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Lektionen von freidenkenden Hunden

Lektionen von freidenkenden HundenBild PhotoFunia

Vielleicht hast du auch schon von dem Buch „Merles Tür “ gehört, oder es gar gelesen, in dem es um Merle geht, den berühmtesten freidenkenden Hund der Welt. In dem Buch erteilt er „Lektionen von freidenkenden Hunden“.

Falls du „Merles Tür“ noch nicht kennst:

Geschrieben hat das Buch Ted Kerasote, ein ziemlich schlauer Mann, der schon eine ganze Reihe Publikationen gemacht hat, allerdings bis dahin nie über Hunde. Er hat einen ganz tollen Schreibstil und wird sogar als „Mozart der Sprache“ bezeichnet.

Merle wird deshalb als freidenkender Hund bezeichnet, weil er in sehr großem Umfang selber Entscheidungen treffen durfte.

Unterstützt durch seine eigene Haustür, die er selbstständig öffnen konnte, war er z.B. in der Lage,  zu Kommen und zu Gehen, wann er wollte. Eine Hundetür …

In meiner Kindheit hatten wir auch so etwas wie einen freidenkenden Hund. Wir hatten eine Dackelhündin, die zwar keine eigene Tür hatte, aber trotzdem alleine spazieren gehen durfte, wann immer sie wollte. Sie hatte gelernt „Bescheid“ zu sagen, wenn sie raus wollte. Sie ging dann zur Haustür und die wurde ihr von den Menschen geöffnet.

Dann ist sie alleine losspaziert und zurück gekommen, wann sie Lust hatte. Sie ist niemals verloren gegangen und es ist ihr nie etwas passiert. Es hat auch nie jemand Anstoß daran genommen. Auch im Haus durfte sie quasi tun und lassen, was sie wollte. Sie schlief in den Betten, auf den Sofas, durfte Besuch begrüßen, durfte knurren wenn ihr etwas nicht passte …

Sicher kennst du die Geschichten von Lassie … Wenn man so darüber nachdenkt, war Lassie wohl auch so etwas wie ein freidenkender Hund. Wie sonst hätte er all das tun können, was er tun konnte … Ja, damals, in den 50er und 60er Jahren (70er wohl auch noch …), da gab es sie noch, die freidenkenden Hunde.

Da war das ja auch noch nicht so wild, mit der sogenannten Erziehung von Hunden. Damals war Hundeschule noch eine Seltenheit, eher etwas für Leute, die ihre Hunde ausbilden wollten. Und die Hunde, ja, die „liefen“ i.d.R. quasi so mit. Gehörten dazu, wurden geliebt, aber nicht verhätschelt. Waren halt Hunde. Da wurde nicht so ein großes Bohai gemacht. Sie waren da, lebten ihr Hundeleben, fertig.

Hundehaltung heute

Heutzutage ist das mit der Hundehaltung eine recht komplizierte Angelegenheit. Nicht zuletzt wohl, weil Hunde eine ganze Menge Geld einbringen. Ja, leider geht es mal wieder um Geld … Es sind ganze Wirtschaftszweige entstanden rund um Hunde. Angefangen bei den Fachleuten und Hundetrainern, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Jeder hat sein neues, angeblich unschlagbares Konzept, wie man mit Hunden umgehen soll. Da kommen die dollsten Ideen zustande, gipfelnd in Behauptungen, dass Hunde von anderen Hunden ferngehalten werden müssen, dass Hunde niemals mit anderen Hunden spielen (nein, sie kämpfen nur, Hundekontakt ist nichts als Stress!), dass nur der Mensch Partner sein darf …

Hunde und Mode

Oder Hundebekleidung. Da wird designed was das Zeug hält, Hunde werden behandelt, wie lebendige Barbiepuppen, mit Strass behängt, im Handtäschchen getragen, schlafen in Puppenbetten  …

568.923 verschiedene Sorten Hundefutter und Huta

Oder Futter … Da gibt es mittlerweile für jedes Fitzelchen ein besonderes Futter: für die Größe, fürs Fell, fürs Alter, für (bzw. gegen) Krankheiten, für Rasse usw., usw. …

Es gibt Hundekittas, Ernährungsberatung, Verhaltenstherapien, designtes Hundezubehör, Erziehungsratgeber, Hundezüchter (hier entstand auch ein neuer Begriff: die Qualzuchten), Hundeschulen, HundeHALTERschulen usw., usw….

