühen Kastration auch sehr kritisch gegenüber. Und klar, sie frisst alles, was sie findet, aber das kenne ich auch von vielen Rassehunden aus bester Zucht. Verfressenheit und Abfallverwertung hat dem Hund im Laufe seiner „Hundwerdung“ nun mal sehr geholfen, ich denke, das steckt deshalb bei vielen Hunden ganz tief drin. Ich musste meinen Hund sehr päppeln und das hat Zeit, Geld und Liebe erfordert. Das sollte man sicher unbedingt einplanen. Es ist aber keineswegs unmöglich, aus dem Tierschutz einen absoluten Traumhund zu bekommen. Meiner ist so einer und es gibt sicher noch sehr sehr viele seiner Art, die ein gutes Zuhause verdient haben und dieses auch sehr genießen würden.

    • Hallo liebe Heidi,

      ja, es kann so kommen. Oder auch anders. Gerade die Hunde aus dem Ausland lernt man eher selten vorher kennen und viele Menschen machen sich all diese Gedanken vorher nicht, bzw. sie rechnen nicht damit, dass es „anders“ sein kann. Und dann passiert es, dass ein Hund einen Hundetrainer nach dem anderen „verschleißt“ weil auch derer sich gar nicht mal wenige nicht mit den speziellen Seiten vieler dieser Hunde auskennen. Ich hab schon Hunde erlebt, die als Lamm beschrieben waren und sich als „böser Wolf“ entpuppten nach der Aufnahme und ich hab auch schon erlebt, dass mir ein Hund von einer Tierschutzorga (sollten die sich nicht auskennen?)übergeben wurde mit den Worten: „Ohje, wir haben da ein Problem, der ist bissig!!!“ und schon nach wenigen Minuten entpuppte sich der „Beißer“ als absolutes – sogar fröhliches – Lamm, nur durch den richtigen Umgang. Ich glaube auch nicht, dass sich jemand abschrecken lässt von ein paar „Warnungen“ der entschlossen ist, einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen. Und klar ist es möglich, auch aus dem Tierschutz einen Traumhund zu bekommen. Da man das vorher aber eher nicht weiß, wäre es gut, zumindest auf die Möglichkeit vorbereitet zu sein, dass es Probleme geben könnte. Also zumindest denke ich das. Ich freue mich, dass du und deine Hündin zueinander gefunden habt und dass sie es bei dir jetzt so richtig gut hat! :-D

      Liebe Grüße
      Anke

  4. Hallo Anke,

    sei mir nicht böse, aber mir haben sich die Haare gestellt, als ich diesen Bericht gelesen habe. Ich bin mit Hunden aufgewachsen und war in meinem ganzen Leben (bin nun schon 52 Jahre alt) noch nicht einen einzigen Tag ohne Hunde. 1990 hatte ich den ersten Hund aus einem deutschen Tierheim aufgenommen. Seither übernehme ich nur noch Tierschutzhunde, bevorzugt Langzeitinsaßen aus dem Ausland, die schon einiges erlebt haben oder eben noch gar nichts von der Welt kennen, weil sie seit Welpenalter im Tierheim ihr Dasein fristen. Ich habe bisher mit keinem größere Probleme gehabt, als solche, die auch Hundehalter mit einem Hund vom Züchter haben. Und ich habe keinen Hund vorher persönlich kennengelernt, ich habe sie alle direkt vom Ausland übernommen. Der Bericht ist mir zu sehr gegen Tierschutzhunde aus dem Ausland gerichtet. Ich denke, das Problem sind nicht die Hunde, sondern die Menschen, die sich Hunde anschaffen, ohne irgendwelche Hundeerfahrung und -Verstand. Aber solche Menschen sollten sich auch keinen Hund vom Züchter holen, weil diese Hunde dann früher oder später im Tierheim landen, weil ihr Mensch ihnen nicht gerecht werden konnte/wollte. Leider sind viele Menschen sehr bequem und entledigen sich ihrem Hund bei den kleinsten Problemchen und holen sich einen neuen, deshalb sind die Tierheime heillos überfüllt. Man sollte vielmehr an die Menschen ohne Hundeerfahrung appellieren, dass sie, bevor sie sich einen Hund zulegen, sich gut über die Rasse, die sie sich ausgesucht haben, informieren. Im Vorfeld sich mit Hundebesitzern austauschen und auf jeden Fall eine Hundeschule besuchen sollten. Aber leider schaffen sich viele Menschen „Modehunde“ an, ohne zu Bedenken, dass diese zu ihrem Lebensstil gar nicht passen. Also das Problem liegt meiner Ansicht nach zu 90 % beim Menschen.
    Und das Thema Kastration; ich bin auf jeden Fall für Kastrieren. Hunde, die nicht für Zuchtzwecke gehalten werden, sollten auf alle Fälle kastriert werden. Sie könnten sonst frustriert werden, weil sie ihre natürlichen Triebe nicht ausleben dürfen,/können. Früher oder später können sie deshalb Verhaltensprobleme entwickeln und es können, gerade weil nicht kastriert, gesundheitliche Probleme auftreten. Nur zwei meiner Hunde (aus meiner Jugendzeit, als ich es noch nicht besser wusste) waren nicht kastriert und beide bekamen Brustkrebs. Alle anderen Hunde hatten nie irgendwann Probleme, keiner wurde fettleibig, bekam frühzeitig Gelenkprobleme oder wurde inkontinent im Alter. Alle meine Hunde haben ein sehr hohes Alter erreicht, der älteste wurde fast 18 Jahre. Ich finde, dass gerade nicht kastrierte Rüden Probleme mit anderen Rüden haben und dass nicht kastrierte Rüden eher zum Ausbüchsen neigen, vor allem wenn in der Nachbarschaft eine läufige Hündin ist. Aber, es gibt ja auch Menschen, die ihre Hündinnen mit Hormonen vollstopfen, damit sie nicht mehr läufig werden. Dies finde ich höchst fragwürdig.
    Im Ausland ist Kastration die einzige Möglichkeit, die Hundepopulation nachhaltig einzudämmen. Aber auch hier greift der Mensch lieber zu fragwürdigen Mitteln und bringt die wehrlosen Hunde bestialisch um. Jeden Hund, den ich retten kann, werde ich retten. Man kann die Welt nicht ändern, aber für einen geretteten Hund ändert sich die Welt. Ich werde auch hin und wieder gefragt, warum ich mir Hunde aus dem Ausland anschaffe und nicht aus dem deutschen Tierheim. Schon komisch, dass Leute, die sich Hunde vom Züchter kaufen, nicht gefragt werden, warum sie keinen Hund aus dem Tierheim holen…. Tatsache ist, dass Tierheime in Deutschland nicht vergleichbar mit denen im Ausland sind. In Deutschland haben die Hunde im Tierheim alles, was sie brauchen, nur kein eigenes Frauchen oder Herrchen. Im Ausland haben die Hunde in den meisten Fällen, außer ihr armseliges Leben, nichts.

