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Barfen

Eine aktuell sehr populäre Fütterungsform ist das Barfen. Die Abkürzung BARF steht für Biologisch Artgerechte RohFütterung. Erstmalig wurde die Bezeichnung von einer Amerikanerin benutzt und stand für „Born-Again Raw Feeders“, was übersetzt „wiedergeborene Rohfütterer“ heißt.

Ein Beitrag mit Swanie Simon:

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Quelle: https://gassi-tv.de/Auf-Abwegen/BARF-01

Im Laufe der Zeit wurde die Bedeutung in „Bones And Raw Foods“ umgewandelt. Auch der Begriff „Biologically Appropriate Raw Foods“ wurde oder wird als Synonym benutzt, was der deutschen Übersetzung wohl am nächsten kommt.

Beim Wolf abgeschaut

BARF orientiert sich an den Fressgewohnheiten von Wölfen, welche die Vorfahren der Hunde sind. Lange Zeit glaubte man, Wölfe und Haushunde hätten lediglich die gleichen Vorfahren gehabt, mittlerweile gilt es als erwiesen, dass der Wolf der Vorfahre des Haushundes ist. Die wissenschaftlichen Namen der beiden verdeutlichen dies noch einmal, so heißt der Wolf Canis lupus und der Hund als Unterart Canis lupus familiaris.

Beim barfen wird ausschließlich rohes Fleisch, Knochen, Gemüse, Obst und Kräuter verfüttert (eventuell noch Getreide und/oder Milchprodukte in kleinen Mengen). Als Vorbild der Nahrungszusammenstellung dient das Beutetier. Die Barfrationen werden so zusammengestellt, dass sie in ihrer Zusammensetzung in etwa einem Beutetier entsprechen. Nur wenn man dieses Vorbild im Auge behält, kann eine ausgewogene Nährstoffversorgung erreicht werden. Wölfe ernähren sich vom kompletten Beutetier, was wiederum über den Verdauungstrakt vorverdaute pflanzliche Nahrungsbestandteile liefert, sowie auch von Beeren, Kräutern usw.

Die ursprüngliche Idee

… stammt von einem Tierarzt, nämlich dem Australier Dr. Ian Billinghurst, welcher schon vor gut 30 Jahren den Zusammenhang zwischen den immer häufiger vorkommenden Erkrankungen bei Hunden und deren Ernährung mit Fertigfutter erforschte. Im Jahr 1993 veröffentlichte er das Buch „Give Your Dog a Bone “, was die Grundlage für Barf bildete. Leider ist das Buch bisher nicht auf Deutsch erschienen.

Dr. Ian Billinghurst

… vertrat schon vor 30 Jahren die Meinung, dass der industriell hergestellten Hundenahrung der Großteil der Schuld zufällt für viele Erkrankungen von Hunden wie z.B. Krebs, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen, Arthritis, Hautprobleme, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Diabetes und noch mehr. Auch vertrat er die Ansicht, dass Hunde allgemein früher sterben durch eine Fütterung mit Fertigfutter.

barf Welpe 2

Fertigfutter

Als vor nun bald 80 Jahren die Ernährung mit Fertigfutter aufkam, war dies eine totale Umstellung für den Hundeorganismus. Denn plötzlich musste er sich mit Nahrung auseinander setzen, die völlig denaturiert war. Der Ursprung für die Fertignahrung war übrigens auch ein ganz anderer. Sowohl Trockenfutter als auch Dosenfutter wurden ursprünglich zu Diätzwecken für erkrankte Hunde entwickelt. Diese sollten auf diesem Weg abgestimmt auf ihre spezifischen Bedürfnisse ernährt werden.

Heute wird immer mehr Hundehaltern klar, dass die Ernährung mit Fertigfutter nicht der Gesundheit ihrer Hunde zuträglich ist.

Vorteile von BARF:

  • Frische Nahrungsmittel mit hoher biologischer Wertigkeit
  • Man weiß, was im Napf landet (keine Verunsicherung durch unlesbare Deklarationen)
  • Keine Zusatzstoffe / synthetischen Nährstoffe
  • Möglichkeit, auch bei Erkrankungen durch Ernährung individuell einwirken zu können
  • Bessere Zahnhygiene durch Knochen / frische Zutaten
  • Artgerechte Ernährung

Welpe isst HühnerkarkasseEntgegen einer sehr verbreiteten Vorstellung ist es nicht nötig, jede Mahlzeit, die der Hund bekommt, ausgewogen zu gestalten. Das ist auch völlig gegen die Natur. Wichtig ist, einen Zeitraum im Auge zu haben, in welchem die Nährstoffe durch die Ernährung weitgehend abgedeckt werden.

