Purinbewusste Ernährung Dalmatiner

Gastartikel von Kerstin Ehlen, Hundeernährungsberaterin bei Punkt für Punkt zum gesunden Hund in Berlin, Bloggerin bei 2&4 zusammen unterwegs.

Der Artikel wurde Aktualisiert am 28.05.2017

Fräulein Punkt
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Auf 2&4 zusammen unterwegs berichten Kerstin und Dalmatinerhündin Allie (Fräulein Punkt) über viele interessante und spannende Themen rund um Hunde und Hundehaltung, wie z. B. Ernährung, Gesundheit, Gassigehen, Spielzeug, Zubehör zum Training und vieles mehr.

Kerstin und Allie
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Die Ernährung des Dalmatiners – ein Buch mit sieben Siegeln?

Der Dalmatiner hat einen Gendefekt. Jedenfalls die HUA’s – die LUA’s nicht.

Bahnhof? Ging mir anfangs genauso! High Urine Acid, Low Urine Acid …

Bitte was???

Also – Dalmatiner haben (in der Regel) einen Gendefekt, der ein „Problem“ im Purinverstoffwechsel verursacht. Dieses führt zu einer Ansammlung von Harnsäure und somit vermehrter Ausscheidung über den Urin, zur sogenannten Hyperurikosurie. Purine sind organische Verbindungen, die sich in den Nukleinsäuren (Erbinformationen in den Kernen) von Zellen befinden. Wahre Purinbomben sind also alle Nahrungsmittel, die viele Zellen beinhalten, z.B. Haut, Gehirn und Innereien – Eier hingegen bestehen z.B. nur aus einer einzigen Zelle und sind dementsprechend purinarm.

Normalerweise wird die Nahrung während der Verdauung in ihre Bestandteile aufgespalten, wobei auch Harnsäure entsteht. Soweit auch beim Dalmatiner. Hier aber beginnt dann die Auswirkung des Defekts. Bei Hunden ohne diesen wird die Harnsäure weiter zerlegt und es entsteht u.a. Allantoin, welches dann problemlos über die Nieren ausgeschieden wird, beim Dalmatiner ist eben dieser Schritt gestört und so gelangt weitaus mehr Harnsäure in den Urin als bei anderen Hunden. Durch die Harnsäure können sich Kristalle, Gries und sogar Harnsteine bilden, die im schlimmsten Fall zu einem Verschluss der Harnröhre führen, ein lebensbedrohlicher Zustand!

Purinbewusste Ernährung

Um diesen Problemen vorzubeugen, sollten Dalmatiner purinbewusst ernährt werden. Das heißt nicht purinARM, denn Dalmatiner können nicht nur Uratsteine bekommen, bei zu basischem Urin können sich auch alle anderen Steinarten bilden. Des Weiteren haben zwar (fast) ALLE Dalmatiner das Problem, jedoch nicht alle entwickeln auch Kristalle oder Steine.

Es wird grundsätzlich geraten, Purinbomben wie Bierhefe, Haut, Gehirn und große Mengen an Innereien wie Leber, Nieren und Milz zu meiden.

Ebenso sind Hülsenfrüchte und einige Getreide-, Pseudogetreide- und Gemüsesorten relativ purinreich, im Vergleich zu Innereien sind diese Werte aber zu vernachlässigen, mal abgesehen davon, dass Hülsenfrüchte sowieso nicht täglich in den Napf gehören..

Gern vergessen werden bei der Berücksichtigung der täglichen Purinzufuhr die Leckerlies –getrocknete Kauartikel z.B. bestehen meist aus „puren Proteinen“ und sind somit sehr purinreich (z.B. Rinderohren).

Fräulein Punkt 1
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Rohfütterung

Dalmatiner können sehr wohl gebarft werden (nicht zu verwechseln mit der Rohfütterung allgemein – beim BARFen werden relativ feste Verhältnisse eingehalten, z.B. beträgt der Innereienanteil 15% der tierischen Komponenten), das ist meiner Meinung nach auch die beste Variante, da man mit nur wenigen Veränderungen sehr gut auf PH-Abweichungen reagieren kann. Es wird generell alles gefüttert, wie beim „normalen“ BARFen auch. Also Fleisch, rohe fleischige Knochen und auch Obst sowie Gemüse.

