Probiotika beim Hund sinnvoll einsetzen

Probiotika gewinnen auch in der Therapie von Erkrankungen bei Hunden immer mehr Bedeutung. Mittlerweile gibt es eine Reihe Untersuchungen, die viele positive Effekte auf die hündische Gesundheit bestätigen. Im Folgenden erfährst du, was Probiotika sind, wie sie wirken können und wie sie eingesetzt werden können.

Was sind Probiotika?

Das Wort Probiotikum (oder Probiotika für die Mehrzahl) besteht aus dem lateinischen Pro, was für bedeutet und dem griechischen Bio, was übersetzt Leben heißt. Probio heißt also übersetzt für das Leben. Die Bedeutung bezieht sich aber vor allem darauf, dass in einem Probiotikum lebende Mikroorganismen enthalten sind.

Die Herstellung von Probiotika ist strengen gesetzlichen Regeln unterstellt. Probiotika gelten als Futtermittelzusatzstoffe und sind daher zulassungspflichtig. Bei den Mitteln, die für Hunde angeboten werden, dürfen nur Mikroorganismen enthalten sein, welche unbedenklich sind und deren Nutzen für den Hund nachgewiesen wurde. Aktuell gibt es lediglich zwei Bakterienstämme, die lt. EU-Verordnung für Hunde (und auch Katzen) zugelassen sind. Das sind Enterococcus faecium und Lactobacillus acidophilus.

Wie wirken Probiotika?

In den letzten Jahren ist die Erforschung des Mikrobioms (die Gesamtheit der Mikroorganismen, vor allem Bakterien, die einen Organismus besiedeln) geradezu explodiert. Man findet immer mehr Zusammenhänge zwischen vielen Erkrankungen und diesen im Organismus lebenden Kleinstlebewesen. Das trifft auch auf unsere Hunde zu und auch hier gibt es mittlerweile einige Untersuchungen, die erkennen lassen, dass auch bei Hunden sehr viele Erkrankungen mit Verschiebungen vor allem der intestinalen (im Verdauungstrakt) Mikrobiota (Bakterienbesiedlung) im Zusammenhang stehen. In diesen Zusammenhängen wurde auch die Anwendung von Probiotika beim Hund mehrfach untersucht und es zeigten sich eine Reihe positiver Effekte.

Nachweislich wirken Probiotika beim Hund mindernd auf pathogene Keime wie z.B. Clostridien, fördern die Zunahme von Milchsäurebakterien, wirken auf das Immunsystem stimulierend und erhöhen so den Immunschutz (auch die Darmbarriere, was wiederum z. B. zu einer verminderten Aufnahme von Futter-Antigenen führt), erhöhen die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren (u. a. Energielieferant der Darmepithelzellen, wirken hemmend auf Entzündungen) und können auch die  Futteraufnahme steigern.

Alleine diese Effekte können sich auf eine Vielzahl Erkrankungen sehr positiv auswirken. Sehr viele Erkrankungen werden z.B. mit einer „löchrigen Darmwand“ in Verbindung gebracht, vielen bekannt als das „Leaky Gut Syndrom“. Das bedeutet, die Darmbarriere ist nicht mehr so dicht, wie sie eigentlich sein sollte. Daraus können weitere Erkrankungen entstehen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Lebererkrankungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und mehr.

Probiotika können also bei diesen Erkrankungen eingesetzt werden, um die Bakterienbesiedlung, die man umgangssprachlich auch Darmflora nennt, wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Damit der Einsatz von größtmöglichem Erfolg gekrönt ist, sollte man jedoch einiges beachten.

Wie wendet man Probiotika an?

Weiter oben habe ich schon geschrieben, dass als Probiotika für Hunde nur zwei Bakterienstämme zugelassen sind. Die meisten Probiotika für Hunde enthalten das Bakterium Enterococcus faecium. Es handelt sich dabei um ein fakultativ anaerobes Bakterium, was bedeutet, es lebt gut in einer Umgebung mit Sauerstoff, benötigt diesen jedoch nicht unbedingt.  Fakultativ anaerobe Bakterien findet man vor allem im Dünndarm. Ein Probiotikum mit Enterococcus faecium wirkt also vor allem im Dünndarm.

Viele Erkrankungen haben ihre Ursache jedoch im Dickdarm, daher ist es empfehlenswert, auch diesen zu unterstützen. Es gibt zwar keine Dickdarm-spezialisierten Bakterienstämme, die für Hunde zugelassen sind, dafür gibt es aber Produkte, die fermentierte Zusätze beinhalten. Bei diesen Fermentierungen bilden sich Mikroorganismen, die vor allem anaerob sind und sich im Dickdarm wohlfühlen. Die allermeisten Bakterien im Dickdarm sind obligat anaerob, was bedeutet, sie können Sauerstoff nicht vertragen und sterben bei Kontakt ab. Das ist auch der Grund, weshalb man diese Bakterien nicht in Kotproben nachweisen kann, auch wenn sie im Darm vorhanden sind.