Hunde benötigen folgende Nährstoffe:

Es kommt darauf an, die Mahlzeiten abwechslungsreich zu gestalten, das kann auch über Wochen gesehen sein. Ein Wolf findet in der Natur ja auch nicht alles täglich ausgewogen zusammengestellt und fein abgewogen vor. Auch die Menge kann ruhig variieren. Das ist sogar gut im Hinblick auf die berühmt-berüchtigte Magendrehung. Durch unterschiedliche Mengen werden die Magenbänder trainiert, welche mit der Zeit „ausleiern“ können und dadurch eine Magendrehung begünstigen.

Tierische Bestandteile Barf - Kopie

Zusammensetzung tierische Bestandteile

Über BARF wird versucht, in der Nahrung des Hundes ein Beutetier nachzustellen, da dies die optimal zusammengestellte Nährstoffversorgung für den Hund darstellt, ganz nach Wolfsvorbild.

Aufgrund dieser Vorgehensweise sollte sich der tierische Anteil der Nahrung ebenfalls nach diesem Vorbild zusammen setzen.

Einen weitaus kleineren Teil bilden die pflanzlichen Bestandteile.

Wichtig sind dabei aber nicht die genauen Mengen, sondern das Verhältnis der Nährstoffe zueinander.

Gewicht

Übergewicht ist ein wichtiges Thema, da es zu Erkrankungen führen kann und das Wohlbefinden des Hundes einschränkt. Der Energiegehalt im Futter entscheidet darüber, ob ein Hund zu- oder abnimmt. Daher muss die Futtermenge auch in dieser Hinsicht gestaltet sein. Vor allem am Anfang der Fütterung mit BARF sollte man die Gewichtsentwicklung im Auge behalten.

Hund frisst FleischDie Vorstellung, dass jede Mahlzeit ausgewogen sein muss, kommt natürlich auch von der Fertigfutterindustrie. Ohne diese Vorgaben würde Fertigfutter ja nicht funktionieren, logischerweise.

Früher, als die Hunde noch ohne Fertigfutter ernährt wurden, bekamen sie das, was da war. Keiner hätte sich da Gedanken gemacht, ob der Hund heute auch genug Magnesium bekommen hat oder Vitamin B oder Fettsäuren. Trotzdem waren die Hunde viel gesünder als in der heutigen Zeit, ihre Ernährung war ausgewogen und abwechslungsreich im Ganzen.

Hinzu kommt noch, dass sich die Nährstoffe untereinander oft behindern. So können sich z. B. Calcium und Magnesium gegenseitig in ihrer Aufnahme behindern. Wenn man also ständig alle Nährstoffe zusammen füttert, kann man sich ausrechnen, dass irgendetwas sicher zu kurz kommen wird.

1 Woche

Man Versucht, die Ausgewogenheit der Mahlzeiten über den Zeitraum von etwa einer Woche zu sehen. So hat man einen überschaubaren Zeitraum, um die Ausgewogenheit sicher zu stellen. Bei ausgewachsenen Hunden kann man auch ruhig von mehreren Wochen ausgehen.

Das kannst du füttern:

Barf in Zahlen

Eine der wichtigsten Fragen, wenn man seinen Hund mit BARF ernähren möchte, sind die Mengen, die gefüttert werden. Dafür gibt es grobe Richtwerte, die man jedoch individuell anpassen muss.

Die 2 % Regel

Unter normalen Umständen, bei einem normal ausgelasteten, erwachsenen Hund füttert man generell etwa 2 % seines Gewichtes. Als Beispiel, ein Hund, der ausgewachsen ist und 30 Kilo wiegt, würde also als Tagesration 600 g bekommen.

Aber – wie auch beim Menschen, funktioniert auch bei Hunden diese Regel nicht einfach so. Man muss noch einiges mehr beachten. So z.B. ob der Hund mehr Energie verbraucht, weil er sehr aktiv ist oder vielleicht weil er einen anstrengenden „Job“ hat. Auch eine Rolle spielt die Größe des Hundes. Das hat damit zu tun, dass kleine Hunde im Verhältnis gesehen mehr Energie brauchen als große Hunde. Energie wird anhand von Wärme auch über die Körperoberfläche abgegeben. Bei der Einschätzung muss man die Körpergröße in Relation zur Oberfläche stellen. Daraus ergibt sich in etwa folgende Vorgehensweise:

Bedarf von ausgewachsenen Hunden, normal aktiv:

  • Kleine Hunde = 4%
  • Mittelgroße Hunde = 3%
  • Große Hunde = 2%

Da diese Zahlen nur einen Richtwert darstellen, muss man ein bisschen Fingerspitzengefühl einsetzen und die Gewichtsentwicklung beim Hund beobachten. Nimmt der Hund ab, sollte man die Gesamtmenge höher ansetzen. Nimmt der Hund an Gewicht zu, füttert man zuviel.

