Das Fleisch im Hundenapf

Die Fleischproduktion wird dieser Tage hart kritisiert. Man redet von Tierwohl, bzw. davon, dass es den Tieren in der Massentierhaltung alles andere als „wohl“ ergeht. Man redet davon, dass die Menschen ihren Fleischkonsum massiv einschränken müssen, wenn die Zustände sich verbessern sollen. Aber – wie sieht das mit unseren Hunden aus?

Barfen ist ja nach wie vor ein Trend und viele Menschen glauben, ein Hund, der ja schließlich wie sein Urvater der Wolf ein Fleischfresser wäre, MÜSSTE ganz viel Fleisch fressen.

Ehrlich gesagt – ich wundere mich da immer ein bisschen, wie man von „naturnaher Fütterung“ sprechen kann, wenn man seinen Hund mit Fleisch aus einer Massenproduktion füttert.

Was ist an der heute praktizierten Intensivtierhaltung „naturnah“?

Ich frage mich auch immer ein wenig, wo da der „gesunde Menschenverstand“ bleibt. Jeder, der ein bisschen Geschichtskenntnis hat, der weiß, dass der Durchbruch der Industrialisierung kaum 100 Jahre her ist und die Massentierhaltung gerade etwa 60 Jahre auf dem Buckel hat.

Man weiß, dass Fleisch davor ein Nahrungsmittel war, das den Menschen nicht in allzu großen Mengen zur Verfügung stand. Wie soll es da möglich gewesen sein, seinen Hund zu Barfen?

So richtig kann ich mir das nicht vorstellen … die Menschen haben das bisschen Fleisch, das sie zur Verfügung hatten, in den Hundefutternapf geworfen und sich selber … von Luft und Liebe ernährt?

Ist Bio-Barf die Lösung?

Wer als Barfer argumentiert, er würde seinen Hund doch nur mit Biofleisch füttern, der vergisst einen wichtigen Punkt. Biofleisch steht logischerweise nicht in den riesigen Mengen zur Verfügung wie das Fleisch aus der Intensivtierhaltung.

Würden alle, die ihren Hund barfen, Biofleisch nutzen wollen, hätten sie ein Problem, weil es so viel Biofleisch nicht gibt.

Irgendwie kann da also etwas nicht stimmen, an der Aussage, ein Hund müsste ganz viel Fleisch fressen. Und – wie schon gesagt – von naturnah kann wohl kaum die Rede sein, wenn ich dem Hund Fleisch gebe von einem Tier, das sein Leben lang keinen Grashalm und kein Tageslicht gesehen hat.

Straßenhunde gehen nicht in den Wald!

Auch wenn man sich anschaut, wovon sich Straßenhunde ernähren, kommt man nicht wirklich zu der Schlussfolgerung, dass Fleisch in großen Mengen für Hunde überlebenswichtig wäre.

Obwohl sie ja eigentlich die Wahl hätten, entscheiden sie sich nicht, ihrem Ursprung entsprechend wieder zum absoluten Jäger zu werden. Sie tun, was sie quasi schon immer taten: mit den Menschen und weitgehend von ihren Resten leben. Und in diesen Resten finden sich eher keine riesigen Fleischberge.

Brauchen Hunde massenweise Fleisch?

Nahrungsmittel dienen in erster Linie dazu, den Organismus mit den Nährstoffen zu versorgen, die er benötigt, um seinen umfangreichen Aufgaben nachkommen zu können. Fleisch ist in erster Linie ein guter Proteinlieferant, allerdings ist gar nicht so viel Protein nötig, wie es heutzutage beim Hund gerne suggeriert wird.

Hinzu kommt, dass auch andere Nahrungsmittel Proteine liefern. Proteine bestehen aus Aminosäuren und diese Aminosäuren sind es eigentlich, die der Organismus benötigt. Mit diesen Aminosäuren baut der Organismus seine eigenen Proteine, wie er sie für die Vorgänge im Körper braucht. Dafür ist es wichtig, dass er alle Aminosäuren bekommt, die gebraucht. werden.

