Die „Herzlich Willkommen – Diät“ für den (Auslands)Tierschutzhund

Es ist schon ein einschneidendes, aufregendes Erlebnis, wenn man einen Hund aufnimmt, der von einem Züchter kommt. Mit einem Hund aus dem Tierschutz bekommt man aber noch einmal eine besondere Aufgabe oben drauf. Ein Hund aus dem Tierschutz hat schon eine „Geschichte“, und das selbst dann, wenn er noch ganz jung ist.

In meinem Artikel Tierschutzhunde versorgen bin ich schon einmal auf die vielen Herausforderungen eingegangen, die ein Tierschutzhund mit sich bringt. Mit diesem Artikel möchte ich im Hinblick auf Teile dieser Herausforderungen einen kleinen Leitfaden geben, wie man die Ernährung vor allem am Anfang für diesen besonderen Hund gestalten kann.

Was macht den Tierschutzhund besonders?

Wie das Wort schon erkennen lässt, wurde ein Hund in den Tierschutz aufgenommen, um ihn vor etwas zu schützen. Die Umstände können natürlich sehr unterschiedlich sein und entsprechend ist auch die Konstitution des einzelnen Hundes eine individuelle Angelegenheit.

Was sie aber fast alle gemeinsam haben, ist, dass sie eine schwere, mitunter sehr stressbelastete Zeit hinter sich liegen haben.

Immer mehr Hunde kommen aus dem Ausland zu uns. Diese Hunde haben nicht nur eine lange, oft sehr belastende Reise hinter sich (Flug oder enger Transporter), sie wurden außerdem mit vielen Medikamenten behandelt, um überhaupt ausreisen zu dürfen und sind häufig mangelernährt.

In vielen Tierschutzorganisationen ist es Standard, dass ein Hund sie nur verlassen darf, wenn er vorher kastriert wurde. Das bedeutet eine weitere Belastung durch Medikamente, eine weitere belastende und beängstigende Situation und – schlussendlich eine neue Ausgangssituation, weil dem Hund Hormone fehlen. Das kann zu weiterer Verunsicherung beitragen, denn Hormone spielen im Körper auch für Befinden und Verhalten eine nicht gerade kleine Rolle.

Ernährung ist ein machtvolles „Werkzeug“

Auf viele dieser genannten Faktoren kann man auch mit der Ernährung großen Einfluss nehmen, dabei geht es nicht einzig um die Versorgung mit Nährstoffen. Man kann über die Ernährung:

  • Den Hund mit Nährstoffen versorgen, Nährstoff-Lücken wieder schließen
  • Die belasteten Organe entlasten, vor allem den Verdauungstrakt in seinen Funktionen unterstützen
  • Das Immunsystem aufpäppeln und in seiner Arbeit unterstützen
  • Die Nerven beruhigen, ein Sicherheitsgefühl beim Hund stärken
  • Angereicherte Schadstoffe abbauen
  • Wundheilung bei Verletzungen unterstützen
  • Ihm das Gefühl geben, dass er jetzt gut versorgt ist
  • Die entstehende Halter/Hund-Bindung unterstützen

Die praktische Fütterung

Auch eine veränderte Fütterung bedeutet zunächst eine Belastung, denn der Verdauungstrakt muss sich umstellen. In den ersten Tagen nach dem Einzug empfiehlt es sich deshalb, den Hund erst einmal ankommen zu lassen und ihn mit dem alten Futter weiter zu füttern.

Das fällt vielen frischen Hundehaltern natürlich schwer. Sie sind hochmotiviert und wollen für ihren Schützling nur das Allerbeste. Auch wenn es sich um billiges Discounterfutter oder andere nicht gerade hochwertige Futtermittel handelt, sollte man dem Hund etwas Eingewöhnungszeit geben und ihn zumindest die ersten Tage das gewohnte Futter weiter fressen lassen.

Während man bei einem einheimischen Tierschutzhund meist noch Informationen bekommen kann, womit dieser zuletzt gefüttert wurde, ist das bei einem Hund aus dem Ausland eher nicht der Fall. Für diese Fälle empfiehlt es sich, mit einer Schonkost zu starten, die ganz leicht zubereitet werden kann. Ergänzungen sind die ersten Tage nicht nötig.

Es geht in der ersten Zeit nur darum, den Hund ankommen zu lassen und ihm ein relativ schmackhaftes Futter zu bieten, das sein Verdauungstrakt möglichst leicht verarbeiten kann.

Schonkost

Für eine Schonkost wählt man Futterkomponenten, die leicht verträglich und wenig belastend sind. Leicht verdaulich sagt man dazu auch. Die Futtermenge sollte etwa 2-4% des Hundegewichtes betragen. Es empfiehlt sich außerdem, die Verdauung zu erleichtern, indem man zunächst mehrere Mahlzeiten am Tag gibt (bei Welpen ist das sowieso angeraten!).

Auch wenn der Hund sehr dünn ist, sollten die Mengen zu Anfang nicht zu großzügig bemessen sein, der Verdauungstrakt könnte sonst eventuell überfordert werden.

Eine Schonkost kann man ganz einfach gestalten, indem man die Komponenten drittelt, bzw. viertelt:

Variante 1:

  • 1/3 Fleisch
  • 1/3 Kohlenhydrate
  • 1/3 Gemüse

Variante 2:

  • 1/4 Fleisch
  • 1/4 Milchprodukt
  • 1/4 Kohlenhydrate
  • 1/4 Gemüse

Fleisch, Kohlenhydrate und Gemüse sollten am besten gegart werden, so sind sie ebenfalls leichter verdaulich. Das Fleisch sollte gewolft sein und das Gemüse kann man zusätzlich klein stampfen oder pürieren.

