Ballaststoffe – doch kein Ballast?

In der Hundeernährung führen Ballaststoffe aktuell ein relatives Schattendasein. Zwar heißt es, dass sie im Hundefutter vorkommen sollten, da sie Darmbewegungen anregen und die Kotausscheidung beeinflussen würden. Es wird aber davor gewarnt, dem Hund ja nicht zu viele zu füttern, weil das die Verdaulichkeit des Futters senken könnte.

Getreide hat in den letzten Jahren einen schlechten Ruf bekommen, in der Hundefütterung ist es verpönt. Futtermittel werden beworben mit „Frei von Getreide“. Getreide wird von manchen als Hauptauslöser von Allergien bei Hunden bezeichnet. Kohlenhydrate werden häufig als überflüssig angesehen, sie haben in vielen Futternäpfen nichts zu suchen. Aber Kohlenhydrate – und gerade Getreide – sind reich an Ballaststoffen.

Diese Entwicklung zeigt durchaus Parallelen zur menschlichen Ernährung. Auch da war eine Weile die LOW-CARB Ernährung sehr populär. Hintergrund waren auch die scheinbar immer häufiger vorkommenden Unverträglichkeiten von Getreide, vor allem Weizen, was dem enthaltenen Gluten zugeschrieben wurde.

Was sind Ballaststoffe?

Mit Ballaststoffen sind Bestandteile der Nahrungsmittel – vorwiegend aus Kohlenhydraten – gemeint, die nicht verdaulich sind. Nicht verdaulich heißt, sie bleiben übrig, nachdem den Nahrungsmitteln die Nährstoffe entzogen worden sind. Was aber nicht heißt, dass sie überflüssig sind.

Lange Zeit galten Ballaststoffe als überflüssig. Aus diesem Grund kam es dazu, dass Lebensmittel von ihren Ballaststoffen getrennt wurden. Weißmehl, das Getreideprodukt ohne Ballaststoffe, wurde entwickelt, um Mehl länger haltbar zu machen und weil man glaubte, der Rest wäre nur unnötiger „Ballast“. Nachdem sich dies als Irrtum herausstellte, kam man z. B. auf die Idee, das „Abfallprodukt“ Weizenkleie separat zu verkaufen. Nun findet man im Supermarkt billiges, lange haltbares Weißmehl und damit man die Auswirkungen der Ballaststoff-armen Ernährung mildern kann, die Weizenkleie.

Was können Ballaststoffe?

Zunächst einmal beeinflussen Ballaststoffe den Füllungsdruck im Darm und haben damit Einfluss auf die Kotausscheidung. Da liegt auch der Grund, weshalb ein zu hoher Anteil Ballaststoffe die Verdaulichkeit anderer Nahrungsbestandteile herabsetzen könnte. Es wird durch einen hohen Anteil an Ballaststoffen eine schnellere Passage der Nahrungsmittel durch den Verdauungskanal gefördert, was dazu führt, dass die Zeit zur Aufnahme der Nährstoffe verkürzt wird. Diese Vorgänge sind jedoch auch sehr stark von der Qualität der Nahrungsmittel abhängig und werden erst relevant, wenn der Anteil an Ballaststoffen deutlich zu hoch ist.

Positive Effekte der Ballaststoffe können sein:

  • Ballaststoffe haben einen entscheidenden Einfluss auf die Darmbakterien. Sie bilden Nahrung für die Darmbakterien und schaffen ein Milieu, das die Vermehrung jener Bakterien unterstützt, die zu einer gesunden Darmflora gehören.
  • Quellfähige Ballaststoffe wie z. B die Beta-Glukane (enthalten vor allem in Hafer und Gerste) sind in der Lage, im Darm die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fettsäuren zu vermindern, wodurch Übergewicht entgegen gewirkt werden kann, während sie trotzdem sättigend wirken.
  • Die Darmbakterien produzieren bei der Verdauungsarbeit an den Ballaststoffen Stoffwechselprodukte, welche den pH-Wert im Darm beeinflussen. Hierdurch schaffen sie eine gute Grundlage für gesunde Bakterienstämme, unterstützen das Wirken von Enzymen und die Aufnahme von Mineralstoffen aus den Ballaststoffen.
  • Ballaststoffe haben eine regulierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel, den Cholesterinspiegel und senken so auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Durch die Fermentierung von Ballaststoffen werden kurzkettige Fettsäuren gebildet, deren Vorhandensein unverzichtbar ist für die Gesundheit des Darms. Sämtliche Darmerkrankungen gehen mit einem Mangel an wichtigen kurzkettigen Fettsäuren einher.