Übrigens: bei der Zugrundelegung der Menge geht man bei Über/Untergewicht nicht vom tatsächlichen Gewicht aus, sondern vom Idealgewicht.

Eine weitere Rolle spielen die individuellen Faktoren. So braucht ein Hund, der kastriert ist, meist weniger Futter, sein Stoffwechsel ist durch hormonelle Vorgänge verlangsamt. Hunde die sehr aktiv sind, viel Bewegung haben, benötigen eine höhere Futtermenge.

Die 4 % Regel

Diese betrifft Hunde im Wachstum, also etwa das erste Jahr. Auch dies ist nur ein erster Richtwert und hat eine große Spannbreite, je nach individuellem Hund.

Bedarf von Welpen:

  • 4 – 6%
  • Unter individuellen Umständen auch höher (bis zu 10%)

Auch hier ist Beobachtung angesagt. Man sollte die Gewichtsentwicklung immer im Auge behalten. Hilfreich kann es sein, eine Wachstumskurve für den Welpen zu berücksichtigen.

Hündin mit Welpen

Trächtige oder säugende Hündinnen

Trächtige oder säugende Hündinnen haben einen erhöhten Bedarf. Dieser kann sogar bis zu 4 Mal so hoch sein, wie in normalen Zeiten und ist sowohl von der Hündin selber, ihrem Alter, ihrem Gewicht und Zustand, als auch von der Anzahl der Welpen und dem Stadium der Trächtigkeit / Welpenversorgung abhängig.

Da dies eine besondere Situation darstellt, sollte man sich entsprechend rechtzeitig mit Informationen dazu eindecken.

Die 80 / 20 Regel

Generell kann man die Gesamtmengen in etwa 80 % tierische Quelle und etwa 20 % pflanzliche Quelle aufteilen. Diese Aufteilung verändert sich leicht, wenn man Getreide füttern möchte. Die Aufteilung ergibt sich aus dem Beutetier-Prinzip, welches beim barfen zugrunde gelegt wird. Auch die tierischen und pflanzlichen Bestandteile werden noch einmal unterteilt. Daraus ergeben sich folgende Aufteilungen:

Mengenübersicht

Je nachdem, wie man die Aufteilung vornehmen möchte, muss diese Aufteilung nicht auf jeden Tag bezogen sein. Man kann z.B. auch einen fleischfreien Tag machen und an einem anderen Tag die Fleischmenge erhöhen.

Auch ein regelmäßiger Fastentag kann der Gesundheit des Hundes zugute kommen.

RezepteBeispielrezepte

Ein paar Beispielrezepte für einen erwachsener Hund, 30 kg, normal aktiv

Tagesration ca. 600 g, aufgeteilt in:

  • Tag 1: 380 g Rindfleisch, 120 g Obst-Gemüsemix aus Apfel, Karotten, Zucchini, Spinat, 20 g Joghurt, EL Leinöl
  • Tag 2: 300 g Kopffleisch, 150 g Putenhals, 120 g Gemüsemix, EL Leinöl
  • Tag 3: 200 g Hähnchenkarkassen, 150 g Lachs, 120 g Mix aus Banane, Möhren und Blattsalat, EL Hanföl
  • Tag 4: 350 g Pansen, 200 g Leber, 120 g Gemüsemix, EL Leinöl, 3 g Seealgen
  • Tag 5: 200 g Hüttenkäse, 120 g Gemüsemix, 80 g Apfel/ Banane-Mix, EL Hanföl

Diese Rationen werden auf beliebig viele Mahlzeiten aufgeteilt.

Ausführliche Infos zum Barfen findest du in dem kleinen Ratgeber BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter für Hunde von Swanie Simon. Infos zur Futterumstellung auf Barf findest du HIER.

Hinweis zu den Texten

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Über Anke (165 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe hier über die Ernährung, aber auch weitere spannende Themen rund um Hunde. Auf www.anke-jobi.de biete ich individuelle Ernährungsberatung für Hunde an.

2 Kommentare zu Barfen

  1. Liebe Anke,

    Deinen Rat den gesamten Krankenverlauf zu notieren hat mich schlucken lassen. Ich glaube, dass ich das nicht hinbekomme. kann ch mich noch an aller erinnern, denn eigentlich begann Socke Erkrankung schon im Dezember 2010.

    Ich muss das erst einmal sacken und wirken lassen…Ich komme auf Dich zu…

    Barfen können wir leider nicht, aber das frische Kochen hat für uns überzeugt…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Hallo liebe Sabine,

      ich finde es super, dass du Socke´s Futter jetzt selber zubereitest. Du bist doch schon auf dem besten Weg, selber „Fachfrau“ zu werden 🙂 …

      Wünsche euch eine schöne Restwoche …

      Liebe Grüße
      Anke

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