Ohje, KOMPLIZIERT!! All das hat dazu geführt, dass die Menschen in ihrem Verhältnis zu Hunden total verunsichert worden sind. Und – klar wie Kloßbrühe – freidenkende Hunde, die darf es nicht (mehr) geben. Wenn eines sicher ist, dann das!

Hunde können doch gar nicht denken! Nein, DENKEN, das können doch nur die Menschen. Also, genau genommen, die „menschlichen Tiere“. Hunde können das nicht. Die handeln rein „Instinkt-gesteuert“,  heißt es oft.

Ist das so? Mittlerweile ist es für viele eine feststehende Tatsache, dass auch Hunde (bzw. Tiere) Gefühle haben. Ein tolles Buch zu diesem Thema hat Marc Bekhoff, ein Professor der Biologie, geschrieben: „Das Gefühlsleben der Tiere “ .

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Bild PhotoFunia

Ich sehe das ähnlich wie Marc Bekhoff und Ted Kerasote und deshalb gestaltet sich hier bei uns die Hundehaltung wohl eher nicht massenkonform.

Unsere Hunde dürfen fast immer tun, was sie möchten. Sie dürfen schlafen, wo sie wollen. Echt, überall!! Im Bett, auf der Couch, in der Hundekiste, auf den Hundekissen, auf dem Teppich. Sie dürfen in den Garten, wann sie wollen (eine eigene Tür haben sie zwar nicht, aber sie wissen, wie man „Bescheid“ sagt). Sie dürfen Besuch begrüßen, auf ihre eigene, hündische Art.

Sie dürfen sogar mit den Menschen toben, das ist dann immer der größte Gaudi. Die Menschen legen sich dabei sogar manchmal auf den Boden, unter die Hunde, stell dir vor. Die Menschen machen sich dabei auch gar keine Sorgen, dass die Hunde die Weltherrschaft übernehmen könnten. Die Hunde dürfen die Menschen dabei sogar beißen, ja echt! Solange sie zart zubeißen. Wenn es einmal fester ausfällt, ist das Spiel dann erst mal vorbei, wie beim Spiel unter Hunden.

Draußen dürfen die Hunde so oft ohne Leine laufen, wie möglich. Sie dürfen nach Mäusen buddeln, was das Zeug hält. Sie dürfen die Mäuse sogar auffressen. Sie dürfen sich im Matsch wälzen. Sie dürfen mit ihren Hundekumpels spielen und toben.

Sie werden niemals gerufen, wenn es nicht sein muss. Das mit dem Rufen ist auch gar nicht nötig, sie gehen ja von ganz alleine mit. Sie wären ja schön blöd, wenn sie ihre Menschen verlieren würden, wo es ihnen bei denen doch so gut geht. Und sie dürfen knurren! Ja, echt, das dürfen sie. Wie soll ein Hund denn auch sonst sagen, dass er etwas nicht möchte?

Ungezogene Fratzen?

Ja, wie du siehst, unsere Hunde dürfen eine Menge. Aber wenn du jetzt denkst, sie sind ungezogene Fratzen, dann hast du dich getäuscht. Sie sind sogar recht brave Hunde. Klar haben sie auch ihre Schwächen. Der Terrier Leo klettert gerne in Fuchsbauten und Viszla-Mischling Lucy jagt gerne Rehe (darf sie natürlich nicht, deshalb hat sie eine hübsche, neongelbe Schleppleine). Aber …

Nodogi is perfect

Und genau da liegt meiner Meinung nach „der Hase im Pfeffer“. Heutzutage haben es die Hunde echt nicht leicht. Sie sollen viel und dürfen wenig. Sie sollen sich menschlich verhalten, aber bloß nicht mit den Menschen auf eine Stufe stellen. Sie sollen leise sein, sauber sein, gehorsam sein, immer gut gelaunt sein, jeden mögen, sich alles gefallen lassen und bloß nicht aufmucken. Sie sollen alles das sein, was Hunde eigentlich nicht sind. Und wenn das nicht klappt, dann werden sie zum Wanderpokal.