Das Leaky-Gut-Syndrom

Als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet man eine Darmerkrankung, bei der die Darmschleimhaut durchlässig wird. Daraus resultiert, dass unverdaute oder auch giftige Stoffe in den Blutkreislauf gelangen. Eine solche Durchlässigkeit gilt auch als ursächlich für verschiedene weitere Erkrankungen wie z.B. Allergien, Autoimmunerkranungen, Diabetes, Multiple Sklerose oder auch Erkrankungen der Leber.

Wichtiger Bestandteil der Darmschleimhaut (Mucosa) ist logischerweise der Schleim. Die Bildung des Schleims (Muzin) ist abhängig von bestimmten Darmbakterien. Diese Darmbakterien verdauen Muzin, was wiederum zu einer verstärkten Produktion von Muzin und somit zu einer dichteren Schleimhaut führt. Außerdem tragen diese Bakterien dazu bei, dass die Schleimhaut lockerer und so leichter bewohnbar von weiteren wichtigen Bakterien wird.

Ohne ausreichende Ballaststoffe werden die Darmbakterien nicht ausreichend ernährt. Ihre Zahl und Aktivität nimmt ab. Es werden weniger kurzkettige Fettsäuren produziert, was den Stoffwechsel der Darmbakterien weiter sinken lässt. Es wird weniger Schleim gebildet, die Darmschleimhaut schrumpft und wird „löchrig“. Das wiederum führt auch zu weniger Lebensraum für die Bakterien und es entsteht ein Kreislauf aus Schleimhautverlust und Bakterienverlust.

Vollkornnudeln enthalten viele gute Ballaststoffe

Welche Nahrungsmittel enthalten viele Ballaststoffe?

Ballaststoffe sind vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Es gibt verschiedene Ballaststoffe, die auch verschiedene Wirkungen haben können. Daher ist es wichtig, die Ernährung entsprechend vielseitig zu gestalten.

Hohe Anteile an Ballaststoffen finden sich in Vollkorngetreide (Flocken, Nudeln, Getreidebreie, Reis, Brot) Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und geringere Mengen in Gemüse und Obst. Je weicher oder wässriger die Pflanzenteile, desto weniger Ballaststoffe sind enthalten.

Wieviele Ballaststoffe sollte ein Hund bekommen?

Diese Frage ist ein bisschen schwierig zu beantworten, allgemein gültige Empfehlungen gibt es dabei nämlich nicht. In der Fachliteratur wird ein Wert von höchstens drei Prozent Rohfaser der Trockensubstanz des Futters angegeben. Das ist natürlich wieder ein Wert der durch die Fertigfutterindustrie geprägt worden ist.

Welcher normale Mensch möchte aber bitteschön in komplizierten Formeln erst einmal die Trockensubstanz und daraus dann den Anteil der Ballaststoffe der Hundemahlzeit berechnen, um dann die optimale Menge als Ergebnis zu bekommen, welche er fortan Milligramm-genau in der Futterration berücksichtigt?

Äh ne, das kann so nicht richtig und vor allem nicht natürlich sein …

Der Kot-Indikator

Ein guter Indikator für den richtig gewählten Anteil an Ballaststoffen ist der Kot. Als „normal“ gilt ein 1-2 mal täglich vorkommender Kotabsatz. Der Kot sollte eine relativ feste Konsistenz haben und gut geformt sein. Sehr geringe Mengen Kot sind, entgegen der weitverbreiteten Meinung nicht immer ein Indikator für eine gute Verdauung. Sie können auch ein Hinweis sein, dass der Hund nicht ausreichend mit Ballaststoffen versorgt ist. Auch Verstopfung oder „kütteliger“ Kot weisen darauf hin.

Sehr weicher Kot, häufiger Absatz und ein sehr großes Volumen indes sind natürlich Hinweise auf eine zu groß gewählte Menge an Ballaststoffen. Das ist u. a. im Hinblick auf die Funktion der Analdrüsen dann wiederum als negativ zu bewerten. Diese entleeren sich nur optimal, wenn die Kotkonsistenz entsprechend günstig ist. Allerdings kann zu harter Kot ihre Funktion ebenfalls negativ beeinträchtigen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein pflanzlicher Anteil von 30-50%, welcher eine gesunde Mischung von Gemüse, Obst und vollwertigen Kohlenhydraten enthält, sicher auch ausreichend Ballaststoffe liefert.

