Deklaration von Futtermitteln

Bildquelle „Dog Food“ von Jason Meredith – Flickr.

Die Futtermitteldeklaration ist ein recht umfangreiches Thema und kommt vielen Hundehaltern vor wie ein „Buch mit 7 Siegeln“. Im Folgenden erkläre ich die wichtigsten Punkte, die man wissen sollte, um die Deklaration auf der Futterverpackung zu verstehen.

Zunächst muss man zwei grundlegende Unterscheidungen treffen. Und zwar die der Einzelfuttermittel und der Mischfuttermittel. Einzelfuttermittel sind Futtermittel, die nur aus einer Komponente bestehen (z.B. nur Fleisch) und entsprechende Zutaten benötigen, um zu einer vollwertigen Mahlzweit zu werden. Mischfuttermittel bestehen aus mehreren Einzelfuttermitteln.

Wir wollen uns vorrangig mit den Alleinfuttermitteln beschäftigen, welche wiederum zu den Mischfuttermitteln zählen. Alleinfuttermittel bedeutet, dass dieses Futter alles beinhalten muss, was zu einer ausgewogenen, vollwertigen Mahlzeit gehört. Der Hund ist also durch dieses Futtermittel laut Hersteller rundum versorgt.

Die Deklaration enthält zwei Bereiche:

1. Die Angabe der Nährstoffgehalte

Hier findet man die Angaben zu den Inhaltstoffen. Sicher hast du dich schon einmal gefragt, was wohl Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit im Bezug zum Futter bedeuten sollen. Diese stehen u.a. an dieser Stelle.

2. Die Angabe der Zusammensetzung

Damit sind die verschiedenen Komponenten gemeint, die enthaltenen Einzelfuttermittel. Hier steht das, was tatsächlich im Futter enthalten ist, also z.B. die verschiedenen Fleischsorten, oder Gemüse, Getreide, Öle und auch Mineralstoffe.

Ein dritter Teil kann die Auflistung von Zusatzstoffen sein. Zusatzstoffe sind Stoffe, die dem Futter zugesetzt wurden, da sie in den Einzelfuttermitteln nicht (mehr) enthalten sind. Aus meiner Sicht würde ich sagen, die Auflistung von Zusatzstoffen ist schon ein schlechter Ausgangspunkt, da diese in den natürlichen Komponenten wohl nicht (mehr, da durch Herstellungsprozess zerstört) vorhanden sind und daher künstlich zugesetzt werden müssen.

Wichtige gesetzliche Vorgaben:

  • Gewichtsprozente, die unter der Überschrift Zusammensetzung angegeben sind, müssen sich immer auf den Gesamtinhalt beziehen.
  • Enthaltene Einzelfuttermittel (also die Komponenten) sind in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile anzugeben. Wenn also an erster Stelle Fleisch genannt wird, muss dieses Mengenmäßig auch am meisten vorhanden sein. Ganz schlecht steht es also um das Hundefutter, wenn an allererster Stelle z.B. Getreide genannt wird.
  • Wasser, das dem Futter zugesetzt wurde, ist ein Hilfsstoff und darf deshalb nicht als Einzelfuttermittel angegeben werden (deshalb findet man oft Formulierungen wie z.B. Brühe auf der Verpackung)
  • Der Gesamtwassergehalt ist unter der Bezeichnung Feuchtgehalt in den Analytischen Bestandteilen (Inhaltsstoffen) zu finden.

 Die 3 Möglichkeiten der Deklaration

  • Die geschlossene Deklaration
  • Die halboffene Deklaration
  • Die offene Deklaration

Diese Bezeichnungen lassenschon einen recht guten Schluss auf ihre Aussagekraft zu. Leider lässt sich für die normalen Verbraucher aber gar nicht auf den ersten Blick erkennen, welche davon denn nun zur Anwendung gekommen ist. Deshalb werfen wir jetzt mal einen näheren Blick auf jede einzelne:

1. Die geschlossene Deklaration

Bei der geschlossenen Deklaration werden nur die Gruppenbezeichnungen verwendet. Also z.B.:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Gemüse, Getreide, Mineralstoffe.