Nur das Verhältnis wird ein wenig verändert. Während meist ein Verhältnis von 80/20, bzw 70/30 inkl. Getreide, gefüttert wird (Fleisch/Innereien zu Obst/Gemüse), sollte man bei einem symptomfreien Dalmatiner 70/30 ohne Getreide füttern. Getreide KANN, muss aber nicht – bei normalaktiven Hunden braucht man, m. M. n., kein Getreide.

Da Milchprodukte zwar Eiweiß, aber wenig bis kein Purin enthalten, darf der Speiseplan gern mit Milchprodukten ergänzt werden, da darf es auch mal mehr sein, als die empfohlenen 5% – wir essen ja auch nicht streng nach Waage…

Kommen wir nun zum Hauptpunkt, weshalb ich diesen Text heute (28.05.2017) ändere und den derzeitigen Erkenntnissen anpasse.

Vormals wurden Innereien für Dalmatiner fast gänzlich abgelehnt, es wurde lieber „supplementiert“, also künstlich ergänzt. Heute weiß ich, dass ein gesunder Dalmatiner WIRKLICH normal geBARFt werden kann und wie wichtig „richtige“ Innereien sind. Keine andere Komponente deckt so vollkommen, natürlich und gut verwertbar Vitamine und Mineralien ab – was in Obst, Gemüse u.ä. enthalten ist, kann da nie und nimmer mithalten!

Und  nachdem ich mich irgendwann mal hingesetzt, sämtliche Purintabellen aufgerufen und mich stundenlang selber mit Zahlen malträtiert habe, bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen:

Die BARF-Mahlzeit (inkl. Innereien bei 70/30) eines 25kg-Hundes enthält im Schnitt 188mg Purin. Nun gibt es keine Referenzwerte für Hunde, nur für Menschen – also können wir als Richtwerte nur die Empfehlungen für gichtkranke Menschen heranziehen. Diese lauten: bis zu 150mg Purin täglich bei einer strengen Diät (akuter Schub) und bis zu 250mg Purin am Tag bei einer leichten Diät. Nun sind wir aber Omnivoren, Hunde hingegen Karnivoren – dementsprechend dürften die Zahlen theoretisch sogar etwas höher liegen. Was sagt uns das?

Grundsätzlich erstmal, dass wir bei einem gesunden Dalmatiner nichts groß verändern müssen, wenn wir barfen wollen. Mit dem angepassten Verhältnis und dem bewussten Umgang mit Purinbomben wie getrockneten Kauartikeln und Zusätzen wie Bierhefe kann man einen Dalmatiner gesund und ausgewogen ernähren.

Ok, bei einem „Riesen-Dalmatiner“ mit 35kg (oder mehr) oder wirklich sehr aktiven Hunden mit regem Stoffwechsel, wäre eine Anpassung evtl. besser, um die Purinzufuhr ein wenig zu drosseln – das wäre dann aber eine Einzelfallentscheidung und muss nicht mit dem kompletten Streichen von Innereien einhergehen.

Zur Innereienfütterung ist noch zu sagen, dass es besser ist, täglich eine kleinere Menge zu füttern und nicht wenige Male und dafür mehr. Nicht nur wegen dem Purin im Übrigen – es ist auch so, dass viele Hunde mit Durchfall auf größere Mengen Innereien bzw. Leber reagieren.

Fertigfutter

Selbstverständlich können Dalmatiner auch mit Fertigfutter (Dose oder Trocken) gefüttert werden. Hier ist dann darauf zu achten, dass die Inhaltsstoffe detailliert angegeben werden, perfekter Weise in Prozenten, noch besser, wenn auch die Proteine einzeln aufgeschlüsselt sind. Leider wird nie der Puringehalt angegeben, dieser kann bei einer „guten“ Marke aber immer erfragt werden. Es wird empfohlen, ein Trockenfutter mit einem Rohproteingehalt unter 23% zu wählen und der Haupt-Kohlenhydratlieferant sollte ein purinarmer sein (z.B. Reis).