Stell dir mal vor, du fährst in ein fremdes Land und da ist es üblich, sich zu begrüßen, indem man sich auf die Wangen küsst. Würdest du die Einheimischen jetzt grob wegschubsen, wenn sie dich auf ihre Art begrüßen wollen? Nicht? Wieso schubst man dann einen Hund weg, wenn er jemand auf seine Art begrüßen möchte, nämlich, indem er den „Freund“, über dessen kommen er sich freut, gerne abschlecken würde, und ihn deshalb anspringt. Oder noch schlimmer, man rammt ihm das Knie in die Brust …

Wieso darf ein Hund nicht sagen, „lass mich in Ruhe“ in seiner eigenen Sprache? Wieso tun sich manche so schwer, die Sprache der Hunde zu verstehen, erwarten aber gleichzeitig wie selbstverständlich, dass der Hund ihre Sprache fließend versteht? Und wehe er tut dann nicht, was sie sagen …

Stell dir vor, du sitzt vor dem Fernseher und schaust einen Krimi. Und gerade an der spannendsten Stelle ruft der Ehegatte oder die Ehefrau, du sollst UNBEDINGT und SOFORT (!!) mal in die Küche kommen? Wie fändest du das? Sicher würdest du gar nicht reagieren, oder du würdest rufen: „komme gleich …“.

Von einem Hund wird aber erwartet, dass er immer und überall ALLES sein lässt, SOFORT, egal wie toll, spannend, aufregend das gerade ist, weil sein Mensch ihn ruft. Wieso kann man da nicht Kompromisse finden?

Und den Hund wieder als das verstehen lernen, was er ist – nämlich ein HUND …

Es lebe die Freiheit 😀

An dieser Stelle auch noch ein GROßES Dankeschön an Andrea vom Newspinscher-Blog, deren Empfehlung wir gefolgt sind und Merle´s Tür gelesen haben.

Hinweis zu den Texten

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Über Anke (148 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe hier über die Ernährung, aber auch weitere spannende Themen rund um Hunde. Auf www.anke-jobi.de biete ich individuelle Ernährungsberatung für Hunde an.

20 Kommentare zu Lektionen von freidenkenden Hunden

  1. Hi! Jow, da hast Du mir einen Denkanstoß gegeben… Allerdings so ganz 100%ig Unterschreiben würde ich es nicht. Aber Toben (auch mal unterm Hund liegen), im Bett schlafen, schmutzig machen… das ist alles auch mein Ding.
    Dem Hund soll es gut gehen – und dazu muss er einfach auch noch Hund sein dürfen!

    • Ja, ein Denkanstoß ist doch immer gut 😉 … Und wenn du es noch nicht getan hast, solltes du UNBEDINGT „Merles Tür“ lesen … Mir hat es geholfen, zu erkennen, wieso ich mich mit dem ganzen Gehorsamszeug, Konditionierung und so noch nie wirklich wohl gefüllt habe, und dabei zu erkennen, dass mein „inneres Gefühl“ zu alledem doch nicht so verkehrt sein kann … Natürlich kann man die Hunde nicht immer „einfach machen lassen“, das wäre in unserer Welt hier viel zu gefährlich. Und Rücksichtnahme auf andere muss natürlich auch sein. Aber ich finde einfach, die Menschen machen sich zu selten die Mühe, zu verstehen, warum ein Hund ist wie er ist. Und wenn wir draußen unterwegs sind, ist es tatsächlich so, dass ich meine Hunde quasi nie rufe, weil sie sowieso mitgehen, wo ich hin gehe. Dadurch habe ich erreicht, dass sie auf mich achten. Und das ist doch viel einfacher …
      Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag …
      LG Anke (und Lucy natürlich 🙂 )

