Was du über Omega-3-Fettsäuren wissen solltest

Zuletzt aktualisiert am 16. Februar 2022

Fette sind sogenannte Nahrungslipide. Sie sind Energielieferanten, transportieren fettlösliche Vitamine und dienen dem Körper außerdem als Bausteine von Hormonen. Im Darm ermöglichen Fette die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und sind Träger von essentiellen Fettsäuren.

Fette sind Energielieferanten

Fette gelten beim Hund als Hauptlieferant für Energie. Das hat damit zu tun, dass der Brennwert bei Fetten im Vergleich zu anderen Energielieferanten am höchsten liegt. Aus einer geringeren Menge kann vergleichsweise viel Energie gewonnen werden.

Die Energiegewinnung aus Fetten ist jedoch viel aufwändiger als die aus Kohlenhydraten und dauert außerdem länger. Deshalb ist Fett nicht als kurzfristiger Energiespender geeignet.

Zum größten Teil, nämlich zu etwa 95%, bestehen Fette aus Fettsäuren!

Fettsäuren werden in Gruppen unterteilt, nämlich in kurz- mittel- und langkettige Fettsäuren. Diese Unterscheidung betrifft die Anzahl ihrer Kohlenstoffatome, welche zwischen 4 (kurzkettig) bis 20 (langkettig) liegen kann.

Außerdem unterscheidet man noch nach den Verbindungen dieser Kohlenstoffatome. Zwischen den gesättigten Fettsäuren besteht eine Einfachbindung, während ungesättigte Fettsäuren Doppelbindungen haben. Bei mehreren Doppelbindungen spricht man von den mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Gesättigte Fettsäuren erkennt man daran, dass sie bei Zimmertemperatur fest sind (z.B. Kokosfett), während ungesättigte Fettsäuren bei Zimmertemperatur flüssig sind (z.B. Leinöl).

Essentielle Fettsäuren

Eine besondere Rolle spielen die Omega-3- und die Omega-6-Fettsäuren, welche zu den ungesättigten Fettsäuren gehören. Sie sind für den Hund und auch Mensch essentiell, was bedeutet, sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden.

Beide Fettsäuren haben einen großen Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Organismus. Sie spielen bei der Synthese von Prostaglandinen (Gewebshormone) eine maßgebliche Rolle. Prostaglandine sind Verursacher, Verstärker oder Hemmer von Entzündungen.

Die Omega-6-Fettsäuren sind sehr wichtig für Fell und Haut und bestehen vor allem aus Entzündungsverstärkern, jedoch auch aus Entzündungshemmern. Omega-3-Fettsäuren bestehen aus Entzündungshemmern, welche natürliche Gegenspieler mancher Entzündungsverstärker sind.

Es ist wichtig, auf ein gutes Verhältnis der beiden Fettsäuren zu achten, damit die Entzündungsbereitschaft im Organismus nicht übermäßig erhöht ist.

In der heutigen Nahrung überwiegt allgemein der Omega-6-Anteil. Empfohlen wird ein Verhältnis von 1:5, mittlerweile sind wir aber bei etwa 1:20

Ursache für diese ungünstige Verschiebung ist nicht zuletzt die Massentierhaltung. Bei Fleisch und Milchprodukten ist der Anteil an Omega-3-Fettsäuren umso höher, je artgerechter das Tier ernährt wurde. Einer Studie* zufolge, die 2016 veröffentlicht wurde, enthält Fleisch von Rindern aus Biohaltung, die mehr Gras fressen als die in konventioneller Haltung, bis zu 50% höhere Anteile der Omega-3-Fettsäuren.

Der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren

→ Viele heutige Erkrankungen, wie z.B. Allergien, gehen mit Entzündungsgeschehen im Organismus einher. Dabei spielt auch der Darm eine große Rolle. Erst in 2017 wurde in einer Studie** gezeigt, dass die Omega-3-Fettsäuren einen großen Beitrag zur Darmgesundheit leisten können. Sie fördern eine gesunde Darmflora und senken den Anteil an Bakterien, die entzündungsfördernd wirken.

→ Zytokine sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. Diese Gewebshormone werden aus Fettsäuren gebildet. Während Omega-6-Fettsäuren pro-entzündliche Zytokine produzieren, entstehen aus Omega-3-Fettsäuren anti-entzündliche Zytokine. Zytokine gelten als eine mögliche Ursache für die Entstehung von Epilepsie. Durch Entzündungen wird eine Entkopplung der Astrozyten (Zellen im zentralen Nervensystem von Säugetieren) vermittelt, wodurch sich im Gewebe für die Signalübertragung wichtige Kaliumionen und Botenstoffe wie Glutamat anreichern können. Diese Abläufe führen zu Übererregbarkeit der betroffenen Nervenzellen und schließlich zu epileptischen Anfällen.