    LG
    Sylvia

    • Hallo liebe Sylvia,

      nein, ich bin dir sicher nicht böse, es ist ein freies Land und jeder darf seine Meinung haben. Allerdings „Sie könnten sonst frustriert werden, weil sie ihre natürlichen Triebe nicht ausleben dürfen,/können.“ … meinst du das ernst? Was den Rest betrifft, lässt sich über vieles sicher endlos diskutieren. Ich bin aber trotzdem der Meinung dass ich den Artikel nicht contra sondern pro Hunde geschrieben habe.

      Ich glaube jedoch nicht daran, dass die Kastration die Hundepopulation eindämmt. Es gibt mittlerweile genügend Stimmen die aufzeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Die kastrierten Hunde werden von unkastrierten ersetzt, der Nachwuchs bleibt immer gleich, egal wieviele Hunde kastriert wurden, weil natürliche Anpassungen stattfinden. Gibt ein ziemlich ausführliches Buch recht neu dazu, allerdings bisher nur in englisch. Mir fällt aber gerade nicht ein wie es heißt und wer es geschrieben hat. Liefer ich vielleicht noch nach …

      Hier noch ein interessanter Text zur Thematik: https://www.zeit.de/2015/43/strassenhunde-tierschutz-suedeuropa

      Liebe Grüße
      Anke

  5. Hallo Anke,

    ein wirklich guter Artikel. Ich selbst habe meinen auch aus einem Tierheim und muss sagen, für meinen allerersten Hund war es wirklich zu Anfang eine Herausforderung, aber bestimmt für uns beide.
    Womit wir allerdings gute Erfahrungen gemacht haben, war sicherlich das ich eine Woche lang jeden Tag zu ihm ins Tierheim gefahren bin, wir spazieren gegangen sind, gespielt und uns einfach kennengelernt haben. Am Ende dieser Woche sprang er ganz selbstverständlich, ohne das ich etwas sagen oder machen musste zu mir ins Auto und die Sache war klar, von beiden Seiten aus :)
    Ich denke das dieses „lange“ Kennenlernen grade zu Anfang wichtig sein kann, um auch zu merken passe ich zu dem Hund ( und nicht nur umgekehrt), klar kann es im richtigen Alltag dann auch noch anders kommen, aber bei uns schien es geholfen zu haben.
    Leider ist dies bei Hunden aus dem Ausland mit Sicherheit ganz anders, da es vielleicht nicht oft oder gar nicht diese Möglichkeit gibt, da hab ich aber auch keine Erfahrung mit, um dies beurteilen zu können.
    Würde aber auch wieder einen Hund aus dem Tierschutz nehmen, trotz Herausforderungen die sie vielleicht mitbringen, es sind genauso tolle Tiere.
    Trotzdem ein schöner Artikel und eine süße Bande die du da hast :)

    Viele liebe Grüße und ein frohes neues Jahr :)
    Jessy

    • Hallo liebe Jessy,

      ja, der beste Weg ist das Kennenlernen vorher. Bei Hunden aus dem Ausland ist das oft nicht möglich, da ist vielleicht die beste Variante, wenn der Hund vorher auf eine Pflegestelle kommt. Das sind ja meist Menschen mit Hundeerfahrung, die den Hund dann noch einmal gut einschätzen können und zum anderen kann der neue Halter ihn so (relativ) ausgiebig kennenlernen.