  2. Hahaha, die Bilder sind cool geworden. Schön, dass Du so einen Spaß daran hattest…

    Typisch, jetzt soll ich wieder Schuld an allem sein. Nun ja, Schuld bin ich auf jeden Fall daran, dass sich Linda auch die meiste Zeit als freidenkender Hund zu schaffen machen kann. Natürlich ecke ich mit dieser Haltung an und genau das ist meiner Meinung nach der springende Punkt. Ich persönlich kenne keine nennenswerten Probleme mit meinem Hund, die Probleme beginnen erst, wenn ich auf andere Menschen und ihre vorgefertigten Meinungen, wie ein Hund oder der Umgang mit ihm zu sein hat, treffe. Das ist doch shizophren oder und hat mit Rücksichtslosigkeit Dritten gegenüber rein gar nichts zu tun. Rücksichtslos sind wir nämlich nicht…

    Sowohl Linda als auch mein verstorbener Kim (zwei völlig unterschiedliche Rassen) orientieren und haben sich immer wie selbstverständlich an mir orientiert. An wem auch sonst und das ohne große Herumkommandiererei. Meine Hunde dürfen und durften mir immer ihre Meinung mitteilen. Meisten kann ich darauf eingehen, aber nicht immer…

    Wenn ich mit Linda spazieren gehe, genieße ich vor allem die einvernehmliche Ruhe, die uns umgibt, wenn wir auf niemanden treffen. Das ist in dieser dichtbelagerten Welt ein echter Luxus geworden, wie ich finde und ich bin nicht bereit, diesen seltenen Luxus für irgendetwas aufzugeben…

    Allerdings finde ich, das Merles Tür den meisten Leuten oder besser ihren Hunden nicht weiterhelfen wird. Es bietet keine „Gebrauchsanleitung“ und ist in dieser Form natürlich nicht Eins zu Eins auf unsere hiesige Welt übertragbar. Wir leben nunmal nicht da, wo Ted Kerasote lebt…

    LG Andrea und Linda

    • Liebe Andrea,
      da kann man gar nicht mehr viel sagen, außer, dass mir dein Kommentar sehr, sehr gut gefällt!! Vielleicht eins noch: ich finde, ein solches Buch soll natürlich auch keine Gebrauchsanleitung sein. Eher das Gegenteil. Ein Denkanstoss zum „selber denken“ und in sich reinhören. Back to the roots, zurück zur eigenen Intuition und weg von irgendwelchen „Formeln“, wie man den perfekten Hund „zusammendressieren“ kann. Sowas wie: „Leute, macht euch die Mühe, lernt die Sprache eurer Hunde!!“ Dann kann es nämlich genau so sein, wie du sagst. Dass Hund sich am Mensch orientiert und nicht einfach Kommandos befolgt.
      LG Anke und Lucy

    • Liebe Anke, ich meinte nur, dass viele Leute aber genau das suchen, eine Gebrauchsanleitung (ich hoffe, Du verstehst, was ich meine?). Drücke auf Knopf A, dann bekommst Du Reaktion B etc. etc.

      LG Andrea und Linda mit Kraulerchen für die Freidenker

    • Ja, ich verstehe genau, was du meinst …
      Demnächst werden solche Gebrauchsanleitungen dann auch sicher mitgeliefert, beim Hundekauf 😉

      nochmal liebe Grüße Anke und Lucy

  3. hallo Anke,

    ich kenne das Buch noch nicht, habe es mir aber notiert und werde es mir zulegen. Die Zusammenfassung hört sich sehr vielversprechend an. Zum Thema selbst..
    Ich finde auch, dass das Angebot an Hundeschulen, Trainern und Konzepten den Laien verwirrt. Wer ist ausreichend qualifiziert und wer hat nur ein gesundes Halbwissen?
    In diesem Punkt gilt für mich, dass das Bauchgefühl stimmen muss. Ich möchte meinen Hund streicheln, werde keine Dosen mit Nägeln nach ihm werfen und möchte eine gewaltfreie Erziehung. Ich möchte die bestehende Bindung zu meinem Hund nicht aufs Spiel setzen, in dem ich irgendeinem vermeintlichen Hundeflüsterer folge. Ich habe einen kranken Hund, auf dessen Bedürfnisse und dessen Wohlergehen ich eingehen möchte.

