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Das Training mit dem Leinenrüpel

In der Artikelserie Anti-Leinenrüpel-Guide stellen wir Möglichkeiten vor, die das Verhalten des Hundes bei einer Leinenaggression positiv beeinflussen können.

LeinenrüpelWir sind nun am Ende der Artikelserie angelangt und in diesem letzten Artikel möchte ich dir Wege aufzeigen, wie du mit deinem Hund das richtige Verhalten an der Leine trainieren kannst.

Bevor ich jedoch zum Training komme, möchte ich noch einmal auf ein paar wichtige Punkte eingehen. Quasi die Essenz der Serie. Am Ende des Artikels findest du dann die Möglichkeit, dir die komplette Artikelserie als E-Book in pdf-Format runterzuladen. So kannst du jederzeit auf alle Tipps, Tricks und Informationen zurück greifen.

Die Betrachtung

Um ein Problem im Verhalten des Hundes therapeutisch anzugehen, ist es immer notwendig einen ganzheitlichen Blick auf den Hund zu werfen. Man muss das Problem von verschiedenen Seiten betrachten und auf verschiedenen Wegen angehen. An erster Stelle sollte natürlich immer der Gesundheitsscheck stehen. Ist die Ursache eine Erkrankung / Schmerzen, muss diese erst einmal behoben werden. Ansonsten laufen alle anderen Bemühungen natürlich ins Leere.

Andererseits heißt die Behebung der gesundheitlichen Problematik nicht, dass das Verhalten von heute auf morgen verschwindet. Oft oder sogar fast immer ist dieses Verhalten mittlerweile generalisiert worden. Das bedeutet, es muss wieder umgelenkt werden, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst verschwunden ist.

Das A und O

Das allerwichtigste, also quasi die Basis, bildet das Verhältnis zwischen Hund und Halter. Du MUSST deinem Hund ein guter Führer sein. Ansonsten wirst du keine Erfolge verbuchen können. Das ist sicher auch der Grund, warum so viele Menschen trotz Hundeschule etc. scheitern und das Problem einfach nicht in den Griff bekommen.

Sei dir darüber bewusst, die Arbeit am Problem des Hundes findet hauptsächlich außerhalb der problematischen Situationen statt. Dein Hund muss über die sichere Gewissheit verfügen, dass er sich auf dich verlassen kann. Er muss zu dir aufschauen können, in dir jemand sehen, der ihn sicher und zuverlässig durchs Leben geleitet. Das hat nichts, aber auch wirklich gar nichts damit zu tun, dass du ihn „herrisch“ oder gar grob behandeln würdest.

Leinenrüpel

Das andere Ende der Leine und das Leben des Hundes sind elementare Bestandteile der Therapie einer Leinenaggression. Ich persönlich halte die NILIF – Methode für einen sehr guten Ansatz, die Halter/Hund-Beziehung zu festigen und wieder „zurecht zu rücken“. Du kannst mit vielen Kleinigkeiten im Alltag für Sicherheit sorgen, dem Hund durch Grenzen setzen einen Rahmen stecken, in dem er sich sicher bewegen kann.

Du kannst feste Regeln aufstellen, die dem Hund klar vorgeben, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten soll. Beispiele wären hier, dass der Hund sich ruhig hinsetzen muss und auf dein OK warten muss, bevor ihr das Haus verlasst oder bevor er aus dem Auto springen darf. Das sind Kleinigkeiten, die aber eine große Wirkung haben können.

Beim Durchsehen meiner Fachliteratur bin ich noch einmal auf einen sehr wichtigen Hinweis gestoßen, der sich auf die Hund/Halter-Verbindung bezieht: Wir Menschen haben oft das Bedürfnis, unsere Hunde mit Liebkosungen zu überschütten. Dieses Verhalten widerspricht aber dem natürlichen Verhalten einer Führungspersönlichkeit. In der Natur wäre ein typisches Merkmal eines Anführers Zurückhaltung.

Das Training

Am Anfang des Trainings steht natürlich eine Situations-Analyse. Man muss sich ein Bild machen, wie der Ist-Stand aussieht. Auch die Motivation für das Verhalten sollte überprüft werden. Es gibt verschiedene Aggressionsformen, HIER habe ich dazu noch einen schönen Artikel gefunden, der diese sehr gut erklärt.

Es gibt verschieden Mittel, Wege, Methoden, wie nun (auch je nach Form der Aggression) gearbeitet werden kann. Auf alle einzelnen eingehen würde  den Blog-Rahmen sprengen. Und natürlich kommt es auch immer sehr darauf an, wie ausgeprägt das Verhalten ist. In Fällen, die den Halter schlicht völlig überfordern, sollte man sich immer fachliche Hilfe holen.