Aminosäuren sind wie Buchstaben!

Aminosäuren sind wie Buchstaben, aus denen man Wörter bilden kann. Damit man alle benötigten Wörter bilden kann, muss man auch über alle dafür erforderlichen Buchstaben verfügen. Fehlt z. B. das E, kann man recht viele Wörter nicht mehr bilden.

Ungefähr so ist es mit den Aminosäuren. Diese müssen in der richtigen Zusammensetzung und ausreichender Menge verfügbar sein. Tierische Proteine liefern genau diese optimalen Zusammensetzungen und zwar sowohl für uns Menschen als für unsere Hunde. Aber auch pflanzliche Nahrungsmittel können die Zusammensetzung bereichern, so dass man durch eine Kombination von pflanzlichen und tierischen Proteinen eine gute Versorgung mit allen benötigten Aminosäuren erreichen kann.

Und natürlich kann man auch andere tierische Nahrungsmittel für die Versorgung mit Proteinen nutzen, wie Eier und Milchprodukte.

Reduzier doch mal!

Möchtest du deinen Hund gerne nachhaltiger füttern und die Massentierhaltung nicht länger über den Futternapf fördern?

Dann kannst du den Fleischanteil im Napf möglicherweise ein gutes Stück weit reduzieren und diesen geringeren Anteil mit Fleisch gestalten, das aus artgerechter Nutztierhaltung stammt.

Das folgende Beispiel zeigt dir anhand von Zahlen wie das aussehen kann und vor allem, dass dein Hund auch dann gut versorgt sein kann, wenn er nicht mit riesigen Mengen Fleisch gefüttert wird.

Beispielrechnung für einen Hund, 20kg KG

Proteinbedarf: ca. 51,7g

Futtermenge: die vermutete Futtermenge (man unterstellt vereinfacht eine Futtermenge von 2-4% für einen erwachsenen Hund, ich habe jetzt mit dem Mittelwert 3% gerechnet) liegt bei 600g.

Der Proteinbedarf könnte z.B. gedeckt werden mit:

  • 210g Rindfleisch (ca. 49g Protein)
  • 210g Kartoffeln (ca. 5g Protein)
  • 180g Möhren und Zucchini (ca. 3g Protein)

= 600g Gesamtration (ca. 57g Protein)

Der Proteingehalt würde hier bei etwa 57g liegen, davon müsste man natürlich noch ein kleines bisschen abziehen, wegen Verlusten in der Verdaulichkeit. Trotzdem läge man noch im grünen Bereich.

Wie hoch wäre nun der tierische Anteil in der Gesamtration?

210g Fleisch in 600g Gesamtration sind 35% vom Gesamtanteil. Wie du siehst, kann man den tierischen Anteil also ruhig geringer halten, als oft empfohlen wird (z.B. Futtermittel mit 80% tierischem Anteil), ohne dass der Hund dadurch ein Defizit hat. Nicht vergessen sollte man dabei, wie schon gesagt, dass auch die pflanzlichen Nahrungsmittel Proteine liefern, wie das Beispiel gezeigt hat.

→ Wenn der tierische Anteil bei 40-50% liegt, ist die Proteinversorgung gewährleistet

Viel hilft nicht viel!

Mancher mag vielleicht denken, je mehr von den Proteinen, desto besser. Das ist jedoch nicht der Fall. Eine Überversorgung mit Proteinen bringt keinen Vorteil.

Mach mal halblang!

Also mach ruhig mal halblang. Wie du siehst, müssen es gar nicht die 80% Fleischanteil sein, schon 40% reichen völlig aus, um deinen Hund gut mit Proteinen zu versorgen.

Falls du mehr darüber wissen möchtest, wie du die Rationen für deinen Hund nachhaltig und ausgewogen erstellen kannst, findest du umfangreiche Informationen dazu in meinem Clean Feeding Online-Kurs oder natürlich in meinem Buch.

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