    Ich möchte keinen dressierten Hund, sondern einen Hund, der sich an mir orientiert, der erkennt, dass es gut ist mir zu folgen, der aber Hund ist und sein Wesen, seine Art und Seinen Charakter ausleben soll. Er darf buddeln, sich schmutzig machen, ins Wasser gehen, mit anderen Hunden toben. Ich biete ihm das an, muss aber nachher den Schmutz und die Gerüche entfernen, damit er auch im Haus überall hindarf. Ich wünsche mir einen Hund, der mir sein Leben zeigt, seine Art die Dinge zu regeln und von dem ich lernen kann.

    Ich wünsche mir, dass mein Hund auch mich so nimmt, wie ich bin. Und ich würde mir Sorgen machen, wenn Socke gehen würde, wie sie mag. Würde sie jemand mitnehmen? Würde sie von Dritten zu Fressen bekommen, was sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht futtern darf, würde sie immer Wasser finden…

    Ansonsten soll Socke das tun, was sie mag, es sei denn es gibt etwas anderes zu tun…Wo sie liegt, wann sie spielt, wie lange sie sich zurückzieht, das ist mir egal, solange ich es mit meinen Verpflichtungen einrichten kann. Dass Socke keine großen und wild tobenden Hundegruppen mag ist in Ordnung. Ich habe Ihr das geboten und sie mag e nicht. Also, gehen wir dort nicht mehr hin. Aber jeder Sozialkontakt, der gewünscht wird, den bieten wir Socke sehr gerne.

    Ich muss sie bürsten und das muss zeitlich in meinen Tagesablauf passen, Arzttermine müssen sein, ohne Leine laufen geht nicht immer, da viele Menschen den Umgang mit Hunden nicht kennen und dann ihr Verhalten zu falschem Verhalten führt.

    Zudem geht Socke beizeiten gerne online (im Dunkeln, wenn es ihr gesundheitlich schlecht geht, zum Ende des Spazierganges, wenn sie merkt, dass es uns schlecht geht…)

    Und hier setzt auch meine Einschränkung an, es gibt unsichere Hunde, die sind froh einen Rudelführer zu haben, der für sie mitdenkt. Es gibt Hunde, die mit freien Entscheidungen nicht umgehen können, sei, weil sie es nicht gelernt haben oder weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Hier ist die Freiheit vielleicht nicht zum Wohle der Hunde.

    Richtig ist sicherlich, dass wir unsere Hunde mit Worten überfrachten und es wäre gut, wenn wir sie nur ansprechen, wenn wir wirklich etwas von ihnen wollen. Klar, kurz und knapp…. Also sollte man sich beim nicht Befolgen des Kommandos auch immer fragen, woran es gelegen hat. Wollte ich das Kommando wirklich.

    Ich könnte noch viel schreiben, was den Rahmen sprengen würde. Ich hoffe, dass ich meinen Standpunkt deutlich machen konnte.

    Abschließend möchte ich aber betonen, dass für die Menschen das gleiche gilt, wie für die Hunde. Jeder sollte das Recht haben, seine Hunde so zu erziehen – außer mit Gewalt – wie er es möchte. Er ist verpflichtet, dass andere Menschen dadurch selbst nicht beeinträchtigt werden. Aber ansonsten maße ich mir nicht an, das Denken und Handeln der Menschen zu bewerten.