Wichtig ist vor allem, auf die Qualität der Nahrungsmittel zu achten. Vollkorn, Bio-Qualität und wenig Verarbeitung sind hierbei wichtige Faktoren, auf die man achten kann.

Giardien entzieht man die Energie durch Verzicht auf Kohlenhydrate?

Eine gängige Empfehlung bei der „Bekämpfung“ eines Befalls mit Giardien ist der Entzug von Kohlenhydraten. Giardien ernähren sich – wie auch andere Einzeller im Darm – von Ballaststoffen. Die Konsequenz, dass man ihnen die Nahrung entzieht, wenn man keine Kohlenhydrate füttert, wäre also richtig. Dabei wird aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Befall mit Giardien ist im Gegensatz zur verbreiteten Meinung nicht das Resultat des Kontaktes mit dem Einzeller. Das würde ja bedeuten, dass jeder, der Kontakt mit Giardien hat, auch daran erkrankt. Das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil. Viele tragen Giardien sogar in sich und es passiert – nichts.

Eine gesunde Bakterienflora hält Giardien fern!

Ob es durch Giardien zu einer Erkrankung kommt, hängt nämlich mit dem Mikrobiom (Darmflora) zusammen. Ist dieses unausgewogen, also ungünstig verschoben, können sich die Giardien ungehindert vermehren und es kommt zu Krankheitssymptomen. Eine gesunde, also ausgewogen gestaltete Bakterienbesiedlung kann die Giardien in Schach halten und dafür sorgen, dass es nicht zu einer Erkrankung kommt.

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: Zum einen, dass ein Giardienbefall mit einer ungünstig verschobenen Darmflora im Wirt einhergeht. Zum anderen dass die wirksamste Methode, vor allem dauerhaft dafür zu sorgen, dass es nicht mehr zu einer Erkrankung durch Giardien kommt, ist, für eine gesunde Darmflora zu sorgen. Und dafür sind Ballaststoffe nunmal wichtig.

Fazit

Auch bei Hunden kann sich eine Ernährung, die wenig Ballaststoffe enthält, negativ auswirken und die Fütterung von Getreide ist durchaus positiver, als ihr Ruf vermuten lässt. Eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung ist auch für den Hund ein gutes Mittel, seine Gesundheit zu unterstützen. Auch, indem man so für eine ausreichende Zufuhr an Ballaststoffen sorgt, damit die Darmbakterien ihre Arbeit machen können.

Tipp: Solltest du deinen Hund bisher eher ballaststoffarm ernährt haben und dies nun ändern wollen, empfehle ich dir, mit kleinen Mengen anzufangen, damit sich die Bakterien im Darm deines Hundes langsam daran gewöhnen können.

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4 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag! Und so oft das böse „G“-Wort! :-) Tatsächlich reagieren ja viele Hunde und auch Menschen auf Getreide. Oder sagen wir, es scheint, als ob sie auf Getreide reagieren. Denn viele Dinge sind dabei noch viel zu wenig untersucht. So könnten hartnäckige Blähungen nach dem Genuss von Brot, die auf Getreideunverträglichkeit geschoben werden, ebenso gut auf Backtriebmittel und Zusatzstoffe zurückgeführt werden. Auch das kann Allergien auslösen. Was Spritz- und Düngemittel verursachen, ist ebensowenig geklärt wie die Frage, welche Langzeitfolgen der Verzehr von genetisch veränderten Lebensmitteln hat. Aus einem verseuchten Boden können keine gesunden Lebensmittel kommen. Getreide ist dabei besonders im Fokus, weil es so schnell wächst und unmittelbar aus dem Boden kommt. Es ist besonders durch Gifte beeinflusst. Vermeintliche Getreideunverträglichkeit kann auch eine Reaktion auf Glyphosat sein. Habe ich eine Studie dazu? Nein, natürlich nicht. Wer sollte sie auch finanzieren? Hier hilft nur das Ausweichen auf Bio-Produkte um wenigstens einen Teil der Gifte zu vermeiden.

    • Hallo liebe Heidi,

      ja, das böse G-Wort :-D . Ja, du hast recht, vieles kann man in seinen Auswirkungen gar nicht einschätzen. Vor allem nicht in der „Summe“. Ich halte es auch so, viel Bio, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und natürlich viel frisch, soweit man das überhaupt sagen kann …

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Super Beitrag, und nach den Erläuterungen, absolut nachvollziehbar und verständlich!!! Selbst beim „mal schnell nebenbei lesen“ ;-)
    Vielen Dank lieben Anke !!!

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