Einfach nur Futter!

Stell dir mal vor, du isst total gerne Rosinenbrötchen. Weil das auf deinem Weg zur Arbeit liegt, kaufst du dir die Rosinenbrötchen immer in einem Supermarkt mit dem Namen „Superfood“. Eines Tages steht in der Zeitung ein Artikel darüber, dass in den Rosinenbrötchen, die man bei „Superfood“ kaufen kann, immer wieder Keime gefunden wurden, die krank machen können.

„Oh man“, denkst du dir, „das ist ja nicht gerade toll! Das geht ja wohl gar nicht!“ … und kaufst in Zukunft deine Rosinenbrötchen vielleicht lieber beim Bäcker, der dafür bekannt ist, besonders auf die Qualität seiner Rosinenbrötchen zu achten. Die Rosinenbrötchen sind bei diesem Bäcker allerdings etwas teurer, Qualität hat ja bekanntlich ihren Preis. „Macht nichts!“, denkst du dir, „dann kaufe ich eben ab heute weniger Rosinenbrötchen! Hauptsache ich weiß, dass sich da jemand wirklich Mühe gibt, gute Rosinenbrötchen herzustellen und das möglichst ohne Krankheitserreger!“.

Wenn aus Rosinenbrötchen Barffleisch wird …

Kürzlich wurde in einer veröffentlichten Studie darüber berichtet, dass Fleisch aus Barfshops sehr häufig mit Keimen belastet ist. Es war auch nicht die erste Untersuchung, bei der so etwas festgestellt wurde. Letztes Jahr z. B. gab es einen Artikel in der Fachzeitschrift Kleintier.konkret, in dem berichtet wurde, dass in Kanada und auch hier in Deutschland in Untersuchungen von Barffleisch erhöhte Keimgehalte festgestellt wurden. So neu ist das mit Fleisch aus Barfshops und der Keimbelastung also nicht.

Trotzdem ging bei der kürzlich veröffentlichten Studie ein Aufschrei durch die Barferwelt. Aber nicht, weil die Leute sich über die Keimgehalte echauffiert hätten. Nein. Die Keime waren nicht das Problem, sondern DIE STUDIE!

„Was für ein Blödsinn! Unverschämt, so etwas zu veröffentlichen! Hat bestimmt ein Fertigfuttermittelkonzern gesponsert! Keime im Barffleisch!! Na und?? Was ist da so schlimm dran? Hunde können das doch eh ab! Mein Hund wird seit Generationen gebarft! (Wie geht das denn??) Der ist kerngesund! Man kann doch Hygieneregeln einhalten, dann besteht nicht mal Gefahr für die Menschen! Schaut doch erst mal, was für Keime im Fertigfutter sind! Aber das will ja keiner wissen! Stecken ja eh alle unter einer Decke! Die Tierärzte, die Pharmaindustrie und die Futtermittelhersteller!! Lest mal Hans-Ullrich Grimm! Dann wisst ihr WIRKLICH Bescheid, was im Fertigfutter überhaupt alles für Dreck ist! Jawohl, Dreck!!!“

Das waren die Reaktionen von Hundehaltern, die vom Barfen mehr als überzeugt sind. Reaktionen auf die Information, dass in Fleisch aus Barfshops vermehrt potentielle Krankheitserreger gefunden wurden.

Ich „barfe“ ja nicht, sondern ich füttere meine Hunde einfach mit weitgehend frischen Nahrungsmitteln (wie ich so füttere, kann man hier nachlesen). Ganz ohne Konzept. Dabei achte ich sehr auf die Herkunft der Nahrungsmittel. Fleisch bekommen meine Hunde natürlich auch. 99% der Barfshops würden bei mir jedoch durchs Raster fallen, denn ich kaufe kein Fleisch von Tieren aus konventioneller Haltung. Fleisch aus einem Barfshop, der mit erhöhten Keimgehalten aufgefallen wäre, käme bei mir definitiv nicht mehr in den Napf.