    Das war ein interessanter Post, der leider zu lagen Kommentaren führt…

    Viele liebe Grüße

    Sabine mit Socke

    • Hallo liebe Sabin,
      wow … Ich finde das super, so ein langer, toller und aussagekräftiger Kommentar. DAS GEFÄLLT MIR würde man bei Facebook jetzt sagen. Und ich kann dir in allem was du sagst nur zustimmen. Definitiv teile ich deine Meinung, dass ein Hund die Orientierungsmöglichkeit erhalten sollte, die er braucht. Aber genau darin sehe ich die Freiheit. Dass ich die „Persönlichkeit“ meines Hundes sehe, wie auch er meine erkennen soll. Ich möchte nicht in eine Schablone passen müssen und mein Hund soll das auch nicht. Entsprechend möchte ich auch nicht irgendein Erziehungskonzept ausführen müssen. Als Lucy noch jünger war, habe ich ja mal einige Zeit damit verbracht, geeignete Hundeschulen zu suchen. Ich habe mir nicht selber zugetraut, das alleine hinzukriegen. Am Ende musste ich jedoch sowohl mir selber, als auch der Hundetrainerin eingestehen, dass das ganze nicht funktionierte, weil ich nicht ich selber war und fremdbestimmt handelte. Die Hundetrainerin hat daraufhin nur gelacht und zu mir gesagt: „Ziel erreicht!!“. Was die Worte betrifft, ich rede sogar sehr viel mit meinen Hunden, nur eben nicht um sie ständig zu irgendwas zu bewegen. Ich folge keinem Erziehungskonzept, sondern einfach meinem Bauchgefühl. Seit ich diese Erkenntnisse hatte, trage ich auch keinerlei Futter mehr mit mir rum. Das brauch ich nicht mehr. Ich habe für mich erkannt, wie ich mit meinen Hunden umgehen möchte. Und dass ich mir keine Hunde wünsche, die in irgendein Schema passen, sondern Hunde, die Persönlichkeit haben. Und das macht mir und allen hier einen riesen Spass. Meine beiden Söhne haben einen völlig natürlichen Umgang mit Hunden. Sie finden es auch völlig normal, einem Hund ein „Nein, lass das“ zu sagen, wenn der Hund sie in irgend einer Form stört. Anders herum ist es für unsere Hunde auch eine völlig natürliche Reaktion, wenn sie mal zurückgewiesen werden. Unser „kleiner Knurzer“ Leo ist ein völlig selbstbewußter Hund, ohne die typischen Terriermerkmale wie z.B. überdrehtes Verhalten. Lucy wird von Tag zu Tag sicherer im Umgang mit allem, obwohl sie als Tierschutzhund so einige Unsicherheiten mitgebracht hat. Ich sehe meine Hunde, wie sie sind und behandel sie entsprechend. Und im Rahmen unserer Möglichkeiten und ihrer Bedürfnisse versuche ich (oder besser wir alle hier) soviel Freiheit zu geben wie möglich. That´s it!

      LG Anke und Lucy

  4. Oh je, nun habe ich mich völlig auf deinem Blog verloren – soviel interessanter Text – und der Text den du bei Sali hinterlassen hast der trieb mich schon hierher – nun müssen wir aber sofort Gassi gehen, denn wir wollen ja ein miteinander und kein übereinander … bis heute Abend, ist spannend bei dir !

    Liebe Grüße – Monika mit Bente

    • Hallo liebe Monika und liebe Bente,
      das freut mich natürlich sehr, dass es euch hier gefällt!! Und spannend hört sich erst recht super an … Ein schönes Kompliment!
      Ich hoffe ihr schaut noch öfter herein!!

      Liebe Grüße
      Anke und Lucy

  5. Liebe Anke,
    Du sprichst mir mal wieder aus der Seele 🙂 Ich kenne das Buch noch nicht, aber das wird sich dann wohl bald ändern.

    Und obwohl ich nun in meinem Adventskalender viele Tricks und Kommandos gezeigt habe, die Pebbles und ich so machen, halte ich es für sehr sehr wichtig, dass der Hund Hund bleibt.