Diese Gruppen dürfen keine prozentualen Mengenangaben haben, da dies nur für Einzelzutaten erlaubt ist. Aus dieser Deklaration kann ich quasi überhaupt keine Rückschlüsse ziehen, was denn nun in dem Futter verarbeitet wurde. Lediglich die Reihenfolge der Zutaten gibt Aufschluss darüber, welche Zutaten mengenmäßig am meisten vertreten sind, da die Aufzählung ja (erinnerst du dich?) der Menge nach in absteigender Reihenfolge erfolgen muss.

Ich rate dringend davon ab, ein Futtermittel zu kaufen, das mit dieser Deklaration ausgestattet ist. Denn die Frage, die sich natürlich stellt, ist: Wieso benutzt der Hersteller denn diese Art der Deklaration und nicht eine offene?

2. Die halboffene Deklaration

Hier wird zwar zunächst in den Gruppen deklariert (wie bei der geschlossenen), es werden dann jedoch einige wichtige Einzelzutaten prozentual genannt. Nun lässt sich zumindest teilweise erkennen, was im Futter enthalten ist (denn das, was genannt ist, MUSS natürlich den Tatsachen entsprechen). Auf der Verpackung steht dann z.B.:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (20 % Wildfleisch, 10 % Geflügelfleisch), Gemüse (10 % Möhren), Getreide (5 % Reis).

Wie du siehst, wissen wir jetzt zumindest schon mal, dass „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ Mengenmäßig am meisten vorhanden sind, dass Wildfleisch und Geflügelfleisch verarbeitet wurde und auch dass Möhren und Reis verarbeitet wurden. Trotzdem bleibt noch so einiges offen.

Wie hoch ist der Gesamtanteil vom Fleisch?

Wie hoch sind überhaupt der Fleischanteil und der der sogenannten tierischen Nebenerzeugnisse? Und was wurde sonst an Fleisch, Gemüse und Getreide verarbeitet? Reagiert ein Hund z.B. empfindlich oder gar allergisch auf Mais, lässt diese Deklaration keinen Schluss darauf zu, ob in diesem Futter Mais vorhanden ist.

Also, was schließen wir daraus? Ganz klar, auch diese Art der Deklaration ist nicht geeignet zu erkennen, was im Futter drin ist und ein Futter mit dieser Deklaration sollte man im Geschäft stehen lassen. Denn auch hier muss man sich ja wieder die Frage stellen: Was hat der Hersteller zu verbergen?

3. Die offene Deklaration

Diese Art der Deklaration stellt die einzige akzeptable Art der Deklaration von Futtermitteln dar. Es werden ALLE Einzelzutaten aufgelistet, auch hier in absteigender Reihenfolge. Ich kann also genau erkennen, was im Futter ist und welche Zusammensetzung besteht. Ob die Einzelzutaten noch mit Prozentzahlen ausgestattet sind, bleibt den Herstellern überlassen. Ein Hersteller, der ABSOLUT nichts zu verbergen hat, wird das Futter auch mit diesen Zahlen ausstatten. Eine OPTIMALE Deklaration sieht also so aus:

20 % Rinderfleisch, 11 % Rinderlunge, 10 % Rinderherz, 10 % Rinderleber, 10 % Rinderpansen, 10 % Fisch, 5 % Euter, 5 % Karotten, 4 % Haferflocken, 0,04 % Rapsöl

Wenn du jetzt zusammen rechnest, kommst du aber nicht auf 100 %, oder? Erinnerst du dich, weiter oben habe ich dir erklärt, dass Wasser nicht als Zutat aufgelistet werden darf, da es ein Hilfsmittel darstellt. Das Wasser (das im Herstellungsprozess als sogenannte Zellflüssigkeit durch den Garvorgang entsteht) stellt die restliche Menge dar. Und voilà, habe ich eine Deklaration, die völligen Aufschluss darüber gibt, was im Futter genau enthalten ist.

Leider wird diese Art der Deklaration aber nur selten von den Herstellern angewendet.

Du als Käufer hast aber entscheidenden Einfluss darauf, dass sich das ändert. Jetzt, da du weißt, wie die Deklaration funktioniert, kannst du darauf verzichten, Futter zu kaufen, das nicht ordentlich deklariert ist. Und so zeigen, dass du weißt, wie der Hase läuft.