Beim Nassfutter muss bedacht werden, dass dieses natürlich einen weitaus niedrigeren Rohproteingehalt aufweist als Trockenfutter, dies ist aber allein der Tatsache geschuldet, dass es wesentlich mehr Wasser enthält. Rechnet man den Gehalt auf die Trockensubstanz um, so kann sich das ganz schnell ins Gegenteil umkehren. Es ist hierbei von Vorteil, wenn man auch bei Dosenfutter gut auf die Inhaltsstoffe achtet und die Mahlzeiten mit Milchprodukten und Flocken ergänzt (bei Letzterem ist wiederum auf den Proteingehalt zu achten).

Niemand weiß im Voraus, ob bei seinem Dalmatiner die Wahrscheinlichkeit hoch, gering oder nicht vorhanden ist, dass sich Steine bilden. Sie bilden sich aber entweder im zu sauren oder im zu basischen Urin, allerdings kann man den PH-Wert des Urins mit der Ernährung relativ gut steuern und somit einer Kristallbildung entgegenwirken, weshalb es sich als nützlich erwiesen hat, regelmäßig mittels Teststreifen den PH-Wert selbst (und zu Hause) zu messen. Ein Wert zw. 6,5 und 7,5 ist hierbei ideal. Bei der jährlichen Routinekontrolle gibt eine Urinsedimentkontrolle zusätzliche Sicherheit.

Fräulein Punkt
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Und sonst?

Egal, womit der Hund gefüttert wird, es muss IMMER ausreichend frisches Wasser verfügbar sein und es wird empfohlen, dem Hund die Möglichkeit zu geben, sich alle 4 bis 6 Stunden zu lösen. So wird die Blase stets gut gespült und die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Kristallen/Greis/Steinen wird stark verringert bzw. ganz verhindert.

Solltet Ihr Euch unsicher sein, ob alles so optimal ist bei Eurem Pünktchen, dann könnt Ihr zwischendurch selber den Urin testen. Dazu könnt Ihr in jeder Apotheke Urinsticks kaufen, die den PH-Wert messen (die reichen, es gibt aber auch welche mit etlichen anderen Parametern – auch ok, wenn Ihr mehr wissen wollt – bedenkt aber, dass die Werte (bzw die Aufschlüsselung nach gut und schlecht) für Menschen sind und Ihr die Hundewerte erst in Erfahrung bringen müsst). Hierzu bewaffnet Ihr Euch mit einer Suppenkelle oder einem kleinen Tellerchen und ab in die Natur und „lasst ihr freien Lauf“ 😉 Dann Stick rein und Wert ablesen. Das solltet Ihr, um Messfehler zu vermeiden und die natürlichen, tageszeitlichen Schwankungen zu berücksichtigen, 3x am Tag und für 3 Tage lang tun und dann den Mittelwert ziehen. Liegt dieser zwischen 6,5 und 7,5 – perfekt! Wenn nicht rate ich dringend zu einer Fütterungsüberprüfung – sehr oft kann man mit sehr kleinen Veränderungen viel erreichen!

Kommen wir aber nochmal ganz kurz zu den ganz oben angeführten Abkürzungen: HUAs und LUAs. Es wurde ein Zuchtprojekt ins Leben gerufen (die Details erspare ich uns allen – der Text ist schon lang genug) mit dem Ziel, den Gendefekt zu „beheben“ – daraus entstanden die LUA-Dalmatiner (low urine acid, also niedrige Harnsäure), die Purine ganz „normal“ verstoffwechseln können, ein positiver Ausblick in die Zukunft der Tupfentiere.

Zu guter Letzt aber noch die kleine Info, dass nicht nur Dalmatiner das „Purinproblem“ haben, generell können alle Hunde unter Hyperurikosurie leiden, einige andere Rassen neigen eher dazu als andere, z.B. einige Bulldoggenartige.

Autorin Kerstin Ehlen, Hundeernährungsberaterin bei Punkt für Punkt zum gesunden Hund in Berlin, Bloggerin bei 2&4 zusammen unterwegs.

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Über Anke 124 Artikel
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe und berate hier vor allem rund um das Thema Ernährung von Hunden. Auf www.anke-jobi.de biete ich außerdem Online-Kurse für Hundehalter zur Hundeernährung an.

