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Sollte man viel Fleisch füttern?

Aktuell ist es “in Mode” den Hund mit Rationen zu versorgen, die einen hohen Fleischanteil enthalten. Dies betrifft sowohl Fütterungskonzepte wie BARF, als auch Fertigfutter, welche mit Fleischanteilen von 70-80% daher kommen.

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Viele Hundehalter denken: Je mehr Fleisch, desto besser für den Hund. Stimmt das?

Protein ist natürlich ein wichtiger Nährstoff für Hunde, denn Proteine sind die einzigen “Baustofflieferanten”. Auch pflanzliche Nahrungsmittel liefern Proteine, tierische Proteine sind den pflanzlichen jedoch vorzuziehen. Je mehr das Nahrungsprotein in seiner Aminosäuren-Zusammensetzung den körpereigenen Proteinen entspricht, desto verwertbarer wird es. Es leuchtet also ein, dass Hunde (Menschen übrigens auch, wir sind ja auch keine Pflanzen ;-) ) vorzugsweise Proteine tierischen Ursprungs erhalten sollten.

Wieviel Proteine brauchen Hunde überhaupt?

Auch wenn Proteine sehr wichtig sind, kann eine Überversorgung schädlich sein. Das liegt daran, dass überschüssiges Protein über Leber und Nieren abgebaut werden muss. Dauerhaft – und vor allem natürlich, wenn weitere Belastungen dieser Organe bestehen, können Leber und Nieren so geschädigt werden.

Barfrationen und auch Fertigfutter mit sehr hohem Fleischanteil liefern definitiv mehr Proteine, als der Hund tatsächlich benötigt. Das lässt sich ganz einfach an einem Rechenbeispiel belegen:

→ Täglicher Proteinbedarf eines Hundes, normal aktiv, 10kg KG: 31g

→ Proteinmenge klassische Barfration: 48g
→ Proteinmenge klassisches Trockenfutter mit hohem Fleischanteil: 39g

= Überschuss Barf: 17g (+54%!!)
= Überschuss TF: 8g (+25%)

Ein hoher Anteil Proteine kann aber noch mehr Auswirkungen haben, so spielen die Proteine natürlich auch eine Rolle im Gehirnstoffwechsel. Jeder weiß, dass die Ernährung auch maßgeblich Einfluss auf Stimmungen, Verhalten etc. hat. Im Gehirn werden Aminosäuren in Neurotransmitter wie Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin umgewandelt. Die sind natürlich alle wichtig. Ein ungünstiges Angebot der Aminosäuren kann jedoch auch ein ungünstiges Verhältnis der Neurotransmitter hervorrufen.

Proteine und das Gehirn

Bevor die Aminosäuren umgebaut werden können, müssen sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dort herrscht ein Konkurrenzverhältnis unter den Aminosäuren. Während die Aminosäure Tryptophan, welche für die Bildung von Serotonin (Glückshormon :-D ) zuständig ist, es sehr schwer hat, tut sich die Aminosäure Phenylalanin, welche für die Bildung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin zuständig ist, sehr leicht.

Welche Auswirkungen nun eine hohe Proteinmenge haben kann, ist logisch: Je mehr Proteine, desto mehr Phenylalanin, desto schwerer hat es Tryptophan. Die Bildung von Serotonin wird erschwert, während die Bildung von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin sich erhöht. Und dann hat man vielleicht plötzlich so eine Terrormaschine an der Leine, denn:

Adrenalin → Stresshormon!
Noradrenalin → Stresshormon, gilt als das Kampfhormon!
Dopamin → fördert Impulsivität und Überregbarkeit
Serotonin → beruhigende, ausgleichende Wirkung. Reduktion führt zur Zunahme von aggressivem Verhalten

Diese Punkte zeigen, dass eine adäquate Versorgung mit Proteinen durchaus Sinn macht. Eine Unterversorgung sollte natürlich nicht stattfinden, eine Überversorgung sollte aber ebenfalls vermieden werden.

Der Bedarf an Protein kann schon mit einer Menge von 40-50% der Gesamtration gedeckt werden!

Diese Zusammenstellung einer Ration entspricht jedoch nicht mehr dem BARF-Konzept und man sieht auch, dass der aktuelle Trend, Fertigfutter mit 70-80% Fleischanteil anzubieten, eventuell nicht die beste Variante ist ;-)

ALLEN Tieren zuliebe

Häufig wird mit der artgerechten Versorgung die Fütterung mit viel Fleisch gerechtfertigt, denn Hunde haben ja schließlich den Verdauungstrakt eines Fleischfressers. Es wird behauptet, dass Hunde im Futter einen hohen Fleischanteil haben müssen, weil sie ja schließlich zu den sogenannten Carnivora zählen. Hier entsteht aber häufig eine Verwechslung der Begriffe:

Es gibt die sogenannten CarnivorEN, das sind die Fleischfresser und es gibt die Gruppe der CarnivorA, das sind die Raubtiere. Hunde zählen zu den CarnivorA, zu den Raubtieren. Aber nicht alle CarnivorA sind auch CarnivorEN. Pandabären z.B. sind CarnivorA, jedoch keine Fleischfresser, sondern Pflanzenfresser. Hunde sind ebenfalls CarnivorA, zählen aber eher zu den Allesfressern.