Wenn du das nächste Mal eine Dose in der Hand hast, die nicht ordentlich deklariert ist, frage dich doch einfach, was der Hersteller denn wohl zu verbergen hat …

Die analytischen Bestandteile

Die analytischen Bestandteile basieren auf der sogenannten Weender Futtermittelanalyse, diese ist eine Standard-Laboranalyse zur Bestimmung der Nährstoffgruppen im Hundefutter.

1. Rohprotein

Rohprotein bezeichnet den Gehalt an Eiweißen. Fachlich ausgedrückt sind damit die stickstoffhaltigen Substanzen (u. a. die Aminosäuren) im Futter gemeint. Es wird unterstellt, dass ein Hund im sogenannten Erhaltungsstoffwechsel (das bedeutet keine besondere Belastung, Anstrengung, Krankheiten) einen Mindestbedarf von 2,0 – 2,5 g pro Tag und pro kg Körpermasse 0,75 hat. Das wären z.B. für einen erwachsenen 10 kg Hund 14,1 g am Tag.

Aber … diese Zahl lässt keinen Schluss darüber zu, aus welcher Quelle und in welcher Qualität das Rohprotein vorhanden ist.

Denn das sind für die Verwertbarkeit natürlich wichtige Faktoren. Man spricht hier auch von der sogenannten biologischen Verwertbarkeit des Futters. Das heißt, dass z.B. Protein, das aus pflanzlicher Herkunft stammt, dem Hund weniger bringt, da er es nicht so gut verwerten kann, wie das aus tierischer Herkunft. Tatsächlich machen diese Angaben für den Halter also wenig Sinn, müssen aber drauf stehen.

2. Rohfett

Wie auch hier im Wort erkennbar, handelt es sich um die Angabe der beinhalteten Fette. Fette sind in der Hundeernährung sehr wichtig, auch wenn das Wort Fett irgendwie mittlerweile als „böses“ Wort rüberkommt. Fette enthalten wichtige Bestandteile wie die essentiellen Fettsäuren und werden zur Absorption der fettlöslichen Vitamine benötigt.

Hunde können Fette sehr gut verdauen. Es wird ein Wert von 5 % zur Mindestversorgung unterstellt. Auch hier stellt sich aber wieder das Problem, dass diese Bezeichnung keinerlei Aufschluss über die Quelle und somit die Qualität und Verwertbarkeit der Fette gibt. Rein theoretisch kann es sich hier um gebrauchtes Frittierfett oder Altöl handeln.

3. Rohasche

Dieser Wert umfasst alle mineralischen Bestandteile des Futters. Das sind aber nicht nur die wichtigen Mineralstoffe, sondern ebenso z.B. auch Sand. Dieser Wert sollte 10 % nicht übersteigen, da Asche keine Energie enthält. Der Wert wird übrigens durch verbrennen ermittelt, deshalb der Begriff Asche. Aber wieder haben wir das Problem, dass aus diesem Wert nicht ersehen werden kann, was an Mineralstoffen da genau vorhanden ist und wie es mit der Qualität aussieht.

Sind die Mineralstoffe gar künstlich zugesetzt, ist dies schon mal ein schlechter Ausgangspunkt (aber, du erinnerst dich … diese wären dann unter Zusatzstoffen aufgelistet, was also Aufschluss darüber gibt, dass keine natürlichen vorhanden sind).

4. Rohfaser

Die Rohfaser, du hast es dir sicher schon gedacht, bezeichnet Ballaststoffe, bzw. schwer bis unverdauliche Komponenten aus pflanzlicher Herkunft. Auch diese sind, allerdings in geringen Mengen, unentbehrlich für die Verdauung.

Der Wert darf 4 % nicht überschreiten, da dies die Verdaulichkeit des Futters insgesamt senken würde. Aber – ja, schon wieder – auch hier kann KEIN Schluss gezogen werden, was es mit Qualität, Herkunft etc. auf sich hat, denn diese Bezeichnung kann alles meinen, was unter Pflanzen, Getreide und Co fällt.