Am besten mischt man die Komponenten dann gut untereinander.

Magenfreundliche und leicht verdauliche Futterkomponenten sind:

Fleisch:

  • Hühnchen
  • Pute
  • mageres Rindfleisch
  • Fisch

Kohlenhydrate:

  • Kartoffeln
  • Reis

Gemüse:

Milchprodukte:

  • Quark
  • Hüttenkäse

Für die ersten Tage bleibt man am besten bei ein paar wenigen, gleichbleibenden Komponenten, z.B.:

  • 1/3 Hühnchen
  • 1/3 Kartoffeln
  • 1/3 Möhren/Zucchini-Brei

Nach etwa einer Woche kann man dann anfangen, ein paar Aufbaupräparate zu ergänzen. Diese sollte man aber nicht alle auf einmal einführen, sondern lieber Schrittweise vorgehen.

Punkt 1 – Nährstoffversorgung

Damit der Organismus mit allen nötigen Nährstoffen gut versorgt ist, empfiehlt es sich für die erste Zeit, ein ausgewogenes und gut verträgliches Mineralstoff-Präparat zu wählen, also ein „All-in-one“ Produkt.

Die Tierärztin Dr. Julia Fritz ist spezialisiert auf Ernährung und hat das gut verträgliche Ergänzungsfuttermittel Novomineral* entwickelt, das auch sensible Hunde meist gut vertragen. Alle nötigen Vitamine und Mineralstoffe sind enthalten und der Hund ist damit erst einmal sehr gut versorgt.

Punkt 2 – Immunsystem

Um das Immunsystem zu unterstützen, sollte auf jeden Fall die Darmflora im Rampenlicht stehen. Viele Medikamentengaben, allen voran Antibiotikagaben zerstören die wichtige Bakterienflora im Darm. Das ist sicher einer der Gründe, weshalb so viele Hunde aus dem Auslandstierschutz mit Giardien und ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Für einen Aufbau der Darmflora eignet sich am besten ein Mittel, das sowohl Pre- als auch Probiotika enthält, wie z.B. ProBio Immun von DHN. Eine sogenannte Darmsanierung sollte ruhig über mehrere Monate durchgeführt werden. Auch Effektive Mikroorganismen können das Darmmilieu sehr gut unterstützen, z.B. das speziell für Hunde zusammengestellte EMIKO PetCare*.

Punkt 3 – Leberbelastung herabsetzen

Die Leber wird vor allem durch die häufigen Medikamentengaben stark belastet und sollte daher in ihrer Arbeit unterstützt werden. Hierfür eignet sich vor allem das Kraut Mariendistel. Eine weitere gute Unterstützung für das Immunsystem, den Leberstoffwechsel und eine gute Zellversorgung ist Dialvit Vet*.

Punkt 4 – Hemmung von Entzündungen, z.B. bei Verletzungen

Um auf Entzündungen einwirken zu können, ist vor allem die essentielle Fettsäure Omega 3 wichtig. Diese kann man zum einen verstärkt zuführen, indem man Fleisch wählt von Tieren, die artgerecht gefüttert wurden. Zum anderen kann man das Futter mit Leinöl und Fischöl ergänzen. Je nachdem, wie groß der Hund ist, zu jeder Mahlzeit 1TL-1EL.

Punkt 5 – Entspannung

Um dem Hund auch von innen Ruhe zu geben, eignet sich die Gabe von B-Vitamen sehr gut. Hierfür kann man z.B. Bierhefe füttern. Manche Hunde reagieren mit weichem Kot auf Bierhefe, man kann auch gut zu einem Vit.-B-Komplex greifen, den der Hund dann täglich ins Futter bekommt. Die B-Vitamine haben außerdem einen positiven Effekt auf die Darmflora und unterstützen ein gutes Milieu von Haut und Fell, was zu einer effektiven Parasitenabwehr beiträgt. Kokosöl kann hier sowohl innerlich als auch äußerlich ebenfalls gut unterstützen, es trägt außerdem zu einer besseren Gehirnfunktion bei und kann eine gestörte Fettverdauung (Leber) unterstützen.

Punkt 6 – Bindung stärken

Um dem Hund „tatkräftig“ zu zeigen, dass er von seinem Halter (gut) versorgt wird, kann eine Handfütterung eine hilfreiche Unterstützung sein. Gerade beim unsicheren Hund kann diese Vorgehensweise wahre Wunder bewirken. Man setzt sich zum Hund auf den Boden und gibt ihm sein Futter aus der Hand.

Übersicht

Die folgende Übersicht zeigt am Beispiel eines 10kg-Hundes, wie das konkret aussehen kann:

Die Dosierungen für das ProBio-Immun ist für alle Größen gleich. Die anderen Dosierungen kann man den einzelnen Produktinformationen entnehmen.

Mit diesem „Futterplan“ ist man dann die nächsten Wochen erst einmal gut versorgt. Dann kann man sich in Ruhe überlegen, wie die endgültige Fütterung aussehen soll, sich entsprechend informieren und eventuell von jemand mit Know-How beraten lassen.

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Über Anke 123 Artikel
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe und berate hier vor allem rund um das Thema Ernährung von Hunden. Auf www.anke-jobi.de biete ich außerdem Online-Kurse für Hundehalter zur Hundeernährung an.

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