17 Kommentare

  1. Wow, das wusste ich gar nicht. Also ich habe ja auch keinen Dalmatiner zuhause, aber echt interessant und toll erklärt.
    Jetzt fände ich noch interessant zu wissen, was ist mit Dalmatinermischlingen, ist es bei denen auch möglich, dass das Enzym fehlt oder passiert das nur bei reinrassigen Dalmatinern ?

    Liebe Grüße
    Anna

    • Hallo liebe Anna,

      ja, das ist eine berechtigte Frage. Ich würde sagen, da man bei einem Mischling ja nicht wissen kann, welche Genetik er von wem übernommen hat, sollte man das Risiko auf jeden Fall einkalkulieren. Heißt, man würde unterstellen, dass die Veranlagung gegeben sein könnte. Da es ja auch nicht so schwierig ist (vor allem wenn man frisch füttert), auf ein paar Dinge zu achten, wie z.B. keine oder wenig Innereien füttern, ließe sich das ja relativ leicht umsetzen und man wäre auf der sicheren Seite …

      Vielleicht weiß Kerstin dazu ja auch noch etwas zu berichten …

      Liebe Grüße
      Anke und Lucy

      • Beim Mischling besteht das Problem nicht, ich erspare uns die Details zur Genetik?
        Hat was mit dominant und rezessiv zu tun – da ich grad voll drin bin könnte ich aber auch weiter ausholen 😉
        Ne, ist zu spät 🙂

    • Hallo liebe Adelheid,

      du kannst dir den Beitrag ausdrucken, wenn du auf das Druckersymbol unter dem Beitrag gehst. Ich werde aber auch noch den Button zum email-versenden einfügen 😉

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Hi Kerstin, hi Anke,
    super interessanter Artikel, auch wenn ich selbst gar kein Punktetier habe 😉

    Habe heute wirklich was gelernt, wovon ich noch nie gehört hatte. Top!

    Viele Grüße
    Mieke

    • Hallo liebe Mieke,

      ja, man lernt nie aus 🙂 … Ich fand es selber auch sehr interessant und informativ, hab ja selber auch keinen Dalmatiner und bin in diesem Thema auch nicht so drin. Deshalb hab ich Kerstin gefragt, ob sie Lust hat und mich sehr gefreut, dass sie es gemacht hat. Und sie hat den Artikel wirklich top gemacht!! So toll, dass sie sogar meinen besten Artikel getopt hat! Echt super!!

      Liebe Grüße
      Anke

  3. Sehr schöne Zusammenfassung!
    Nur die Einleitung stimmt nicht, es fehlen dem HUA-Dalmatiner ja keine Enzyme, sondern der Transport der Harnsäure zur Weiterverarbeitung in die Leber und der Transport in den Nieren funktioniert durch die SCL2A9-Mutation nicht.
    Beim fertigen Futter würde ich sogar statt Reis eher ein Kartoffelbasiertes Futter bevorzugen, da dies bzgl. des Puringehalts als Kohlenhydratquelle vorteilhafter ist.
    Dalmatinermischlinge sind von der Hyperurikosurie nicht betroffen. Das mutierte Gen ist autosomal rezessiv vererbbar, das heißt, dass ein gesundes Allel des Nicht-Dalmatiner-Elternteils das mutierte Allel sozusagen „ausschaltet“.

    Vielen Dank für die Verbreitung dieser für die Dalmatinerhalter wichtigen Informationen!

    mit freundlichen Grüßen,

    Dr. Vera Engelbertz

    • Hallo liebe Frau Dr. Engelbertz,

      vielen dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar. Jetzt ist auch die Frage bezüglich der Mischlinge beantwortet 🙂

      Zu den Enzymen muss ich aber doch etwas einwerfen. Ich habe (im Zuge meiner naturheilkundlichen Ausbildung) gelernt, dass die Ursache in mehreren Punkten zu finden ist, so auch in fehlenden oder zumindest zu wenig vorhandenen Enzymen (so steht es auch im Lehrbuch für Tiermediziner „Physiologie der Haustiere“ von Wolfgang von Engelhardt), und zwar Uricase. Da Sie Ärztin sind, stelle ich mir natürlich vor, dass Sie das genau wissen. Andererseits sind Sie ja keine Tierärztin , sondern Ärztin der Humanmedizin und ich nehme an, Ihr Interesse an dem Thema ist eher privater Natur, da Sie selber einen Dalmatiner haben.Vielleicht können Sie das noch einmal näher erläutern. Ich (und sicher alle, die den Artikel noch lesen) bin natürlich daran interessiert, die korrekte Erklärung zu kennen.