Man muss sich zunächst einmal darüber im Klaren sein: jede einzelne Situation, in der das unerwünschte Verhalten auftritt, verstärkt beim Hund dieses Verhalten. Es wird immer stärker verfestigt, generalisiert und somit immer schwieriger zu therapieren. Es bleibt i. d. R. auch nicht auf einem gleichen Level, sondern verschlimmert sich mit der Zeit meist.

Im Umkehrschluss bedeutet das, es kann von allergrößtem Wert sein, schon die kleinsten Ansätze, die darauf hindeuten, dass ein solches Verhalten entsteht, im Keim zu ersticken.

Die wichtigste Trainings-Regel

Die wichtigste Trainingsregel stellt gleichzeitig auch die schwierigste dar, eine Hürde, an der viele scheitern und irgendwann einfach aufgeben. Ab dem Zeitpunkt, an dem du anfängst aktiv an dem Problem zu arbeiten, sollte es zu KEINEM „Ausbruch“ mehr kommen. Das ist elementar wichtig! Nachdem ich dir vorhin erklärt habe, dass jedes einzelne Mal, wo das Verhalten auftritt, dieses weiter verstärkt, sollte dir das einleuchten. Es gilt also ab jetzt, die Situationen zu meiden, in denen das Verhalten auftreten könnte. So lange, bis du an diesen Situationen direkt arbeitest.

Sollte es dennoch einmal dazu kommen, hilft nur eins: Den Hund ruhig und sicher sofort aus der Situation rausführen (zur Not einfach umdrehen)! Halte dir vor Augen, ist der Hund einmal hochgefahren, ist er nicht ansprechbar, jegliche Versuche, das Verhalten IN der Situation zu beeinflussen laufen ins Leere! Also raus aus der Situation! Selber ruhig bleiben, den Hund wieder runterfahren lassen. Dann, wenn er sich wieder beruhigt hat (aber wirklich erst dann!!) eine kleine Übung einlegen, wie z.B. ein Sitz verlangen, dafür belohnen und dann weiter gehen, als wäre nichts geschehen. Die Übung am Ende ist deshalb wichtig, weil man der Situation so trotzdem zu einem positiven Abschluss verhelfen kann. Ein sicheres Zeichen dafür, dass der Hund sich wieder beruhigt, ist übrings, wenn er sich schüttelt. Er „schüttelt den Stress ab“.

Desensibilisierung

Diesen Begriff hast du sicher schon einmal gehört, vielleicht im Zusammenhange mit der Behandlung von Allergien. Er beinhaltet schlicht die Gewöhnung an einen Reiz, der eine Reaktion auslöst. Die Gewöhnung findet in Stufen statt, angefangen bei der „Dosierung“ die noch keine Reaktion hervorruft.

Der erste Schritt im Training ist, die Distanz heraus zu finden, in der der Hund den Auslöser seiner Reaktion zwar wahrnimmt, aber noch nicht reagiert. Diese Distanz zum Auslöser ist je nach Hund sehr individuell. An diesem Punkt fängst du an zu arbeiten. Es gilt nämlich schlicht, im Laufe des Trainings diese Distanz mit und mit zu verkleinern. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht.

Natürlich findet das „wahre Leben“ nicht unter Trainingsbedingungen statt. Das heißt, du weißt vorher nie, wann dir an welcher Stelle und vor allem unter welchen Bedingungen ein Reiz begegnen wird.

Vorausschauendes Handeln

Ab sofort wird vorausschauendes Handeln dein ständiger Begleiter. Du musst VORHER wissen, wie du in Situationen reagieren kannst. Du musst sowohl deinen Hund als auch deine Umgebung im Auge behalten. Das heißt praktisch umgesetzt, gehst du einen Weg lang, hast du immer den Plan im Sinn: „Wie kann ich die Individualdistanz einhalten, wenn hinter der nächsten Kurve ein Reizauslöser erscheint?“.

Wenn du aktiv trainieren möchtest, musst du dir also Plätze zum Training suchen, wo du die Situationen kontrolliert üben kannst. Hier kann natürlich ein guter Hundetrainer, eine Hundeschule sehr hilfreich sein. Vielleicht hast du z.B. auch typische „Hundestrecken“ in deiner Umgebung, an deren Rand du mit deinem Hund üben kannst. Das setzt natürlich voraus, dass dort keine Hunde ohne Leine unterwegs sind, die einfach mal eben in euer Training „reinlaufen“.

Alleine die Sensibilisierung reicht meist nicht aus, um das Verhalten umzulenken, man braucht weitere Maßnahmen, um die Effektivität zu steigern.

