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Die Sache mit den Berechnungen der Futterrationen und warum man die eigentlich in die Tonne kloppen kann

Futterrationen berechnen

Wenn man wie ich als Hundeernährungsberaterin tätig ist, sind Mathe-Kenntnisse eine wichtige Grundlage. Man muss die Menge der Futterkomponenten in den Rationen berechnen, die Bedarfswerte berücksichtigen, die in den Komponenten enthaltenen Nährstoffe berechnen und alles dann zusammenfügen. Excel-Tabellen und Taschenrechner sind deshalb wichtiges Handwerkszeug.

Trotzdem ist die Sache mit den Berechnungen eine Art „Milchmädchenrechnung“. Warum? Das erkläre ich im Folgenden:

Der Stoffwechsel – eine individuelle Angelegenheit

Der Stoffwechsel – auch Metabolismus genannt – ist vereinfacht gesagt die Gesamtheit der chemischen Prozesse im Organismus. Der Organismus wandelt chemische Stoffe in Zwischenprodukte (Metaboliten) und Endprodukte um. Diese biochemischen Vorgänge dienen dem Aufbau und der Erhaltung der Körpersubstanz (Baustoffwechsel) sowie der Energiegewinnung. Dabei unterliegt dieser Stoffwechsel ganz individuellen Schwankungen. Heißt, kein Stoffwechsel funktioniert exakt wie der andere. Die Ausbeute, die ein Organismus aus den Nährstoffen tatsächlich ziehen kann, ist also total unterschiedlich.

Die Lebensumstände – noch individueller

Kein Hund – oder auch Mensch – lebt wie der andere. Der Energieverbrauch z. B. kann niemals der gleiche sein, selbst wenn zwei Hunde gemeinsam im Haushalt leben und die gleichen Tätigkeiten verrichten. Zwei Hunde, die gemeinsam leben, beide jeden Tag zwei Stunden Gassi gehen, haben trotzdem einen total unterschiedlichen Bedarf. Während der eine ständig rumspringt, wie ein junges Reh, geht der andere gemächlich seine Runden ab. Während der eine sein Futter extrem gut verwertet, läuft das beim anderen eher nicht so optimal ab. Das kann man von außen natürlich nicht merken, höchstens, wenn der eine trotz „optimal“ berechneter Futtermenge und -Zusammensetzung immer fetter wird, während der andere bei gleichen Voraussetzungen ein Hungerhaken wird.

Die Organe – ebenfalls individuell

Auch auf die äußeren Einflüsse reagiert jeder Organismus anders, nicht zuletzt hängt das natürlich auch mit den Genen zusammen. Der eine hat eine sehr gute Basis. Seine Organe können sehr viel kompensieren, die Leber arbeitet z.B. top, sein Organismus reguliert alles selber und er ist quietschfidel. Der andere ist – vielleicht unbemerkt, weil viele Schäden zeigen sich ja richtig erst, wenn sie fortgeschritten sind – nicht so gut aufgestellt. Seine Bauchspeicheldrüse arbeitet nicht so optimal, er verwertet die Nährstoffe nicht optimal, seine Leber kommt schon mit kleinen Belastungen nicht so gut klar. Oder sein Bewegungsapparat ist aufgrund einer genetischen Disposition viel anfälliger für Störungen, weshalb er eigentlich eine andere Unterstützung bräuchte, als der erstgenannte. Oder die Organe konnten sich nicht optimal entwickeln, weil in der Kindheit/Jugend eine Mangelernährung bestand. Unbemerkt hat der erste Hund nun eigentlich ganz andere Ansprüche als der zweite.

Die Nährstoffe der Nahrungsmittel – kaum nachvollziehbar

Wer weiß denn, ob in 100g vom Apfel nun 12mg Vitamin C enthalten sind, oder eher 20mg? Wer weiß, wie viel Calcium ein Stück fleischiger Knochen TATSÄCHLICH enthält? Wer weiß, wie viel Menge in diesem Knochen nun Knochen und wie viel Fleisch sind? Je nach Herkunft der Komponenten, Anbau, Böden oder auch Tierhaltung bei Fleisch können diese Werte sogar ganz extrem schwanken. Bekommt ein Hund eine Mahlzeit aus Biogemüse, Biofleisch, Biogetreide, etc. sehen die Nährwerte wahrscheinlich völlig anders aus, als wenn er alle Zutaten aus herkömmlichen Quellen erhält.

Individuelle Vorkommnisse

Zu guter Letzt kommt dann außerdem noch zum Tragen, was der Hund tatsächlich aufnimmt. Hat der Hund z.B. einen Magen-Darm-Virus und bricht sein ganzes Futter wieder aus, ist die ganze Berechnung dahin, weil die Nährstoffe dieser Mahlzeit komplett fehlen. Frisst der Hund den Knochen nicht ganz auf, sondern lässt die Hälfte liegen, sind die Berechnungen ebenfalls dahin.

Fazit

Wenn man sich anschaut, wie groß die Schwankungen dieser einzelnen Bereiche sein können, kann man sich vorstellen, wie groß erst einmal das Gesamtergebnis schwanken kann. Als Orientierungs-Grundlage macht es natürlich Sinn solche Berechnungen anzustellen. Diese Berechnungen können aber lediglich ein roter Faden sein, an dem man sich orientieren kann. Man kann und darf diese Werte aber nicht auf die „Goldwaage“ legen, das funktioniert einfach nicht. Es ist wichtig, alle weiteren Faktoren zu berücksichtigen und am Ende den Hund anzuschauen. Die besten Rückschlüsse auf die richtige Versorgung lässt immer noch das Gesamterscheinungsbild des Hundes zu. Sein Aussehen (Fell, Haut, Zähne, Augen), sein Verhalten, seine Gewohnheiten.

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Über Anke (148 Artikel)
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