Fazit: zur umfassenden Therapie mit Probiotika empfiehlt sich also die Gabe von zwei verschiedenen Mitteln – eins für den Dünndarm, eins für den Dickdarm.

Für den Dünndarm eignen sich klassiche als Probiotika für Hunde im Handel befindliche Produkte.

  • DarmGesund DogPro ist ein sogenanntes Symbiotikum (da es auch ein Präbiotikum enthält) in Bio-Qualität. Es enthält das bei Hunden geprüfte Bakterium Enterococcus faecium, außerdem den Ballaststoff Inulin.
  • Symbiopet ist ebenfalls ein Kombiprodukt (Symbiotika) das auch präbiotische Ballaststoffe enthält

Für den Dickdarm eignen sich gut Produkte, die auch unter EM (Effektive Mikroorganismen) im Handel sind.

  • Emiko Petcare ist eine probiotische Futterergänzung für Hunde, die durch Fermentierung entstandene Effektive Mikroorganismen enthält.
  • Videlio ist ebenfalls ein Produkt, das fermentierte Kräuter enthält, wodurch sich EM gebildet haben.

Dosierung und Anwendung

Man kann die beiden Mittel am besten kombinieren, indem man sie zeitversetzt gibt. So gibt man vormittags z.B. das Probiotikum in Pulver- oder Kapselform, abends die flüssige Variante. Probiotika können problemlos zum Futter gegeben werden. Die richtigen Dosierungen kann man den entsprechenden Produkten entnehmen.

Wichtig: Probiotika sollten IMMER eingeschlichen werden, da sie sonst zu Anfangs den Darm überfordern können. Trotzdem ist eine anfängliche Begleiterscheinung häufig, dass es zu weicherem Kot, Schleimbildung oder auch Blähungen kommt. Das legt sich i. d. R. jedoch nach 2-3 Tagen.

Die Dauer der Anwendung richtet sich immer nach der Erkrankung. Je länger diese besteht, desto länger sollten auch die Probiotika gegeben werden. Vor allem bei chronisch gewordenen Kranheitsbildern sollte man die Mittel über mehrere Monate anwenden.

Was ist sonst noch wichtig?

Um die guten Darmbakterien zu unterstützen und vor allem, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, sollten noch ein paar weitere Faktoren berücksichtigt werden.

  • Die Versorgung mit Vit. D nimmt Einfluss auf die Darmbakterien, daher sollte man für eine ausreichende Versorgung sorgen. Mehr Infos zu diesem Thema gibt es in meinem Artikel Vitamin D- die Sonne im Hundenapf.
  • Die essentielle Fettsäure Omega 3 hat ebenfalls eine maßgebliche Wirkung auf die Darmflora. Sie fördert eine gesunde Darmflora und senkt den Anteil an Bakterien, die entzündungsfördernd wirken. Eine Ergänzung macht im Krankheitsfall und häufig auch beim gesunden Hund also Sinn.
  • Will man einen dauerhaften Erfolg, kommt man i. d. R. nicht umhin, die Ernährung dauerhaft anzupassen. Fehlen im Futter z.B. Ballaststoffe, wird sich die Darmflora nicht dauerhaft verändern, da sie sich ohne die extra zugeführten Bakterien wieder an die Gegebenheiten anpasst. Warum Ballaststoffe so wichtig sind, habe ich in meinem Artikel Ballaststoffe – warum dein Hund sie dringend braucht beschrieben.

Weitere Informationen rund um die Darmflora:

Quellen/Text u. a. :

kleintier.konkret, Enke Verlag, Ausgabe 2017; Brigitta Wichert: Pre- und Probiotika – Wann der Einsatz bei Hund und Katze sinnvoll ist.
Präbiotika, Probiotika von J. Zentek, Institut für Tierernährung der freien Universität Berlin

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2 Kommentare

  1. Hallo Anke, wie passieren die eigentlich unbeschadet die Magensäure ? Es gibt ja auch magensaftresistente Kapseln. Aber würd dann nicht flüssiges EM z.B. vorher schon zerstört ?
    Danke
    Erika

    • Hallo Erika,

      wie Bakterien das saure Milieu im Magen vertragen ist unterschiedlich und hängt grundsätzlich von den individuellen Eigenschaften der Bakterien ab. Das Bakterium Enterococcus faecium, das in vielen Probiotika für Hunde enthalten ist, kann den tiefen pH-Wert im Magen recht gut ab. EM bestehen vor allem aus Milchsäurebakterien, die meist ebenfalls recht resistent sind gegen die Magensäure. Es kommt jedoch auch auf die Menge an und auf das individuelle Milieu, wieviele Mikroorganismen „durchkommen“.

      Liebe Grüße
      Anke

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