Gegenkonditionierung

Während alleine durch die Desensibilisierung eine neutrale Reaktion erreicht werden kann, kann das Ergebnis dadurch gesteigert werden, dass man den Reiz, der negativ für den Hund belegt ist, positiv verknüpft. Hier greift man auf einen Stimulus zurück, der vom Hund als äußerst positiv empfunden wird, wie z.B. besonders beliebtes Futter.

Die Vorgehensweise ist denkbar schlicht. Man geht dazu über, während man sich in der Individualdistanz zum Reizauslöser befindet, den Hund z.B. mit der besonderen Leckerei zu füttern. Wichtig ist natürlich auch hier, dass man dabei WIRKLICH die Individualdistanz einhält. Der Hund wird ja in dem Moment auch für sein Verhalten belohnt. Ausschlaggebend ist aber die Verknüpfung: Anblick fremder Hund = besondere Leckerei.

Alternativverhalten

Eine weitere Möglichkeit ist, dem Hund ein Alternativverhalten beizubringen. Ein Hund der Sitz macht, kann sich nicht gleichzeitig dem erblickten Artgenossen gegenüber aggressiv verhalten. Dieses Alternativverhalten muss natürlich erst einmal gründlich gelernt werden. Das heißt, du musst ein Verhalten auf Kommando von Grund auf aufbauen. Erst wenn es in allen anderen Situationen auf Kommando zuverlässig gezeigt wird, kann es beim Anblick eines Reizauslösers (in Individualdistanz natürlich) verlangt werden.

Mehrhundehaltung

Mehrhundehaltung

Um es klar zu sagen: Es ist NICHT möglich, ein solches Training mit mehreren Hunden gleichzeitig durchzuführen. Auch wenn nur ein Hund betroffen ist, kann man mit diesem immer nur alleine „arbeiten“. Alles andere wird nicht zum Erfolg führen. So einfach ist die Sache!

Fazit

Ein solches „Antiaggressionstraining“ ist eine sehr sensible Angelegenheit und kann sich natürlich über Wochen und Monate hinziehen. Als Erinnerung noch einmal: Der Trainingserfolg hängt auch entscheidend davon ab, wie gut deine „Führungsqualitäten“ sind.

Auch die Auszeiten im Training sind wichtig! Sowohl dein Hund als auch du brauchen auch einfach entspannte Spaziergänge. Such dir dafür Strecken aus, auf denen wenig los ist und du Begegnungen schon aus weiter Entfernung erkennen und umgehen kannst.

Hund an der Leine

Der Erfolg

Der Erfolg hängt natürlich sehr von deinem Durchhaltevermögen ab. Stelle dich von Anfang an darauf ein, dass es Rückschritte geben wird. Sowohl dein Hund als auch du werdet mal besser, mal schlechter „funktionieren“. Es gibt gute Tage und schlechte Tage. An Tagen, wo du das Gefühl hast, es geht gar nichts, wählst du am besten die Variante „entspannter Spaziergang“. Damit kannst du nichts falsch machen. Lieber eine Weile Stillstand in Kauf nehmen, als herbe Rückschläge erleiden. Erwarte nicht zuviel und vor allem nicht zu schnell Erfolg. Sei geduldig und arbeite auch an dir selber. Es ist sehr wichtig, dass du für deinen Hund Ruhe ausstrahlen kannst.

Fazit der Artikelserie

Diese Artikelserie zu dem Thema Leinenaggression bei Hunden bildet natürlich keine vollständige Ausführung. Wenn man ganz detailliert informiert sein möchte, kann man sich zu jedem einzelnen Thema eine Menge Fachliteratur besorgen. Trotzdem hoffe ich, dass sie eine gute Übersicht bietet, mit vielen hilfreichen Ansätzen.

Ein großer Teil ist aus meiner eigenen Praxis übernommen, da ich einige Jahre einen Hund mit Deprivationssyndrom an meiner Seite hatte. Das war Marley, dem ich diese Artikelserie auch widmen möchte, sowie allen Marleys dieser Welt …

Ich wünsche allen, die betroffen sind, viel Stärke und Durchhaltevermögen auf diesem häufig sehr schwierig (auch je nach Ausprägung) zu begehenden Weg …

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Lade dir HIER meinen Anti-Leinenrüpel-Guide als komplettes EBook kostenlos runter.

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Dieser Artikel ist Teil der Artikel-Serie “Anti-Leinenrüpel-Guide”.

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Über Anke (149 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe und berate hier vor allem rund um das Thema Ernährung von Hunden. Auf www.anke-jobi.de biete ich außerdem Online-Kurse für Hundehalter zur Hundeernährung an.

4 Kommentare zu Das Training mit dem Leinenrüpel

  1. Ich liebe Deine Artikel, sie sind klar, deutlich und gut nachvollziehbar.
    Danke.

  2. Ein sehr guter Artikel!!!

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