    Ich freue mich zu lesen was für ein schönes Leben Lucy und Leo bei Dir haben und ich möchte, dass Pebbles es ebenso gut hat.

    Für uns sind Kommandos hauptsächlich entweder zu ihrem Schutz, oder zur geistigen Auslastung gedacht. Aber wir verbringen genauso Tage nur mit durch den Wald laufen und Kuscheln.

    Und ich finde das gut so. Einfach sein was man ist und an den Dingen arbeiten, die noch suboptimal sind.

    Ich wünsche Euchen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Mieke

    • Hallo liebe Mieke,

      ich finde das auch völlig in Ordnung, wenn man seinem Hund Sachen beibringt, wenn man z.B. so den Alltag erleichtern kann oder einfach just for fun für Hund und Mensch. Solange Mensch den Hund versteht. Unsere Hunde kennen auch sowohl ernste Sachen, wie z.B. Sitz oder Platz, als auch Fun-Sachen wie z.B. gib 5 oder Männchen. Manchmal ist es auch sicherlich unumgänglich, alleine aus Sicherheitsgründen. Oder, bei mehreren Hunden, um eine gewisse „Ordnung“ zu wahren. Hauptsache, wie du auch schreibst, Hund darf Hund bleiben …

      Ich wünsche euch ebenfalls einen guten Rutsch ins neue Jahr und für 2015 ein tolles Jahr …

      Liebe Grüße
      Anke

  6. Juchhu, ihr dürft. Ihr habt es gut. Ich darf auch vieles, nur die Mäuse fressen, das darf ich nicht. Ansonsten sieht es hier ähnlich aus und das Frauchen sagt auch, wer mich nicht mag, der mag sie nicht und hat in UNSEREM Leben nix verloren. Ich finde es toll, dass du das alles mal so schön aufgeschlüsselt hast und die Sache mit dem Knurren kenne ich. Aber mal ehrlich, wenn die Zweibeiner jemand im Tiefschlaf stört, dann freuen die sich auch nicht wie Bolle. Toll, dass wir die Darf-Hunde sind 😉

    Wuff-Wuff dein Chris

    • Hallo lieber Chris,

      ja, du hast voll recht! Im Schlaf gestört werden mag wohl keiner gerne. Man muss aber dazu sagen, den Leo beim schlafen stören, bedeutet sich (z. B. neben ihm sitzend, wohlgemerkt Leo sucht immer den Körperkontakt) zu bewegen. Also z.B. Abends auf der Couch, Mensch und Hund haben es sich gemütlich gemacht, Leo hat sich in meine Kniekehle gekuschelt. Dann schläft mein Bein ein und ich muss es kurz bewegen. Was folgt ist ein knurren … Da sag ich dann: Hallo, junger Mann, piept es bei dir?? Verstehst du, was ich meine? 🙂 …

      Aber, wie du gelesen hast, wir lassen Hund Hund sein, wie dein Frauchen auch. Deshalb wissen wir auch, Leo = Terrier = Knurzer = Schnurzer 😀 …

      Und da du ja auch ein Terrier bist, weißt du sicher, was ich meine …

      Liebe Wuff-Grüße zurück
      Anke und Lucy

      • Ich weiß ganz genau, was du meinst, Anke. Die Kniekehlen-Story habt ihr bestimmt mal bei uns beobachtet, die läuft hier nämlich ganz genauso ab! Aber Frauchen sagt auch, das ist nicht weiter tragisch, sie lässt zwar auch so einen dummen Spruch los, aber das war es dann auch. Dann streichelt sie mich und ich schlafe ruhig weiter oder ich such mir ein anderes Plätzchen.

        Wuff-Wuff dein Chris

  7. Ihr lieben, eigentlich wollte ich hier nur kurz und schnell lesen, um mich dann genauso schnell für den wirklich suuuuuuper Buchtipp zu bedanken. Jetzt hocke ich hier total platt, gerührt und völlig fasziniert von Euren Worten Lucy und Anke! Soviel Wahrheit, soviel Mut zur Lücke und soviel aus meinem eigenen Kopf. Hunde. die hier bei uns leben, dürfen auch immer alles, was irgendwie geht und was Menschen ja auch dürfen.Und wenn Dinge mal nicht gehen – zum Beispiel ein Besuch grad nicht von Hunden abgeschleckt werden möchte – dann sage ich denen kurz Bescheid und sie lassen es dann. Man kann ja über alles ‚reden‘ wenn man sich versteht und sich gegenseitig respektiert und zuhört!