→ Omega-3-Fettsäuren haben eine stimmungsaufhellende Wirkung. Sie sind sehr wichtig für Gehirnfunktionen und werden in der Humanmedizin z.B. erfolgreich bei der Therapie von Depressionen, Angstzuständen, oder auch AD(H)S eingesetzt. Bei Hunden können sie ebenfalls bei der Behandlung von Verhaltensproblemen hilfreich sein, wie z.B. bei unsicheren oder ängstlichen Hunden.

→ Entzündungen fördern sowohl die Entstehung, als auch das Fortschreiten von Krebserkrankungen. Da Omega-3-Fettsäuren Entzündungen entgegen wirken, haben sie folglich eine Krebs-präventive Wirkung.

→ Es gibt im Körper zwei Arten von Fett – weißes Fett und braunes Fett. Während das am meisten vorhandene weiße Fett überschüssige Energie speichert und so zu Übergewicht oder sogar Adipositas führen kann, wandelt das braune Fett überschüssige Energie in Wärme um. Die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure, die nur in tierischem Gewebe vorkommt, hemmt die Bildung von braunem Fett und kann daher Übergewicht begünstigen. Wie weiter oben schon beschrieben, sind Omega-3-Fettsäuren Gegenspieler von Omega-6-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren können sich daher bei Übergewicht günstig auswirken. Es ist also wichtig, auf tierische Produkte aus guten Quellen wie z.B. aus Weidenhaltung zurückzugreifen, die einen deutlich höheren Anteil Omega-3-Fettsäuren enthalten.

Zusammenfassung – Omega-3-Fettsäuren können sich positiv auswirken auf:

  • Alle Erkrankungen, die mit Entzündungsprozessen einher gehen wie z.B. Allergien, Autoimmunerkrankungen, Arthrose u.ä.
  • Darmerkrankungen, vor allem mit Entzündungen wie z.B. IBD
  • Gehirn, Nerven, bzw. Erkrankungen welche mit diesen im Zusammenhang stehen
  • Verhaltensauffälligkeiten wie Überaktivität, Unruhe oder auch gesteigerte Aggressionsbereitschaft
  • Entstehung oder auch Fortschreiten von Krebserkrankungen
  • Übergewicht/Adipositas sowie daraus resultierende Erkrankungen
  • Herz- und Kreislauf

Um eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren zu gewährleisten, sollte man die Quellen der tierischen Bestandteile für den Hund sorgsam auswählen. Außerdem kann man die Rationen mit weiteren Nahrungsmitteln und auch Ölen anreichern, die ein besonders günstiges Fettsäuren-Verhältnis aufweisen.

Gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren:

  • Seefisch wie z.B. Lachs, Sprotten, Makrelen oder auch Fischöl
  • Tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Eier oder auch Milchprodukte aus artgerechter Tierhaltung
  • Wildfleisch
  • Pflanzliche Öle wie Leinöl oder Hanföl
  • Chiasamen, Hanfsamen oder Leinsamen
Lachs enthält einen hohen Anteil gut verfügbarer Omega-3-Fettsäuren.
Hanfsamen sollte man am besten vor der Fütterung vermahlen.

* Studie der Newcastle Universität, veröffentlicht 2016 im British Journal of NutritionComposition differences between organic and conventional meat: a systematic literature review and meta-analysis“.
**”Omega-3 fatty acids correlate with gut microbiome diversity and production of N-carbamylglutamate in middle aged and elderly women“. Scientific Reportsvolume 7, Article number: 11079 (2017)

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank, für diesen aufschlussreichen Artikel.
    Gerade heute gab es hier eine Diskusion über Rolle der Fleischherkunft des Hundefutters. ” Bio für den Hund? Im barfshop bekommt man 1kg Fleisch für 2.60Euro, bei der Menge die unserer frisst ist das doch prima.” Mich überzeugte das nicht so ganz. Auf die Frage nach der Herkunft, hieß es von denen bekannten Schlachtern usw. ???
    Unsere bekommen dann doch lieber etwas von hiesigen Schlachtern,Bio oder dem Jäger…
    Nun gibt es dafür Dank Ihnen neue Argumente ?
    Kennen Sie eine gute Quelle für Gute Öle?

  2. Mal wieder ein sehr interessanter Artikel. Man kann daraus auch viel für seine eigene Ernährung lernen. So große Unterschiede sind ja nicht zwischen Hund und Mensch

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