      Auch für dich noch ein frohes Neues und alles Gute für 2017!

      Liebe Grüße
      Anke

  6. Liebe Anke
    ein Riesenkompliment für diesen sehr ausgewogenen und wichtigen Artikel!
    Als Hundeverhaltenstrainer war ich über 3 Jahrzehnte u.a. auch im Tierschutz tätig. Meine eigenen Hunde waren praktisch alle Überbleibsel von Menschen, die ihren Hund aus falsch verstandener „Liebe“ und „sich-selbst-auf-die-Schulter-klopfend“ aus Spanien aus der Tötung retteten. Die klassischen Deprivationshunde für die die neue Familie weder die Geduld, noch die Zeit und schon gar nicht das Geld für adaquates Training ohne Druck und aversive Mittel ausgeben wollte. Hunde, bei denen nach einiger Zeit in D die Leishmaniose (trotz Mittelmeertest) ausbrach. Hunde, die als verschmust und lieb deklariert wurden, sich nach der 6 – 8 monatigen Eingewöhnungszeit in der Familie mit Kleinkindern als nicht kompatibel herausstellten. Hunde, die zu schon vorhandenen Vierbeinern vermittelt wurden, obwohl sie klare Einzelhundwesen waren. Hunde, die der Tierschutz einschläfern wollte, da sie sie als hoch agressiv labelten und somit nicht vermittelbar waren. Diese stellten sich, nachdem sie aus der absoluten Stresssituation des Tierheimes raus waren und die ersten Tage praktisch nur schliefen, als einfach nur völlig überfordert und eher ängstlich raus. Kranke Tiere, die der Tierschutz als gesund vermitteln hatte und die neuen Besitzer finanziell überforderten.Ich könnte diese Liste noch um einiges verlängern.
    Ich habe hier in Spanien mit einigen Orgas gearbeitet. Fazit: Es fehlt vielen Betreibern an Fachwissen und adäquater Ausbildung um die Tiere richtig einzuschätzen, sie mit den richtigen Artgenossen ins Gehege zu setzen und an Ehrlichkeit den Interessenten gegenüber um sie richtig vermitteln zu können.
    Da wird einem 70 jährigen(!) Rentnerpaar ein Podencowelpe vermittelt. Ein Pitbullwelpe wird als Labrador deklariert und zu einer Familie ohne Hundeerfahrung mit 2 Kleinkindern ausgeflogen. Ein 6 monatiger Welpe, der am Vortag(!) kastriert wurde mittels gefälschtem Zertifikat nach D geflogen. Ein Scheidungstier aus tollen Verhältnissen mutierte über Nacht zum geschlagenen, vernachlässigten Strassenhund um Mitleid zu erregen. Selbsternannte Tierschützer klauten alles was sich grad einfangen liess von der Strasse, obwohl diese Hunde glücklich im Verband lebten und von den Einheimischen gefüttert wurden. Sie landeten im Tierheim eingepfercht in Gehege und die Tierschützer fanden sich auch noch wahnsinnig toll dabei. Spenden gutgläubiger Menschen aus D wurden privat genutzt und zweckentfremdet. Auch diese Liste ist beliebig verlängerbar.
    Spanier, die mir stolz ihre 2 -5 wöchigen Welpenmeute ins Haus bringen…die wären für D, da bräuchten die doch Hunde!?
    Auf meine Frage, wie sie darauf kommen. Ja, sie hätten erfahren, dass die vielen Tiere ihres Landes massenweise nach D verkauft würden. Die armen Deutschen hätten wohl zuwenig Hunde.