Wenn man den Begriff artgerecht nutzt, muss man auch auf die anderen Tiere schauen, die hier involviert sind, nämlich die Nutztiere, welche verfüttert werden. Auch diese Tiere haben Anspruch auf ein artgerechtes Leben. Leider wird diesem Anspruch in der heutigen Zeit aber nicht mehr oft entsprochen. Tiere in der Massentierhaltung haben alles andere als ein artgerechtes Leben.

Als Tierliebhaber sollten wir Hundehalter das nicht einfach hinnehmen, indem wir unsere Hunde mit Fleisch von gequälten Tieren füttern. Wir sollten darauf verzichten und zur Fütterung unserer Hunde nur Fleisch verwenden, das von Tieren stammt, die ein artgerechtes Leben führen durften. Auch hierbei ist es hilfreich zu wissen, dass der Fleischanteil nicht so hoch sein muss, so kann man höhere Kosten durch eine kleinere Fleischmenge auffangen.

Fleisch aus Massentierhaltung ist außerdem stark belastet durch Schadstoffe, Medikamente und Hormone. Und auch unsere Umwelt leidet darunter, die industrielle Fleischproduktion verursacht mehr CO2-Emissionen als alle Autos, Flugzeuge und Schiffe weltweit.

So geht´s auch 😀

Ich kaufe das Fleisch für meine Hunde entweder im Hofladen eines nahen Bauernhofs oder in Barfshops, die ebenfalls Wert auf die Fleischherkunft legen.

Wenn der Hund krank ist …

Es gibt eine ganze Reihe Erkrankungen, bei denen empfohlen wird, zum therapeutischen Zweck die Protein(Fleisch)menge zu reduzieren, dazu zählen z.B.:

  • Erkrankungen der Nieren
  • Erkrankungen der Leber
  • Leishmaniose (bei Gabe von Medikamenten, die eine Reduzierung von Purin erfordern)
  • Gelenkserkrankungen wie z.B. Arthrose
  • Darmerkrankungen
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Eine Erkrankung, bei welcher ausdrücklich ein hoher Gehalt an Proteinen im Verhältnis empfohlen wird, ist mir dagegen nicht bekannt. Der wichtigste Faktor ist die Hochwertigkeit der Proteinquelle, damit die Proteine dem Hund ausreichend zur Verfügung stehen.

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An und für sich ist es nicht so schwer, gesunde Mahlzeiten für einen Hund zu erstellen. Natürlich benötigt man ein bisschen Know-How, um einem Hund gerecht zu werden, der gesunde Menschenverstand darf aber auch nicht fehlen. Und wer sich sehr unsicher ist, wie er seinen Hund am besten versorgt, kann sich HIER von mir einen Futterplan erstellen lassen.

Was Philosoph Richard David Precht über das Konsumieren von Fleisch denkt:

7 Kommentare zu Sollte man viel Fleisch füttern?

  1. Hallo,
    vielen Dank für den interesanten Beitrag.
    Haben sie noch einen praktischen Tipp was man dem Hund anstelle des proteinreichen Fleisches füttern soll? Und können sie ggf. auf die Problematik von Hefepillzerkrankungen eingehen? Also was genau darf ein Hund der mit rohem Fleisch gefüttert wird, aber Probleme mit Hefepilzen hat gefüttert werden. Kartofeln Reise und Karotten gehen ja nicht – da gehen mir die Ideen aus.
    Herzliche Grüße,
    Diana

    • Hallo liebe Diana,

      tierische Proteine sind natürlich die wertvollsten für den Hund (Mensch auch 😉 ) da sie den körpereigenen am ähnlichsten sind. Als tierisches Protein kann man quasi alles füttern, was vom Tier kommt, also Fleisch, MIlchprodukte und Eier. Wenn der tierische Anteil der Mahlzeit eines erwachsenen, relativ normal aktiven Hund bei etwa 50% liegt, ist der Proteinbedarf an und für sich gedeckt. Der Rest der Mahlzeit kann dann pflanzlich gestaltet werden, allerdings sollte der Anteil der Kohlenhydrate dann nicht allzu hoch sein, da dies wiederum die Verdaulichkeit des tierischen Anteils herabsetzen könnte. Ich empfehle, den pflanzlichen Anteil aus 10-15 % KH und 40-35% Gemüse/Obst zu gestalten.