    ‚Sie sollen viel und dürfen wenig‘ … Sechs Worte und alles gesagt, warum ich in dieser Welt kein Hund sein möchte. Ich habe ganz früher (als Kind in den 70ern) mal einen fremden Hund angefasst der mich daraufhin gebissen hat … und in der ‚Predigt‘ meines Vaters kam recht häufig das Wort ‚Depp‘ vor. Das der Hund was falsch gemacht haben könnte, kam damals niemanden in den Sinn. Wie sähe das heute aus? … ?

    Liebe Grüße Euch beiden, noch ein schönes restliches Weihnachten und ein großes Dankeschön für diesen wunderbaren Buchtipp.

    Severine, Luna und Milow

  8. Liebe Severine,

    ja, wie säh das heute aus … Diesen Satz möchte man gar nicht zuende denken. Dankeschön für deinen tollen Kommentar. Ich wußte, dass dir das Buch gefällt. Und vor allem, dass du verstehst … Eigentlich ist es ja sogar deinem Artikel „Mensch, du Hundemensch“ zu verdanken, den du kürzlich veröffentlicht hast, dass ich diesen (meinen) wieder vorgekramt habe. Anfang 2013 geschrieben, war er ja schon längst „versunken“.

    Weihnachten ist nun vorbei, ich wünsche euch ein schönes restliches 2014 und einen guten Rutsch in das neue Jahr, mal schauen was uns noch so erwartet 🙂

    Liebe Grüße
    Anke und Lucy

  9. Hi Anke,

    das nenne ich mal eine Buchempfehlung. Vielen Dank dafür.
    Habe gerade ein wenig in Amazon vorgelesen. Abgesehen #1 von den 30 5-Sterne-Bewertung hat dir ja ein gew. J. E. ganz schon auf den Schlips getreten 😉 Mach dir nix draus.
    Abgesehen #2, dass meine Hunde auch Mäuse puddeln und essen dürfen, habe ich da gerade zufällig eine Passage im Buch entdeckt, wo der werte Protagonist ein Eichhörnchen abmurkste, ebenso wie später eine Taube.
    Von daher – oder „Abgesehen #3 -, vielleicht nicht unbedingt ein Büchlein für die bezaubernde Nachtlektüre, allerdings weiß man nie, was so noch in den weit über 400 Seiten drin steht. Auf meinen Wunschzettel ist es zumindest gelandet, danke nochmals dafür.

    VG, Alex

    • Hallo lieber Alex,

      dankeschön für deinen sehr aufschlussreichen Kommentar. Ohne diesen hätte ich gar nicht mitgekriegt, dass mir der J. E. auf den Schlipps getreten hat. Ich hab dann gleich die Gelegenheit genutzt und noch ein bisschen mehr Eigenwerbung gemacht 😀 … Kann ja sicher nicht schaden, wo ich schon mal dabei war …

      Mir gefällt das Buch besonders deshalb, weil es ein Mann geschrieben hat. Wenn Frauen solche Bücher schreiben, unterstellt man ja schon mal schnell eine gewisse Gefühlsdusselei … Zu den Eichhörnchen und Co … Mir gefällt in dem Buch auch der natürliche Umgang mit unserer Ressourcen. Herr Kerasote offenbart sich in dem Buch so ganz nebenbei nämlich auch als absoluter Ablehner der Massentierhaltung. Aber lies selber, mehr verrate ich jetzt nicht 😉 …

      Ich wünsche dir schon jetzt viel Spass mit der Lektüre und würde mich sehr freuen zu hören, wie dir das Buch gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Anke

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