    Nein, ich biete keine Hand mehr für solche Machenschaften.
    Ich mag nicht mehr unentgeltlich Hunde für den Tierschutz resozialisieren, damit sie nach D ausgeflogen werden. Ich wurde wegen meiner Einstellung diesbezüglich und weil ich darauf bestand, die Interessenten nicht zu belügen, von den ach so tollen Gutmenschen die sich Tierschützer nennen, bedroht. Eben diese wollten mir meine Hunde vergiften, verbreiteten Lügen, weil ich ihnen, wie sie mir wörtlich sagten, ihr Geschäft(!) damit kaputt mache!…richtig, sie nennen sich TIERSCHÜTZER!
    Ich hatte viele Jahre still gehalten, weil es mir um die Tiere ging, bis der Punkt erreicht war.
    Nun arbeite ich, manchmal auch unentgeltlich, für die Besitzer,die Hunde aus dem Tierschutz holen, mit ihnen jedoch hier in Spanien leben. Ich empfinde dies als viel ehrlicheren Beitrag, als vorher für den Tierschutz die ihre Tiere massenweise nach D verfrachten. Das Bild des bösen Spaniers, der seinen Hund schlecht behandelt, entspricht genauso wenig dem Bild, dass der Deutsche per se tierlieb ist.
    Ein Tierschutzhund kann eine grosse Herausforderung bedeuten, die sich aber meistens lohnt.
    Jedoch Hände weg von Hunden, die man per Internet nach D bestellen kann, ohne vorher die Möglichkeit gehabt zu haben, sie persönlich kennenzulernen, zu sehen und zu spüren, ob man zusammen passt. Soviel Aufwand und Respekt sollte einem ein neues Lebewesen in der Familie wert sein.
    Ich wünsche euch viel Geduld, Gelassenheit und Spass mit euren Tierschutzhunden!

    • Hallo,

      vielen Dank für deinen tollen, ausführlichen und informativen Kommentar! Ich freue mich natürlich, dass mein Artikel bei jemand, der über so viele praktische „vor-Ort“ Erfahrung verfügt, Zuspruch findet. Deine Ausführungen lassen vieles, was rund um das Thema vor allem durch das Internest geistert, noch mal in einem anderen, teils natürlich auch furchterregenden Licht erscheinen. Vor allem zeigen sie wieder, das allerwichtigste ist eigentlich die Arbeit vor Ort, sprich Aufklärung etc. von kompetenten Menschen, damit die Zustände sich bessern IN den Ländern …

      Auch für dich viel Erfolg weiterhin bei der Arbeit, die du dort machst, auch so kannst du sicher viel Gutes tun, indem du hilfst, den Hunden mit ihren neuen Familien ein gutes Miteinander zu ermöglichen.

      Liebe Grüße
      Anke

  7. Das war ja mal ein Superartikel, der nur das bestätigt, was wir aus Spanien kennen. Wir sind die letzten Jahre immer für 6-8 Monate mit dem Wohnmobil zum Überwintern in Spanien gewesen. Wir hatten die Gelegenheit mehrere spanische Tierheime zu sehen, da auf den Campingplätzen, wo viel Deutsche waren, immer wieder Sammel/Futterspendenaktionen durchgeführt wurden. Es ging immer nur, bis auf ein kleines privates, von spanischen Frauen eröffnetes Tierheim und eine sehr perfekt geführte englische Organisation, chaotisch zu, die armen Tiere….und alles wurde nach Deutschland vermittelt!!! Ok, doch vor ein paar Jahren, als wir auf der Suche nach einem zweiten Dackel waren, haben wir im Umkreis von 400 km die deutschen Tierheime abgeklappert und auch Dackel in Not einbezogen. Was da an Lügen und Dreistigkeit an den Tag kam war unglaublich. Wir waren geschockt, was auch hier bei uns abgeht. Zum Schluss gingen wir wieder zum Züchter und holten uns von dort einen Zweithund. Unseren dritten Dackel bekamen wir dann tatsächlich aus dem Tierschutz. Dackel in Not machte bei der FB-Dackelgruppe darauf aufmerksam und wir holten die Kleine in der Nähe von Berlin ab, gerade mal 2 Jahre alt, zur Zucht nicht geeignet, da sie nicht aufnahm, abgemagert, nur draußen und in einem Gartenhäuschen gehalten, voller Flöhe und Zecken, Milben in den Ohren, völlig verängstigt und vereiterte Ballen am Hinterfüßchen. War wohl bei mehreren Besitzer gewesen, jeder hat am Tierchen verdient, selbst die letzten Besitzer, am Telefon vollmundig erzählt, ließen uns noch nicht einmal aufs Grundstück, wir wurden auf dem Grünstreifen an der Straße mit dem Hund bekanntgemacht. Eigentlich wollten wir wieder fahren, solche Leute unterstützt man nicht,doch das Tierchen tat uns entsetzlich leid ( was ja der Zweck der Sache ist ) und wir verhandelten einen Preis und man drückte uns Lissi samt der Zuchtpapiere in die Hand, kassierten den Betrag und weg waren sie. Sie sollte eine kleine Gebärmaschine werden, man hielt sie mit zwei Zuchttrüden zusammen, sie kannte nichts, war nicht stubenrein, total ausgehungert und verwahrlost. Dann der Schock… nach zwei Wochen merkten wir, dass die Kleine fast blind war. Klink in Bonn, Diagnose PRA, Merle-Gen. Lissi ist schwach erkennbar Tigerdackel in braun. Nichts zu machen, fortschreitend. Das Thema Tierschutzhunde ist ein heißes Eisen und ich fand vor Jahren eine Aktion auf der Insel Djerba empfehlenswert und beispielhaft. Die Gäste wurden gebeten den freilaufenden Hunde keine Essenreste zu verfüttern, sondern in eine Box Geld zu spenden. Davon wurden die Tiere ärztlich versorgt, kastriert und lebten sehr friedlich weiterhin frei, das Hotel fütterte kontrolliert mit Essenresten, kein Hund lebte in Unfreiheit oder wurde vermittelt. Schlimm empfanden wir in den knapp 2 Jahren, die wir in der türkischen Ägäis lebten, wie dort mit den freilaufenden Hunden verfahren wurde. Man ließ die Tiere den ganzen Winter in Ruhe, im Frühjahr vor der Touristensaison wurden alle Tiere auf den Straßen mit Giftködern gefüttert, die Kommune sorgte dafür und alle Hunde lagen morgens dann mit grünem Schaum vorm Maul tot auf den Straßen. Es war grausam und brutal. Es geht immer nur um Kommerz,um nicht anderes. Ich kann sehr gut verstehen, dass man da aufbegehrt, denn es geht immer nur auf Kosten des Hundes. Machmal denke ich, dass so ein „Fundhund“ aus Spanien, Ungarn, Irland oder egal woher, besser dran wäre, bevor er die stressige Reise ins „gelobte“ Deutschland antritt, dass er tatsächlich bei all den Problemen, die dann evtl auftreten, in seinem Ursprungsland eingeschläfert würde. Das klingt brutal, aber freilaufen läßt ihn niemand und nur um des Geldes willen dieses arme Tier einfangen, wechselnde Menschen, OP und Medikamente, Käfige und Flug, das alles ist doch einfach nur gedankenlos, mitleiderregend und völlig falsch verstandene „Tierliebe“. Ich bin dieser Meinung schon aus einigen Foren rausgeflogen, doch ich bleibe bei meiner Meinung.