      Bzgl. der Frage zu den Hefepilzen – ein Befall mit Hefepilzen ist auf ein Ungleichgewicht der Darmflora zurückzuführen. Du solltest den Darm über einen längeren Zeitraum sanieren und auch angelagerte Schadstoffe abbauen (entgiften). Außerdem natürlich keine großen Anteile Kohlenhydrate füttern, kleine gehen aber schon. Viel Gemüse, fetthaltigeres Fleisch oder/und andere Fettquellen (wegen der Energie). Achte beim Fleisch auf die Herkunft, dann hast du da keine Medikamenterückstände wie z.B. Antibiotika drin (rufen Pilzerkrankungen hervor!!!)

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Liebe Anke,
    Ich fange gerade erst an, mich mit Hundeernährung zu beschäftigen und mir schwirrt schon der Kopf. Wir haben seit 4 Wochen eine kleine Kooikerhündin. Sie ist jetzt 14 Wochen alt und ich bin noch nicht ganz zufrieden mit der Ernährung. Sie bekommt ein hochwertiges Dosenfutter, was ich schon mal mit frischem Gemüse aufpeppe. Sie frisst es gerne und scheint es gut zu vertragen. Da sie aber ziemlich häufig Kot absetzt, dachte ich, ich schaue doch mal nach einer Alternative. Da fiel mir Hirtengold ins Auge, was du ja auch mal empfohlen hast. Nun hat Hirtengold aber auch einen 70% Fleischanteil und es gibt kein spezielles Welpenfutter. Würdest du Hirtengold denn trotzdem empfehlen? Kann man das Verhältnis durch Druntermischen von Gemüse entsprechend anpassen?
    Liebe Grüße,
    Judith

    • Hallo liebe Judith,

      beim jungen Hund der sich ja noch im Wachstum befindet, ist es sehr wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr an Proteinen zu achten, die Aminosäueren liefern die wichtigen Baustoffe. Hirtengold würde ich auf jeden Fall empfehlen, auch weil die Zutaten sehr hochwertig sind. Ich würde dir aber zumindest im 1. Jahr nicht dazu raten, das Futter mit Gemüse etc. zu „verdünnen“. Im Verhältins gesehen ist der Proteinbedarf in den ersten Monaten am höchsten, daher ist eine ausreichende Zufuhr sehr wichtig. Das betrifft auch im besonderen den Calcium-Bedarf, auch hier ist es sehr wichtig, darauf zu achten, dass der Hund adäquat versorgt wird.

      Alles Gute für euren neuen Lebensgefährten! 😀

      Liebe Grüße
      Anke

  3. Liebe Anke,
    vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich füttere im Augenblick Terra Canis Welpenfutter. Ich beobachte jetzt mal, wie sich die Verdauung verändert, nachdem ich auf 3 Mahlzeiten am Tag umgestellt habe und habe Hirtengold auf jeden Fall im Hinterkopf. Wenn Nelly aus dem Welpenalter raus ist, komme ich auch gerne mal auf deine Ernährungsberatung zurück.
    Liebe Grüße,
    Judith

  4. Liebe Anke!
    Danke für diesen tollen Blog, ich beschäftige mich momentan sehr viel mit Hundenahrung, da mein Hund plötzlich eine Futtermittel-Unverträglichkeit hat und ich jetzt umstellen muss. Sie hat bis jetzt immer Diät-Trockenfutter bekommen und hin und wieder habe ich ihr selbstgekochtes Rindfleisch mit Karotten gegeben. Jetzt meinte der Tierarzt, ich soll das Futter umstelle. Bis jetzt habe ich nur eine halbwegs gute Vergleichsseite gefunden, wo ich schön aufgelistet eine Vergleichstabelle habe. Bin aber trotzdem noch weiter auf der Suche nach mehr Futter, um ihr letztendlich wirklich nur das Beste zu geben! Ich will einfach, dass es ihr wieder gut geht 🙂 Aber Futter ausschließlich selbst zusammen zu stelle, das traue ich mich nicht ganz weil ich Angst habe, dass ihr dann wichtige Nährstoffe fehlen?
    LG Sophie

    • Hallo liebe Sophie,

      natürlich muss man ein bisschen aufpassen, dass der Hund gut versorgt ist. Aber auch die Hundeernährung ist kein Hexenwerk! 😀

      Ich hoffe, du findest hier viele hilfreiche Informationen, so dass du dich irgendwann vielleicht doch noch traust, die Ernährung deines Hundes selber in die Hand zu nehmen!

      Liebe Grüße
      Anke

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