5. Feuchtigkeit

Als letzter Begriff der analytischen Bestandteile ist häufig noch die Feuchtigkeit aufgeführt. Dieser Begriff bezeichnet schlicht den Rohwassergehalt des Futters. Bei Trockenfutter muss dieser nicht angegeben sein, da er im Allgemeinen unter der futtermittelrechtlichen Grenze von 14 % liegt.

Obwohl all diese Elemente als Kennzeichnung vorgeschrieben sind, bringen sie dem Hundehalter eigentlich herzlich wenig. Denn keiner davon gibt einen tatsächlichen Aufschluss über die Qualität und den Nährstoffgehalt des Futters.

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Über Anke 123 Artikel
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe und berate hier vor allem rund um das Thema Ernährung von Hunden. Auf www.anke-jobi.de biete ich außerdem Online-Kurse für Hundehalter zur Hundeernährung an.

9 Kommentare

  1. Themen, wie für uns gemacht. Gerade die letzten beiden Themen lassen mein Herz höher schlagen.

    Unsere Ausschlussdiät begann am Samstag und ist erst mal für 10 Wochen angesetzt…Dabei habe ich mehr als 10 ???? im Gesicht.

    Dein Beitrag heute war sehr informativ. Hab wieder Neues gelernt…

    Danke schön und einen guten Start in die Woche wünschen

    Sabine mit Socke

    • Hallo liebe Sabine,

      freu mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Wenn du Lust hast, schreib mir doch mal, wie eure Ausschlussdiät funktioniert, du kannst mir ja eine Mail schicken (a.jobi@web.de). Ich würde mich sehr interessieren, wie ihr das macht und vielleicht kann ich ja ein paar von den Fragezeichen „plattmachen“ 🙂 …

      Wünsche dir auch einen guten Start in die neue Woche
      und Liebe Grüße
      Anke

      • Gerne, ich melde mich bei Dir.
        Danke für das liebe Angebot die ????? zu beseitigen.

        Herzlichen Dank & viele liebe Grüße
        Sabine mit Socke

  2. Huhu 🙂
    Ich hatte Probleme hier zu Kommentieren.. aber ich hoffe, dass es jetzt geht!
    Auch mir gefällt dein neuer Blog sehr gut! Denn hier wird sich sehr intensiv mit den Inhaltsstoffen von Futter beschäftigt. Ich freue mich riesig auf weitere tolle Beiträge. Meine Vi lernt ja nie aus 😉

    Schlabbergrüße Bonjo

    • Huhu Bonjo,

      was für Probleme hattest du denn? Es hat jetzt ja auf jeden Fall geklappt, aber ich werde gleich noch mal in die Einstellungen schauen, woran das liegen könnte. Gab in der Vergangenheit schon mal Probleme.

      Super dass dir und deiner Vi mein Beitrag und mein Blog gefallen, gebe mir große Mühe, es sehr informativ zu machen. Mein Frauchen ist natülich eine prima Assistentin, auch wenn es mit ihren technichen Kenntnissen machmal etwas hapert 🙂 …

      Dann schau auf jeden Fall morgen wieder vorbei, wenn es weiter geht, mit den Deklarationen …

      Liebe Schlabbergrüße zurück

      Deine Lucy

    • Hallo liebe Severine,

      das bin ich natürlich sehr gerne: deine liebste Erklär-Bärin 😀 … Ein herzliches Dankeschön für dein Lob und deine lieben Grüße.

      Liebe Grüße (auch an Luna und den Halunken)
      Anke

  3. Ich möchte gerne wissen,welches Öl in dem Hunde Nassfutter verwendet
    wird. Kalt gepresste Öle oder Öle mit schädlichen Trandfettsäuren.
    Gruß Eva-Maria

    • Hallo liebe Eva-Maria,

      diese Frage kann ich dir leider nicht beantworten. Zunächst musst du natürlich auf der Verpackung schauen, wie es deklariert ist, manche Hersteller geben da ja von sich aus umgfangreichere Infos, weil sie ihr Produkt so ja auch als hochwertiger anpreisen können. Ansonsten würde ich beim Hersteller einfach nachfragen. Je nach Herstellungsprozess des Futters ist es aber auch egal, wie die Qualität des Öles vor der Verarbeitung war, weil die Verarbeitung auch das Öl schädigt …

      Liebe Grüße
      Anke

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