    • Hallo liebe Erika,

      ja, du hast recht, es ist ein heißes Eisen. Und ich glaube auf jeden Fall, dass da viel Schindluder getrieben wird. Natürlich, dein Satz ließt sich brutal, ich kann aber verstehen, was du damit meinst. Gerade die Transporte sind oft unter übelsten Bedingungen, eingepfercht zwischen panischen Artgenossen, oft ohne Pause, ohne Wasser über eine weite Strecke, panisch im Flieger im kalten lauten Frachtraum … Wie ich oben schon beschrieben habe, halte ich es auch nicht gerade für die beste Lösung, einfach immer mehr Hunde hier nach Deutschland zu verfrachten. Die Probleme können nur gelöst werden, wenn sie vor Ort gelöst werden. Dazu gehört natürlich Umdenken in den Ländern, Aufklärung vor Ort. Es werden ja auch trotzdem immer mehr Hunde, selbst die Kastrationsprogramme bringen nicht die Lösung, weil einfach immer wieder Hunde nachrücken. Ist also ein Fass ohne Boden … Ich habe mal von einem Ort in der Schweiz gelesen (Namen weiß ich nicht mehr), dort sind Straßenhunde voll und ganz akzeptiert und es wird sich nicht viel eingemischt. Sie werden versorgt und wohl auch gefüttert aber ansonsten in Ruhe gelassen. Ich glaube das war in meinem Lieblings-Hundebuch von Ted Kerasote …

      Wichtig ist, dass Menschen sich der Probleme, die auftreten können, bewusst sind. Aufklärung, Infos ohne Ende und seriöse Organisationen. Aber eben auch die Arbeit im Land, sonst kann das alles nur schlimmer werden …