Man könnte vermuten, dass eine solche Information die Barfer dazu animieren würde, sich Gedanken darüber zu machen, woher sie ihr Fleisch beziehen. Anscheinend war das aber nicht der Fall. Warum?

Kritik am BARF-Fleisch = Kritik am BARF-Konzept

Die Kritik am Fleisch wurde auf das Konzept übertragen. Wenn Barffleisch mit Keimen kontaminiert ist, werden mit diesem Umstand Vorurteile gegen das Barfen bedient. Das darf natürlich nicht sein!

Viele Tierärzte warnen Barfer immer wieder vor dem Risiko der Keimbelastung im Barffleisch. Vor allem Online-Barfshops sollen dabei ein Risikofaktor sein. Von den meisten Barfern werden solche Einwände abgetan. Weil Hunde aufgrund ihrer Magensäure natürlich überhaupt kein Problem mit solchen Keimen haben …

Aha. Komisch nur, dass auch bei Hunden – auch gebarften – eine Vermehrung krankmachender Keime im Darm durchaus vorkommt. Und ebenfalls komisch, dass auch Hunde mit Probiotika behandelt werden. Nur … wie schaffen es die im Probiotikum enthaltenen Mikroorganismen (Bakterien!) eigentlich, lebend in den Darm zu kommen, wenn die Magensäure doch alles platt macht?

Und jetzt mal ehrlich … was sind das denn bitteschön für Leute, die ihren Hund freiwillig und bewusst mit Fleisch füttern, das mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet ist?

Verbraucher haben auch eine „Pflicht“!

Abgesehen davon finde ich persönlich, es geht hierbei auch um einen anderen wichtigen Punkt. Ist es wirklich akzeptabel, dass Nahrungsmittel mit Keimbelastung vertrieben werden, nur weil diese für den Hund sind, der ja schließlich „artgerecht“ gefüttert werden muss und weil der das angeblich „ab kann“? Kann man Hersteller dazu animieren, etwas besser zu machen, indem man solche unliebsame Faktoren verdrängt und ignoriert, statt darauf zu reagieren? Sollte man als Verbraucher nicht Veto einlegen, indem man den Kauf solcher Produkte verweigert? Einfach aus einem Prinzip heraus und einer Art „Verbraucherpflicht“? Vielleicht weil wir Verbraucher eine Stimme haben, die wir auch nutzen sollten?

Meiner Meinung nach gibt es einige Gründe, weshalb es nicht akzeptabel ist, dass Fleisch, welches vermehrt mit Keimen belastet ist, in Barfshops vertrieben wird. Dabei finde ich es nicht unbedingt maßgeblich, ob für den Hund durch die Keime ein unmittelbares Gesundheitsrisiko besteht. Das ist definitiv nicht das einzige Kriterium.

Und was jetzt?

Fertigfutter für alle!?

Es gäbe für das Problem eigentlich eine ziemlich einfache Lösung. Und nein, die Lösung heißt nicht Fertigfutter, wie eingefleischte (Doppeldeutigkeit ist Zufall, jedoch gewollt!) Barfer häufig gerne unterstellen. Komischerweise scheint in ihrer Ernährungswelt nämlich nur Barf oder Fertigfutter zu existieren. Kritisiert jemand Barf, kommt gleich der Einwand „Fertigfutter ist aber viel größerer Mist“ (vergleichen wir hier MIST?).

Die Lösung? Loslassen! Aufhören, akribisch die 396g Fleisch, 96g Innereien und 85g rohe fleischige Knochen zusammenzutragen und den Fokus wieder auf das legen, was eigentlich wirklich wichtig ist, nämlich die Qualität der Nahrungsmittel. Der Hund ist keine Rechenmaschine und sein Organismus zählt keine Nährstoffe nach. Egal, ob die jetzt aus einer Barfration oder aus Fertigfutter kommen. Der Hund braucht eigentlich auch kein Ernährungskonzept, genauso wenig wie Menschen das brauchen. Er braucht Futter. Einfach nur Futter!