      Vielen herzlichen Dank nochmal für Ihr Input
      Liebe Grüße
      Anke

      Noch eine Anmerkung: Ich habe auf Ihrem Dalmatinerblog gesehen, dass Sie eine PDF verfasst haben, bezüglich Harnsäureproblematik bei Dalmatinern. Darin empfehlen Sie die Fütterung von Royal Canin, das macht mich etwas stutzig ….

      • Hallo!
        Vielen Dank für die nette Rückmeldung, sehr gerne gibt es mehr Informationen zu diesem für mich speziellen Thema.
        Zu mir persönlich: ja, ich habe einen Dalmatiner, und ja, er hat 2011 einen Harnröhrenverschluss durch Uratgries gehabt. Unsere Geschichte habe ich ganz kurz auf meiner Homepage skizziert. Da es unter dem purinarmen Tierarztdiätfutter zu einem Rückfall kam (was vor allem daran lag, dass mein Dalmatiner einfach so gut wie nichts trinkt bei Trockenfutter und alle Tricks nicht gefruchtet haben) musste ich mir damals vor allem als überzeugter Frischfütterer etwas überlegen und habe mich in die Materie hineingekniet. 2011 gab es noch kaum im Internet zugängliche Informationen zu dem Thema, und es hat mich recht viel Recherche gekostet, aber mit dem medizinischen Hintergrund, den ich habe, hatte ich natürlich auch einen gewissen Ehrgeiz.
        Seit über 3 Jahren füttern wir nun streng purinreduziert frisch und kommen damit prima zurecht, und das ist auch die Fütterung, die ich persönlich für jeden Urat-erkrankten Dalmatiner empfehlen würde.

        Ich glaube, eine Royal Canin Empfehlung habe ich weder auf unserer Homepage noch in meinem Artikel ausgesprochen, aber nicht jeder möchte oder kann frisch füttern oder traut es sich trotz der heute verfügbaren professionellen Beratungsmöglichkeiten zu. Für den Urat-erkrankten Dalmatiner (ich spreche jetzt nicht von einem HUU-Dalmatiner, der noch nie ein Uratproblem gehabt hat) ist das Royal Canin low purine (neben dem entsprechenden Futter von Hills) aber eine gute Alternative – wenn es denn ein Trockenfutter sein muss. Nur diese beiden Futter haben in Studien eine Reduktion der Kristallbildung nachweisen können. Es gibt immer wieder betroffene Dalmatinerhalter, die z.B. auch aus Kostengründen auf ein Nierenfutter aus dem Futtermittelhandel um die Ecke zurückgreifen, davor kann ich nur warnen! Zuwenig Protein, keine sichere Purinreduktion!

        Bzgl eines HUU-Dalmatiners der noch nie Probleme hatte, bin ich vollkommen bei Ihnen und dem, was Sie in ihrem Blog so schön zusammengefasst haben!

        Bzgl. der Urikase: die entsprechenden genetischen Nachweise kamen erst nach 2005, zuvor geisterte die Geschichte mit der verminderten Urikase als Ursache immer noch durch Bücher und das Internet, dies stammt noch aus Mausmodellen und einer Übertragung aus der Humanmedizin.
        Dabei hat eigentlich ein Herr Klemperer schon 1938 durch Versuche an Dalmatinerlebern (Entschuldigung.. ich finde das auch fürchterlich) herausgefunden, dass es eigentlich nicht die Urikase selbst sein kann, sondern dass ein Transportproblem an der Leberzellwand das Problem sein muss.
        2005 und 2009 wurden dann die Hintergründe (Danika Bannasch) molekular aufgedeckt.