      Liebe Grüße
      Anke

  8. Ich habe meine Meinung ja schon gesagt, aber angesichts einiger Kommentare will ich doch nochmal was schreiben. Für mich wäre immer nur ein Hund in Frage gekommen, den ich kennenlernen kann. Diese Möglichkeit gibt es für Hunderte von Tierschutzhunden in einem Umkreis von 50 km. Natürlich zeigt der Hund nicht 1:1 das Verhalten wie in einem neuen Zuhause, aber man kann doch vieles feststellen etwa das Verhalten gegenüber Menschen und anderen Hunden, bei Geräuschen, an Straßen etc.. Auch sind mein Hund und ich auf meinen Wunsch hin zusammen zum Arzt gewackelt BEVOR sie bei mir einzog. Für Tierschutzhunde gilt das gleiche wie für ALLE Hunde: Es liegt am zukünftigen Besitzer, ob er Dinge hinterfragt, alles genau wissen will, ob er auf Tests besteht, die Seriosität der Herkunft abklopft. Weder ein Stammbaum noch ein Herkunftsland geben Aufschluss, ob der Hund zu einem gesunden und fröhlichen Familienmitglied wird, oder nicht. Bei dem zuletzt geschilderten Fall des Dackels handelt es sich nicht um einen Tierschutzhund und er wurde wider besseren Wissens aufgenommen. Insofern hat der Fall für mich zu dem Thema überhaupt keine Relevanz. Natürlich mag es unseriöse Tierschutzorgas geben, aber es steht jedem frei, sich die richtigen auszusuchen. Und auch das noch: Als berufstätige Alleinstehende (selbstständig) hätte ich aus naheliegenden Gründen keinen Welpen nehmen wollen. Für einen unkomplizierten, jungen Familienhund aus dem Tierheim hätte ich (in der Stadt lebend) niemals den Zuschlag bekommen. Das wurde mir von einem Tierheim bestätigt. Davon abgesehen, dass die Frankfurter Tierheime voll sind mit Listenhunden und andere eher selten sind. Meine Hündin bekommt selbst zusammengestellte Bionahrung. Ich bin jeden Tag zwei Stunden mit ihr unterwegs, wir fahren in Wald und Feld. Ich habe viele tausend Euro für ihre Gesundheit ausgegeben (ich wusste zuvor, dass ihr Knie kaputt ist). Sie ist selten länger als 2-3 Stunden allein. Wenn ich arbeite, ist sie bei mir. Sie geht in keine Huta, sie fährt mit mir in Urlaub. Wir joggen zusammen und sie schläft in einem orthopädischen Hundebett. Aber ich hätte es aufgrund meiner Lebenssituation (berufstätig, alleine, Stadt, Etagenwohnung) sehr schwer, einen Hund zu bekommen, der KEIN Tierschutzhund ist. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Wäre mein Hund nicht bei mir (oder anderen netten Menschen in Deutschland), würde sie nicht mehr leben (sie wurde im Canile gemobbt und zerbissen und 2015 wurden eben dort mehrere Hunde von anderen totgebissen) oder mit unerträglichen Schmerzen dahinvegetieren, denn sie hatte einen unbehandelten Kreuzbandriss und in Folge dessen Arthrose und Spondylose. Sie ist heute fröhlich und kann rennen. Sie ist ein unkomplizierter, lebensfroher, überhaupt nicht ängstlicher Stadthund, der bei fast allen Menschen das Herz schmelzen lässt. Sie ist lieb und schmusig und macht einfach jeden Quatsch mit. Sie ist jetzt vier Jahre alt und hat hoffentlich noch viele schöne Jahre vor sich, in denen sie buddeln und toben und die leckersten, stinkigsten Sachen fressen kann. Wie kann man nur auf das schmale Brett kommen, so ein Hund wäre „besser dran“ wenn man ihn eingeschläfert hätte? Beinahe hätte ich dazu etwas sehr sehr Unfreundliches geschrieben.

    • Hallo liebe Heidi,

      ja, ich verstehe was du meinst … du gehst aber nur von einem, deinem Fall aus. Auslandstierschutz ist ein großes Problem und es gibt sicher eine Menge schwarzer Schafe. Und ich glaube auch nicht, dass es im Interesse jedes einzelnen Straßenhundes ist, hierher zu kommen – selbst wenn er sonst sein Leben lässt. Die Probleme, die du hattest, mit deinem Hund, ließen sich lösen. Das ist aber nicht immer der Fall. Und viele Menschen haben (und können diese auch nicht haben) überhaupt keine Vorstellung, auf was sie sich einlassen. Wenn es um leichte Unsicherheiten geht oder um gesundheitliche Probleme, die man mit einem Haufen Geld in Ordnung bringen muss (kann), sind das tatsächlich noch „kleine Probleme“. Da kann es weitaus schlimmer zugehen, auch für den Hund. Wie man nun schon aus einigen Berichten weiß, führen Straßenhunde häufig gar nicht so ein schlechtes Leben. Immerhin sind der größte Teil der Hunde weltweit freilebend, die können wir ja schlecht alle nach Deutschland holen. Tierschutz muss aus meiner Sicht vor allem bedeuten, den Tieren in ihrem „natürlichen“ Lebensraum ein annehmbares Leben bieten zu können. Also muss die Arbeit vor Ort geleistet werden, dies an allererster Stelle. Viele Hunde kommen gut an, können (oft mit sehr viel Aufwand) gut integriert werden und sind dann glücklich und zufrieden. Das ist toll. Aber viele Hunde wären auch lieber geblieben, wo sie waren (wenn man sie denn gefragt hätte) und wir spielen uns als Retter von Lebewesen auf, die gar nicht gerettet werden wollten. Das finde ich einen sehr wichtigen Blickwinkel, den viele natürlich nicht sehen möchten. Absolut falsch finde ich deine Aussage, es läge immer alles nur an den Menschen, die den Hund aufnehmen. Viele wissen eben nicht, worauf sie sich einlassen, häufig auch, weil man sie nicht genügend aufklärt. Sie wissen nicht um die Probleme, die entstehen können, stellen nicht die richtigen Fragen, wollen ja einfach nur einen Hund … Tierschutzhunde-Vermittlungsseiten sind ja oft fast wie online-Shops … Du hast das richtig gemacht, hast dich genügend informiert und geprüft und bist/warst bereit alles zu tun, damit es deinem Hund hier gut geht. Das kann man aber auch nicht von jedem erwarten. Es ist ja auch nicht unbedingt der erstrebenswerte Zustand, dass sich plötzlich das ganze Leben um den Hund dreht.