Nicht zuwenig sondern zuviel ist das Problem!

Was wir hier haben, ist ein Problem der Überflussgesellschaft. Wir haben keinen Mangel, wir haben zu viel. Zu viel billigen „Ramsch“, der die Leute vergessen lässt, was gute Nahrungsmittel eigentlich wirklich wert sind. Die Geiz-ist-geil-Mentalität beherrscht dabei häufig auch das Konsumverhalten bei Nahrungsmitteln.

Wer zum guten Metzger (oder vielleicht auch in einen richtig guten Barfshop, der auch auf die Nutztierhaltung und die Herkunft achtet) geht und dort das Fleisch für seinen Hund kauft, der muss sich auch keine allzu großen Sorgen um Keime machen. Das ist natürlich teurer. Aber auch kein Problem. Dann bekommt der Hund eben nicht die 396g Fleisch, sondern nur 200g. Dafür ohne Keime. Keime, die nicht nur die hündische Gesundheit bedrohen können, sondern auch die der Menschen. Keime, die für eine nicht artgerechte Nutztierhaltung stehen und den Wertverlust teurer Nahrungsmittel. Keime, die in Nahrungsmitteln eigentlich nichts zu suchen haben, egal ob in denen für Mensch oder Hund.

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8 Kommentare

  1. Liebe Anke,

    das hast Du wieder einmal toll geschrieben – und ich würde mir wünschen, die Menschen würden es besser verstehen. Wie oft hören auch wir uns an, dass wir mit unserer Fütterungsart die Hunde krank machen … schließlich könnte kein Hundemagen von heute auf Morgen von roh auf Fertigfutter auf gekocht und wieder zurück wechseln.
    Ich bin wie Du der Meinung, dass ich für die Hunde durchaus auch dort das Fleisch holen sollte wo ich es auch für mich hole – bei uns eben vom Bauern oder beim etwas weiter entfernten Galloway-Schlachter. Die Tiere kennen wir fast alle vom sehen – und das finde ich auch nicht schlimm. So kann ich sehen, wie gut es den Tieren bis zur Schlachtung geht und auch an der Fleischqualität kann man es sehen.
    Du weißt, dass wir auch Trockenfutter geben – in den Mengen, in denen auch wir uns mal eine Pizza gönnen oder etwas anderes Fertiges … für mich kein Problem, wenn es nicht die Haupternährung ist.

    Aber leider ist den meisten Hundebesitzern bei einigen Themen der Wille zur Differenzierung und zum Nachdenken abhanden gekommen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    • Hallo liebe Isabella,

      ich finde das gut, wenn man die Tiere quasi kennt. Das ist überhaupt nicht schlimm, sondern das Gegenteil. Zeigt es ja auch, dass man sich darüber bewusst ist, dass Fleisch von einem Tier kommt, was so mancher, der bei Lidl und Co einkauft, scheinbar vergessen hat.

      Ich bin mittlerweile ebenfalls von meiner „Trockenfutter-Abstinenz“ abgekommen und meine beiden bekommen TF wieder als Leckerchen. So hat man auch noch mal zu den natürlich enthaltenen Nährstoffen eine zusätzliche Portion. Dafür kann ich jetzt weniger Ergänzungen geben, was das ganze deutlich vereinfacht :-D . Weil ich aber auch beim TF gerne auf die Quelle achten möchte, hab ich jetzt mal ein veganes bestellt, dann brauche ich mir keine Gedanken um die Fleischquelle zu machen. Fleisch bekommen meine zwei ja eh.

      Du machst das super, mein Vorbild :-D . Bist du eigentlich in der Allesfütterer-Facebookgruppe? Genau das richtige für dich!