        Für alle, die sich die Originalartikel antun möchten:

        https://jhered.oxfordjournals.org/content/96/7/750.full.pdf+html

        https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2573870/pdf/pgen.1000246.pdf

        https://ex-epsilon.slu.se:8080/archive/00002573/01/Foschi_Gabiella.pdf

        Einen schönen Abend und herzliche Grüße,

        Vera Engelbertz mit Kimi

        • Dankeschön für die ausführliche Rückmeldung. Ich habe das (auch mit weiterer Recherche) nun so verstanden: Zwar ist es so, dass bei den Dalmatinern ein Enzymproblem besteht,und zwar Uricase (auch genannt Uratoxidase), welches im Zuge diverser Mutationen funktionsunfähig wurde, also quasi fehlt. Aber trotzdem wird die Krankheit nicht hierdurch verursacht, sondern durch eben genannte Mutation im Gen SCL2A9. Würden Sie das als korrekt bezeichnen?

          • Entschuldigung, ich war ein paar Tage nicht auf der Seite.
            Nein, die Uricase ist beim Dalmatiner quantitativ und qualitativ normal vorhanden.
            Das Problem ist die Mutation SCL2A9, die einen Fehler in einem Glukosetransporter in der Zellwand v.a. der Leberzellen verursacht.
            Das in Hanrsäure abgebaute Purin wird normalerweise über diesen Transporter in die Leberzelle eingeschleust, damit die in der Leberzelle gespeicherte Uricase die weitere Verarbeitung in Allantoin vornehmen kann, was dann gut wasserlöslich wieder ausgeschieden werden kann.
            Dieser Transport funktioniert aber beim Dalmatiner (und auch bei manchen Gichtformen des Menschen) nicht, so dass die Harnsäure ohne weitere Umwandlung vermehrt ausgeschieden werden muss.
            Ähnliches Problem in den Nierenkanälchen, in denen der selbe Transporter normalerweise Harnsäure aus dem Urin noch einmal für den Körper „rückgewinnt“, auch das funktioniert nicht in dem Maße, wie bei anderen Hunden, so dass auch hier im Vergleich relativ mehr Harnsäure zur Ausscheidung über die Blase übrigbleibt.

            Dieser Leberversuch 1938 hatte schon gezeigt, dass das Enzym normal vorhanden ist und es in geschredderten Leberzellen seine Arbeit tut, in einer frischen Leber aber nicht, so dass der Forscher damals schon schloss, das das Problem in der Leberzellenwand liegen muss und nicht im Enzym.

            Nur der Mensch hat die Uricase im Verlauf der Evolution „verloren“.

            Herzliche Grüße,

            Vera Engelbertz

  4. Bleibt noch die Frage, wie es bei einem jungen Dalmatiner aussieht??
    Hat er bereits in der Wachstumsphase diesen Defekt?
    Purinarme Nahrung leuchtet mir schon ein, aber sollte der Eiweißgehalt bei Trockenfutter trotzdem so niedrig gehalten werden (ca. 20 %) wie empfholen? Wie kann der Hund denn dann seinen Organismus (Muskeln, Organe, Fell, …) aufbauen mit so wenig Proteinen?

    Schöne Grüße
    K.-P. Frantz

    • Hallo Klaus-Peter,

      ich würde kein Futter empfehlen, das einfach Protein-reduziert ist, schon mal gar nicht beim Junghund/Welpen. Der Hund im Wachstum ist auf ausreichend und qualitativ hochwertige Proteine angewiesen, diese sind die einzigen Nährstoffe, welche Baustoffe liefern.

      Protein-reduziert ist ja auch nicht gleich Purinbewusst (nicht purinarm!!). Man sollte auf Nahrungsmittel verzichten, die einen sehr hohen Puringehalt vorweisen, das sind z.B. Innereien oder Haut. Dies bildet aber ja nur eine Vorsichtsmaßnahme, keine Therapie. Heißt man muss immer abwägen, ob der Hund auch alle benötigten Nährstoffe erhält.

      Bei Fertigfutter empfiehlt es sich, eins zu suchen das Auskunft über den Puringehalt gibt. Fütter man purinbewusst und reduziert dadurch auch zum Teil den Eiweißgehalt, sollte man besonders darauf achten, dass das verbleibende Eiweiß qualitativ hochwertig ist.

      Liebe Grüße
      Anke

  5. Ich habe ein dalmimädchen(wird im April 2)und barfe sie. Habe aber keinen auf sie abgestimmten Futterplan,was kostet es einen erstellen zu lassen?

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