      Es muss noch viel verändert werden, um rund um diese Probleme auf den richtigen Weg zu kommen …

      Liebe Grüße
      Anke

  9. Hallo, guten Morgen,
    vorige Woche starb Lilly, der Hund meiner Freundin Hilde.
    Lilly wurde 8 Jahre alt, war ein großer weißer Hund mit braunen Abzeichen, rosa Maul und rosa umrandeten Augen, es hieß es wäre wohl ein Bullterrier eingekreuzt gewesen. Lilly kam mit einem Jahr als Fundhund aus Teneriffa, hatte ihr erstes Lebensjahr auf der Strasse gelebt, war nun frisch kastriert, gechipt und geimpft, entwurmt und auf Mittelmeerkrankheiten untersucht… und wurde Hilde und ihrer Tochter am Frankfurter Flughafen ausgehändigt. Keiner traute sich an die Hündin heran, sie hatte schon jeden wütend angefallen, der sich ihr näherte. Also überließ man es meiner Freundin, dass sie den Hund aus der TGitterbox herausholte und in die mitgebrachte Box trug. Lilly wütete und dann begann das Drama : Dieser Hund akzeptierte niemanden, keinen Menschen, kein Tier, dieser Hund lebte nur mit Maulkorb, trotz Hundeschule, trotz Liebe, Fürsorge und einem wunderbaren Heim, Hilde ist eine erfahrene Hundehalterin, die immer Hunde und wirklich Ahnung hat. Lilly lernte im Laufe der Wochen Hilde und ihren Mann zu akzeptieren und die eine Tochter, die mit am Flughafen war, die aber nicht dort wohnt und nur selten zu Besuch kam, da sie im Ausland lebt. Die anderen erwachsenen Kinder von Hilde, sowie deren Enkelkinder durften niemals in all den Jahren das Haus betreten, Lilly biss alles weg. Wütend und laut stürzte sie sich auf jeden und alles. Selbst Hildes Mann wurde gebissen, als er sich abends in Bett legen wollte. Lilly war auf allen Wohnmobilreisen dabei, genoss lange Spaziergänge am Strand, aber nur wenn weit und breit keiner war und IMMER mit Halsband, Geschirr und Maulkorb. Wir haben einige Winter in Spanien miterlebt und selbst nach Monaten verwöhnen und Leckerchen unsererseits biss sie meinem Mann in die Hand. Hildes Leben hatte sich durch Lilly völlig verändert, früher viele Gäste, die Enkelkinder machten die Wohnmobiltouren mit, alles war vorbei. Lilly beherrschte alles, niemand konnte helfen. Zur Not wurde sie in der Einliegerwohnung für ein paar Stunden eingesperrt, z.B. Weihnachten,damit die Familie zusammen essen konnte. Medikamente, Krallenpflege, Ohren reinigen, die immer entzündeten Augen versorgen, Tierarzt… alles nur unter Gewaltanwendung, sprich Maulkorb, Füße fesseln, Vollnarkose. Sie kotete die ganze Tierarztpraxis voll, ließ Analflüssigkeit ab, sie hatte einfach solch eine unglaubliche Angst, die niemand ihr nehmen konnte, sie war völlig außer sich….. immer.
    Im September verbrachten wir noch gemeinsame Tage an der Ostsee und Lilly hatte stark abgenommen und wollte seit Wochen nicht richtig fressen. Hilde, selber Ärztin gab magenaufbauende Medis, da sie eine Gastritis vermutete, die Symptome sprachen dafür und ja…später ging sie dann den schweren Gang für Lilly zum TA mit allen chaotischen Begleiterscheinungen. Lilly hatte Borreliose. Sie bekam AB und trotzdem wurde es immer schlimmer. Sie magerte drastisch ab, fraß nicht, lag nur noch apathisch herum, sie schlief nur noch, wollte nicht raus und dann kam der TA ins Haus. Diagnose : Lebertumor, Augen total gelb,Schleimhäute weiß und der Bauch voller Wasser. Lilly wurde erlöst.
    Wieviel Leid wäre diesem Hund erspart geblieben und auch den Menschen, die sich hingebungsvoll um sie kümmerten, wenn man ihn da gelassen hätte, wo er früher lebte. Ich glaube nicht, dass Lilly so ein Panikhund gewesen ist, da wo sie ein Jahr frei leben konnte,denn sie hätte nicht überlebt, ein Hund im Süden, der freiläuft und Menschen anfällt oder im Hundeverband um sich beißt, hätte nie übelebt. Er wäre sofort getötet worden, entweder von Menschen oder Artgenossen. Lilly hatte ein Leben voller Angst, trotz aller Bemühungen um sie……. das war es, was ich meinte. Es wäre ihr Vieles erspart geblieben, aber auch ihren Menschen…… leider.