      Liebe Grüße
      Anke

      • Ich tue mir mit Facebook-Gruppen immer etwas schwer ;) Wie oft bin ich auch schon gefragt worden nach Rezepten für unsere Eintöpfe oder dem Mischungsverhältnis bei unseren frischen Sachen … und ich kann es nie beantworten, weil es sich immer ändert.
        Aber wenn Du meinst, die Gruppe wäre gut, dannwerde ich sie mir mal anschauen!

        Ich gebe zu, beim TF bin ich noch nicht so weit, dass ich besonders auf die Fleischqualität achte – aber ich nehme das als Anregung mal mit!

        Liebe Grüße,
        Isabella mit Cara und Shadow

        • Hallo liebe Isabella,

          verstehe dich, ich bin mit Facebook-Gruppen auch sehr zurückhaltend :-D . Ist auf jeden Fall eine sehr nette Gruppe mit einem sehr großen „Toleranzfaktor“.

          Liebe Grüße
          Anke

  2. Hallo Anke!
    Mal wieder ein toller Artikel! Ich finde es toll das endlich mal jemand über dieses wichtige Thema schreibt. Da ich durch meinen Beruf bedingt etwas Ahnung von Mikrobiologie habe, sehe ich die Keimbelastung des Barf-Fleisches vor allem aus der Massentierhaltung schon sehr kritisch.
    Leider habe ich gerade für Geflügelfleisch noch keine tolle Quelle gefunden. Mit anderen Tierarten sieht es da etwas besser aus. Da mein Hund im Moment wieder mit dem Magen zu kämpfen hat, gibt es gekochtes Putenfleisch. Und bei 46 kg Gewicht bekommt er am Tag 500 g Fleisch. Weniger wäre wohl zu wenig oder?
    Ich gebe die Suche nach guten Fleischquellen nicht auf. Leider bleibt mir meist nur eine Bestellung im Internet. Aber ich denke da gibt es auch gute Lieferanten.
    Viele Grüße und danke für die tollen Anregungen!

    • Hallo Angelika,

      ja, mit dem Geflügelfleisch hapert es bei mir auch, füttere das auch nur sehr selten. Zu deiner Frage, ich kenne deinen Hund ja nicht und weiß auch nicht die einzelnen Parameter. Ich empfehle gerne ca. 40-50% der Ration als tierischen Anteil Fleisch, Milchprodukte, Eier), dann ist der Proteinbedarf gedeckt.

      Ja, wir geben nicht auf :-D

      Liebe Grüße
      Anke

  3. Das ist ein toller Artikel. Spricht mir aus der Seele. Meine Hunde(Paul, 11 1/2Jahre und Lina,wird im Mai 6Jahre) und ich essen ausschließlich Fleisch meiner eigenen Tiere. (Hühner, Enten, Gänse Kaninchen und Schafe.Da weiß ich, wie sie gelebt und was sie gefressen haben.Antibiotika ist tabu.Schlachten tu ich sie auch selber. Dadurch haben sie keinen Stress mit Transport und Schlachthof.Es gibt auch nur Gemüse der Saison, keine Erdbeeren im Januar, die es letztens im Lidl zu kaufen gab.Gefüttert werden auch Essensreste aller Art. Da bin ich ganz entspannt und Lina, mein Allergiker, verträgt das auch super. Übrigens war Dein onlinekurs über Rationsgestaltung sehr gut. Habe noch viel dazu gelernt und gute Tipps bekommen, auch für meine eigene Ernährung( Fermentgemüse z.B.)

    • Hallo Sabine,

      das liest sich toll! Näher an der Natur geht ja quasi gar nicht. :-D
      Ich freue mich, dass dir mein Kurs gefallen hat. Bestimmt könnte ich von dir aber auch noch so einiges lernen. Vielleicht hast du ja Lust auf einen E-Mail Kontakt. Du könntest mir vielleicht auch mit der ein oder anderen Information für mein Buch dienen :-D

      Wenn du Lust hast, schreib mir doch mal an kontakt@clean-feeding.de, würde mich freuen!

      Liebe Grüße
      Anke

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