  10. Liebe Anke,
    nein, natürlich gehe ich nicht von einem, meinem Fall aus. Da wäre ja albern. Ich kenne viele Tierschutzhunde, die man nicht als solche erkennen würde, weil sie ganz normale, friedliche Hunde sind. In meiner Hundeschule gab es einen Kurs, in dem zufällig nur 5 Tierschutzhunde waren. Die Verhaltens“probleme“ waren jagen, Staubsaugerhund sein und zu ungestümes Spielen. Ich will bestimmt nichts verharmlosen, ich will nur ein Gegengewicht liefern zu den hier genannten schlimmen Fällen. Um auf den oben genannten Fall Bezug zu nehmen – ich kann nicht nachvollziehen, wie man einen absolut unverträglichen, offensichtlich schwer traumatisierten Hund, der Menschen beißt, übernimmt. Natürlich ist das Irrsinn von der Tierschutzorganisation, aber es ist auch Irrsinn von den Hundehaltern. Zum Thema „alle Straßenhunde ohne Not einsammeln“ will ich nix weiter sagen, seriöse Tierschutzorgas machen sowas nicht. Ich finde es unglaublich schade, dass Horrorgeschichten das Bild prägen, weil es unverantwortliche Organisationen und vollkommen naive, uninformierte Hundehalter gibt.
    Und beim Thema Information vorab sind wir uns tatsächlich nicht einig. Gerade WEIL sich das ganze Leben nicht um den Hund drehen kann (tut es bei mir übrigens auch nicht), muss man sich VORHER gründlich informieren. Ich bin der Meinung, wenn die Leute sich so intensiv mit der Herkunft und dem Zustand ihrer zukünftigen Hunde beschäftigen würden wie mit dem günstigsten Telekommunikationsanbieter, den Möglichkeiten von Smart TV und dem richtigen Receiver für DVB-T2, dann wäre schon eine Menge geholfen. Es geht um ein Lebewesen, das vielleicht 10 Jahre mit uns leben soll. Es ist eine Adoption. Da kann man sich im eigenen Interesse (und dem Interesse des Tieres) selbst aufklären. Dafür gibt es das Internet, Erfahrungsberichte, Artikel. Was Krankheiten betrifft, davor ist man natürlich nie gefeit. Das kann man nicht alles vorher wissen, es kann sich immer später etwas herausstellen. Aber man kann das Risiko, dass der Hund zum Horror wird, auf ein Minimum begrenzen.
    LG
    Heidi

    • Ich hab mir den Blog angesehen und obwohl sich die künftige Halterin sehr viel Mühe und Arbeit macht, habe ich kein gutes Gefühl bei alledem. Man muss sich nur die Umgebung auf den Fotos ansehen und dann vergegenwärtigen, dass der Hund nach Mannheim kommen soll. Ein Hütehund, der sich am liebsten im Freien aufhält…

  11. Hallo
    Mir hat der Artikel neuen Mut gemacht…. habe vor 2 Jahren einen Hund aus Rumänien genommen über einen Tierschutzverein… bis heute habe ich ihn nicht kastrieren lassen… mir wurde gedroht den Hund wegzunehmen… mir wurde Verkümmerung vorgeworfen, Ultimaten und Bedrohungen folgten… ich ließ ihn chippen, um Ruhe zu haben… seit dem Kastrachip hab ich einen kleinen Terrorzwerg hier, der alles ankläfft…. gott sei Dank hält er nicht mehr lang, aber dann hab ich den Tierschutz wieder im Nacken… bin echt am Verzweifeln…

    • Hallo liebe Sarah,

      toll, dass du so standhaft geblieben bist, trotz der Drohungen, etc.!! Zumindest weißt du jetzt schon mal, dass du auch das Recht auf deiner Seite hast. Ich frage mich da echt, ob die von dem Tierschutzverein eigentlich nichts besseres zu tun haben und dass sie doch eigentlich einfach froh sein sollten, dass der Hund ein gutes Zuhause gefunden hat. Übrigens habe ich selber bei unserer Lucy auch so einen Vertrag unterschrieben und mich nicht daran gehalten:-D … Hat aber bis heute auch niemand nachgefragt und es sind nun bald 5 Jahre.

      Liebe Grüße
      Anke

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

*